WONFURT

Loacker: Lautstarker Protest und klare Forderungen

Rund 300 Demonstranten folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" und machten ihrem Unmut gegenüber der Recyclingfirma Loacker am Samstag Luft.

Rund 300 Teilnehmer zogen bei der Demonstration der Bürgerinitiative Lebenswertes Wonfurt zum Areal der Firma Loacker.
Rund 300 Teilnehmer zogen bei der Demonstration der Bürgerinitiative Lebenswertes Wonfurt zum Areal der Firma Loacker. Foto: Martin Schweiger
Die Emotionen kochten hoch, nachdem Anrainer in der vergangenen Woche zum wiederholten Mal „glitzernden Staub“ auf Autos und Fensterbrettern vorfanden.

Für weitere Gemütswallungen sorgte ein „humantoxologisches Gutachten“ des LGL (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), das „keine Anhaltspunkte für gesundheitliche Bedenken“ fand. Peter Jennrich, wissenschaftlicher Berater der Deutschen Ärztegesellschaft für klinische Metalltoxologie, bemängelte das Gutachten. Die darin enthaltenen Werte seien durch eine „Immissionsmessung“ ermittelt worden, das heißt in der Umgebung des Recyclingbetriebs, nicht aber am direkten Ort der Schadstofffreisetzung, wie zum Beispiel an den Schornsteinen, selbst.

Laut einer Pressemitteilung des Landratsamts gebe es „keine Anhaltspunkte für unzumutbar hohe Belastungen“. Im Umkehrschluss hieße dies, so Jennrich, dass es sich um „zumutbare hohe Belastungen“ handle. Der Arzt wies darauf hin, dass auch mehrere Metalle in kleinerer Dosierung im Zusammenschluss gesundheitliche Schäden auslösen könnten.

Ein Urintest eines in der Nähe von Loacker beschäftigten Arbeiters hätte einen 17-fach erhöhten Arsenwert ergeben. Obwohl der Untersuchte daraufhin keine mit Arsen belasteten Speisen, wie Fisch und Mineralwasser zu sich nahm, waren die Werte nach sechs Wochen immer noch um 400 Prozent überhöht.

Auch Peter Werner, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebenswertes Wonfurt, lehnte das Gutachten ab. Es handle sich um ein „Beruhigungsgutachten des Landratsamts“. Er warf der Firma Loacker „Flickschusterei“ vor. Nicht der Schutz des Bürgers, sondern der eigene Profit stehe an erster Stelle.

Im Juni 2011 habe das Unternehmen die Einhausung des Firmengebäudes angekündigt, bis heute sei jedoch nichts passiert. Der „Provinzpatriarch“ (gemeint: Landrat Rudolf Handwerker) sei nicht in der Lage, seine Bürger zu schützen, meinte Werner.

Rückenwind erhält die Bürgerinitiative auch von der Gemeinde Wonfurt, die die Schirmherrschaft der Demonstration übernommen hatte. Dritter Bürgermeister Rudolf Weidenbacher postulierte drei Forderungen: Erstens müssten die Mängel in der Produktion beseitigt werden. Zum Zweiten müsse der Betrieb eingehaust werden, das heißt die offenen Mauern geschlossen werden. Drittens forderte er eine Stilllegung des Betriebs, bis die Einhausung erfolgt ist.

Branche diskreditiert

Stefan Tempel betreibt in der Nachbarschaft von Loacker eine Wurstfabrik. „Es stinkt und schmeckt nach metallischem Staub“ schilderte er seine Situation als Anrainer. Aus seiner Sicht sind die mittelständischen Betriebe in der Umgebung von Loacker in ihrer Existenz gefährdet.

Christian Magerl, MdL der Bündnisgrünen und Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit, kam extra aus Freising angereist. „Wir brauchen mehr Recycling“, meinte er. Betriebe wie Loacker würden die gesamte Branche diskreditieren.

Eva Bulling-Schröter, Linken-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, forderte eine Beweislastumkehr. Recyclingbetriebe wie Loacker müssten beweisen, dass sie die Emissionsgrenzwerte einhalten.

SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar, selbst Ärztin, „kann das Grenzwertgequatsche nicht mehr hören“. Das Landratsamt dürfe nicht länger „herumeiern“. Was technisch machbar ist, müsse getan werden, um die Bürger zu schützen. Sie erinnerte daran, dass das LGL „auch bei Müller Brot versagt“ habe.

Anfrage im Landtag

Landtagsabgeordneter Bernd Weiß prangerte die konträren Ergebnisse der bisherigen Gutachten an. Er kündigte eine Anfrage im Landtag an, die klären soll, welches Gutachten denn nun verlässlich ist.

Für Paul Reitz aus Wonfurt war die Demonstration eine gelungene Veranstaltung. Der Firma Loacker wirft er Zeitspiel vor. Das Landratsamt würde dabei bedauerlicherweise mitspielen. Der Schnee hinter dem Betriebsgebäude sei im Winter schwarz und grau verfärbt gewesen, meint seine Frau. Loacker hätte bereits die Äcker „bis zum Wald hinten“ gekauft, um zu expandieren. Dies hätte die Bürgerinitiative jedoch bisher verhindert.


Erzieherin Angelika Fenn-Kuhn geht es vor allem darum, die Kinder zu schützen und sie vor Krankheiten zu bewahren. Ihr Mann Herbert Kuhn ist Angler. Firmen wie Loacker würden durch ihre Nachlässigkeit dafür sorgen, dass die Schadstoffbelastung im Main zunimmt. Die eingeleiteten Gifte würden sich beispielsweise im Fettgewebe des Aals anhäufen. Der Aal aus dem Main dürfe daher nicht mehr verkauft werden.

Übrigens: Vertreter des Landratsamts und der Firma Loacker nahmen nicht an der Veranstaltung teil.

Fotoserie

Demonstration gegen Loacker

zur Fotoansicht

Demo Bürger-Initiative Lebenswertes Wonfurt - Demonstrationszug
Demo Bürgerinitiative Lebenswertes Wonfurt - Demonstrationszug
Demo Bürgerinitiative Lebenswertes Wonfurt - Kundgebung

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bernd Weiß
  • Bürgerinitiativen
  • Demonstranten
  • Sabine Dittmar
  • Ärztegesellschaften
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
11 11
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!