HASSFURT

Lutherflunsch und Griechen-Entschädigungszentrale

Scharfer Verstand und spitze Zunge: der Kabarettist Mathias Tretter, hier mit Merkel-Mimik.
Scharfer Verstand und spitze Zunge: der Kabarettist Mathias Tretter, hier mit Merkel-Mimik. Foto: Ulrike Langer

„Ich glaube, ich lebe die Jahre nur noch wegen des Jahresrückblicks“, sagte Mathias Tretter, den das Kulturamt Haßfurt mit dem kabarettistischen Jahresrückblick „Nachgetrettert!“ präsentierte. Die „Strapazen“ des vergangenen Jahres, die der Kabarettist als geistig wacher und kritischer Mensch auf sich genommen hat, haben sich jedenfalls gelohnt. Das Publikum in der ausverkauften Rathaushalle amüsierte sich köstlich über das äußerst humorvolle und intelligente Programm.

Seit zehn Jahren steht der gebürtige Würzburger, der in Leipzig lebt, auf der Bühne und reüssiert mit politischem Kabarett vom Feinsten. Er liebt die Politik, die ihm die besten Angriffsflächen bietet, und tritt beziehungsweise „trettert“ dorthin, wo es ihm angebracht erscheint.

Auch wenn er so manchen Politiker und manch anderen Prominenten parodieren kann, so ist doch seine absolute Lieblingsfigur Angela Merkel. Ihre Mundmimik, den so genannten „Lutherflunsch“, ihre Handhaltung und ihr leichtes Lispeln kann er so trefflich nachahmen, dass sich das Publikum vor Lachen kaum halten konnte.

Gut zweieinhalb Stunden dauerte der Rückblick, bei dem die Zuhörer dem Kabarettisten gebannt an den Lippen hingen. „Warum musste die Kultur der Maja aussterben und nicht die der Bayern, denke ich mir bei jedem Oktoberfest“, sagte er. „Mittlerweile sieht jede zweite Frau so aus, als könne man bei ihr Schweinsbraten bestellen“, kritisierte er die neueste Mode der Dirndl-Verkleidung.

Nach dem Oktoberfest käme dann die Frage: „Was schenkt man an Weihnachten?“ Angela Merkel habe ihr Geschenk in Form der 98-prozentigen Zustimmung bei der Wiederwahl als CDU-Vorsitzende erhalten, und die SPD habe Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten nominiert. Den hätte sie sich schenken können. Der habe sich schon klar für die Grünen als möglichen Koalitionspartner ausgesprochen und – was viele nicht erwartet hätten – auch für die SPD. Zu Weihnachten seien ja auch CDs wieder der große Hit gewesen, so Tretter, und die deutschen Finanzminister würden nicht mehr als Kämmerer, sondern als Disc-Jockeys arbeiten.

Großen Raum nahm die Krise der Griechen ein, für die Mathias Tretter eine Hilfsaktion startete: Denn für jeden seiner Witze über Griechenland zahlte er einen Euro in ein Glas mit der Aufschrift „GEZ – Griechen-Entschädigungszentrale“. Als am Ende des Abends 13 Euro in der Kasse klingelten, meinte er trocken: „Jetzt muss ich nur noch 40 Millionen Mal auftreten, dann ist Griechenland gerettet.“

Der Kabarettist griff so viele Peinlichkeiten in der Politik und in der Gesellschaft in Deutschland und in der Welt auf, dass es den Zuhörern beinahe schwindlig wurde. Weil er aber die Ereignisse redegewandt und humorvoll „verpackte“, hatte sein Publikum den ganzen Abend über viel zu lachen. Am Ende des spritzigen Programms gab es dann als besonderes „Bonbon“ eine Persiflage auf die „Jahresschlussreden“ von Angela Merkel.

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