ZEIL

Mandela, Gorbatschow und Stadelmann

Erholungspause auf dem Zeiler Marktplatz: Die Läufer zusammen mit den „Roten Teufeln“ und Bürgermeister Thomas Stadelmann.
Erholungspause auf dem Zeiler Marktplatz: Die Läufer zusammen mit den „Roten Teufeln“ und Bürgermeister Thomas Stadelmann. Foto: Peter Schmieder

Eine Strecke von Porto bis Rom, die in einem Zickzack-Kurs quer durch alle europäischen Länder führt – das wollen die Läufer, die am Peace-Run teilnehmen, innerhalb von sieben Monaten schaffen. Am Samstagnachmittag durchquerten sie auf ihrer Etappe von Bayreuth nach Schweinfurt den Landkreis Haßberge. Einen kurzen Halt gab es am Marktplatz in Zeil, wo sie von Bürgermeister Thomas Stadelmann begrüßt wurden.

„Es ist mehr denn je wichtig, dass wir erkennen, wie wichtig Frieden in der Welt ist“, sagt Stadelmann. Denn das Ziel des Laufes ist weniger die sportliche Herausforderung für die Läufer. Vielmehr geht es darum, auf den Wunsch nach Weltfrieden aufmerksam zu machen. „Wir laufen, weil jeder Mensch wichtig ist“, sagt Dipavajan Renner. Der Österreicher nahm 1991 erstmals an dem Lauf teil, diesmal ist er auch Teamleiter. Zumindest solange er dabei ist, denn nicht jeder Läufer macht die komplette Strecke mit.

„Jeder ist solange dabei, wie er Zeit hat“, erzählt er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Dafür müssen sich die Leute Urlaub oder eine Auszeit nehmen. Nur zwei Läufer sind in diesem Jahr dabei, die die komplette Strecke mitlaufen und damit sieben Monate unterwegs sind. Insgesamt wurde die Fackel des „Friedenslaufs“, wie der Peace-Run ins Deutsche übersetzt heißen würde, ganze 17mal um die Erde getragen. Jedes Jahr hat der Lauf eine andere Route, so dass die Fackel, die die Läufer mit sich tragen, schon in 150 verschiedenen Ländern war, darunter sogar die Antarktis. Auch auf der internationalen Raumstation war sie schon.

Seit Sri Chinmoy den Friedenslauf 1987 ins Leben rief, ging die Fackel schon durch die Hände diverser Friedensaktivisten, Staatschefs und Päpste. Menschen wie Nelson Mandela, Michail Gorbatschow, Mutter Teresa oder Carl Lewis hielten sie schon in der Hand. Dieses Jahr ist die Fackel auf Tour durch Europa. Dabei sollen alle 49 Länder des Kontinents durchquert werden. 46 davon liegen auf der eigentlichen Route, in den drei übrigen sind lokale Events vorgesehen, da abgelegene Inseln wie Island oder Grönland nicht durch den Lauf zu erreichen wären.

„Jeder kann etwas bewirken“, sagt Dipavajan Renner über das Thema Frieden in der Welt und empfahl den Menschen, zunächst bei sich selbst anzufangen. Auf seinem Weg durch Zeil wurde der Peace-Run von den „Roten Teufeln“, den Nachwuchsläufern des TV Zeil, begleitet, die auch zeitweise die Fackel tragen durften. Für diese Kinder veranstalteten die Läufer dann auch auf dem Zeiler Marktplatz ein kleines Quiz. Die Teilnehmer, die alle aus verschiedenen Ländern stammen, stellten sich in ihrer jeweiligen Muttersprache vor und ließen die Zeiler Nachwuchssportler erraten, wo sie herkommen. Dabei waren je ein Läufer aus Österreich, Serbien, Russland, Guatemala, Polen und Italien sowie ein Rumäne und ein Engländer. Diese beiden sind es, die in diesem Jahr die komplette Strecke mitlaufen.

Die Unterstützung für die Läufer ist vielseitig. „Wir haben in ganz Europa rund 300 bis 350 ehrenamtliche Mitarbeiter“, berichtet Renner. Auch andere private und öffentliche Einrichtungen unterstützen den Lauf, bieten Übernachtungsmöglichkeiten und Essen an. Meist schlafen die Läufer bei Privatleuten oder in Hotelzimmern, die ihnen von Unterstützern zur Verfügung gestellt werden. „Wir haben auch schon bei der Bundeswehr oder im Kloster übernachtet“, sagt Renner. Als die Läufer am Samstagnachmittag in Zeil eine Pause machten, berichtet er, das nächste Etappenziel sei Schweinfurt, wo ein Hotel und ein Abendessen auf sie warten, das ihnen ein Restaurant ausgeben will. In vielen Orten, die er durchquert, wird der Peace-Run von den Bürgermeistern begrüßt, in Zeil standen außerdem Getränke und Obst bereit. „Man bekommt durch die Bevölkerung viel von der Kultur eines Landes mit“, sagt Dipavajan Renner über positive Nebeneffekte für die Läufer. „Man taucht in die Mentalität ein und sieht viel, was normale Touristen nicht sehen“, berichtet er weiter. Oft gibt es einen regen Austausch und Einladungen durch die Einheimischen. Dabei versucht der Lauf, unabhängig zu bleiben. Auf Sponsoren oder ein Bekenntnis zu einer politischen Richtung wird bewusst verzichtet. „Für uns steht der Friedensgedanke im Vordergrund“, sagt Renner. Diese Botschaft soll der Lauf verbreiten, der Sport sei in diesem Fall nur ein Mittel zum Zweck, da sich auf diesem Weg viele Menschen erreichen lassen. „Du kannst damit kleine Kinder genauso ansprechen wie den Präsidenten eines Landes.“ Es gibt vor allem zwei Voraussetzungen für Menschen, die am Peace-Run teilnehmen möchten. Einerseits muss ein Läufer in der Lage sein, mindestens zehn Kilometer am Tag zu laufen. „Die meisten machen allerdings wesentlich mehr“, sagt Renner. Allerdings ist niemand verpflichtet, die komplette Tagesetappe mitzumachen. Die andere Voraussetzung sind Englischkenntnisse, denn das ist die gemeinsame Sprache, in der sich die Teilnehmer unterhalten. „Es muss nicht perfekt sein, aber man muss sich verständigen können.“

Als es dann nach der Pause auf dem Zeiler Marktplatz Richtung Haßfurt weiterging, folgte ein persönlicher Höhepunkt für Thomas Stadelmann, denn noch bis zum Ortsausgang begleiteten er und die „Roten Teufel“ die Läufer, der Bürgermeister durfte dabei die Fackel tragen.

Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter Richtung Haßfurt. Dabei durfte der Zeiler Bürgermeister bis zum Ortsausgang die Fackel tragen.
Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter Richtung Haßfurt. Dabei durfte der Zeiler Bürgermeister bis zum Ortsausgang die Fackel tragen. Foto: Peter Schmieder
Dipavajan Renner übergab dem Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann (unser Bild) die Fackel des Peace-Run.
Dipavajan Renner übergab dem Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann (unser Bild) die Fackel des Peace-Run. Foto: Peter Schmieder

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