BAMBERG

Marihuana an 13-jährigen Schüler verkauft

Weil er im Raum Zeil und Ebelsbach im vergangenen Jahr Marihuana im größeren Stil unter anderem auch an Minderjährige verkauft hat, muss sich ein 21-jähriger Afghane aus dem Maintal seit Montag vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten insgesamt sieben Anklagepunkte zur Last.

In einem Fall soll der 21-Jährige in Begleitung zweier minderjähriger Mädchen in Nürnberg ein Kilogramm Marihuana gekauft haben. Die Hälfte davon verkaufte er dann einem Abnehmer im Landkreis Haßberge für 2300 Euro. Einem damals 13-jährigen Schüler verkaufte er laut Anklage in mindestens 17 Fällen jeweils ein bis zwei Gramm Marihuana in der Nähe eines Supermarktes in Zeil, wobei dem Angeklagten das Alter des Kunden laut Anklage bekannt war.

Am 2. Juli vergangenen Jahres verkaufte er auf dem Parkplatz eines Zeiler Supermarktes zehn Gramm Marihuana. Dabei half ihm eine damals 16-Jährige, die das Rauschgift in einem Tütchen in ihrem Büstenhalter transportierte, es auf Aufforderung des Angeklagten herauszog und dem Käufer übergab. Der Angeklagte benutzte die 16-Jährige als „Transportmittel“ für das „Gras“, damit es bei einer etwaigen Personenkontrolle nicht bei ihm gefunden würde. Bei mindestens 30 weiteren Gelegenheiten engagierte der Angeklagte eine 17-Jährige, um für ihn kleinere Mengen Marihuana zu transportieren.

Zeuge ist strafunmündig

Vor Gericht räumte der Angeklagte den Großteil der Vorwürfe ein, bestritt aber, das wahre Alter seines 13-jährigen Kunden gekannt zu haben. Er habe ihn auf 17 bis 18 Jahre geschätzt und ihm höchstens drei bis vier Mal etwas verkauft. Anders lautete die Aussage des heute Vierzehnjährigen vor Gericht. Der Angeklagte habe ihm mehr als 20 Mal Marihuana verkauft, sagte er. Der Angeklagte habe irgendwann gewusst, dass er erst 13 Jahre alt ist.

Trotzdem habe er ihm auch dann noch „Gras“ verkauft und teilweise zusammen mit ihm geraucht, sagte der 14-Jährige, der keine Strafverfolgung fürchten muss, weil er zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig war. Der Angeklagte sagte weiter, er habe im Jahr 2017 in Afghanistan einen Motorradunfall gehabt und habe seitdem Schmerzen. Um die Schmerzen zu lindern, habe er Cannabis konsumiert. Um seinen Eigenkonsum zu finanzieren, habe er die Droge verkauft – nicht um damit reich zu werden, sagte der Auszubildende. Zudem bestritt er, die 17-Jährige dazu angestiftet zu haben, für ihn Drogen im BH zu verstecken. Dies habe sie von sich aus getan, gab er zu Protokoll.

Mitbewohner packt aus

Auf die Schliche kam die Polizei dem Angeklagten durch einen seiner Mitbewohner, der sich von „Cannabis-Runden“ und dem Qualm von Joints in der gemeinsam bewohnten Wohnung gestört fühlte und am 1. Mai vergangenen Jahres die Polizei anrief. „Ich brauche meine Ruhe nach der Arbeit“, begründete er vor Gericht sein Einschreiten. Er habe dem Angeklagten eine Frist von zwei Wochen gegeben, um aufzuhören. Die habe dieser jedoch nicht genutzt. Cannabis kenne er aus Afghanistan, wo es öffentlich auf der Straße geraucht werde. Obwohl das Kraut auch dort verboten ist, schreite die Polizei selten ein, sagte er im Zeugenstand.

Polizei fädelt Geschäft ein

Nach der Anzeige durch den Mitbewohner kontaktierten verdeckte Ermittler der Kripo Schweinfurt den Angeklagten per Whats-App, um mit ihm Drogengeschäfte zu vereinbaren. Bei zwei Gelegenheiten verkaufte der Angeklagte den Incognito-Polizisten kleinere Mengen Marihuana. Ein Ankauf von 500 Gramm zum Preis von 2750 Euro, der auf einem Supermarktparkplatz in Bamberg abgewickelt werden sollte, kam nicht zustande, weil der Lieferant aus Hamburg angeblich einen Unfall hatte. Nach dem geplatzten Deal wurde der Angeklagte festgenommen. Er sitzt seit 17. August vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Der Prozess wird am 11. Februar um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll neben weiteren Zeugen ein Gutachter über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten und über die Erfolgsaussichten einer Therapie berichten. (msch)

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