ALLERTSHAUSEN

Maro 1989: Als Tausende glücklich zur Grenze strömten

Vor 30 Jahren: Maroldsweisach, Hellingen und das Wunder der friedlichen Revolution. Eine Gedenkfeier erinnerte am 2. Dezember an die Glücksmomente von damals.
Loch im Eisernen Vorhang - ein kostbares Dokument der Zeitgeschichte: Die Aufnahme zeigt die offene Grenze zwischen Dürrenried in der Gemeinde Maroldsweisach (West) und dem Heldburger Ortsteil Käßlitz (Ost) am 17.Dezember 1989. Foto: Horst Neubert

Montag, 2. Dezember – ein Datum, das wohl die meisten mit dem Gedanken verbinden, dass es nun nicht einmal mehr vier Wochen bis Weihnachten sind. Maroldsweisacher und Hellinger, die ja in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen DDR leben, verbinden jedoch auch heute noch, nach 30 Jahren, vor allem die Grenzöffnung mit dem Datum 2. Dezember. Jedenfalls kamen sie in stattlicher Anzahl zur einstigen Grenze zwischen Allertshausen und Hellingen, um an einer Gedenkfeier teilzunehmen.

In dieser Jahreszeit ist es um 17 Uhr stockfinster, und so liegt auch der Gedenkstein, der an die Grenzöffnung erinnern soll im Dunkeln. Wer nicht ortskundig ist, wird kaum darauf kommen, wie bedeutungsschwanger dieser Ort ist und dass es früher ab hier nicht mehr weiter ging, sondern über 28 Jahre lang eine Grenzanlage Freunde und Verwandte gewaltsam trennte. „1949 teilte man unser Land am 2.12 1989 reichten wir uns hier wieder die Hand“, ist auf dem Gedenkstein zu lesen.

Der Grenzverlauf ist nicht mehr erkennbar

Doch die Dramatik, die hinter diesen Worten steckt, ist für Menschen, die es nicht miterlebt haben, bestenfalls zu erahnen. Außer jenem Gedenkstein und einer Hinweistafel erinnert hier nichts mehr an einen Grenzverlauf. Die meisten Besucher an diesem frühen Abend jedoch haben die Grenze noch miterlebt und auch ihren Fall. Sie wussten, wo die Gedenkfeier stattfindet, bevor die Feuerwehr den Schauplatz ausgeleuchtet hatte und die Straße gesperrt wurde.

Die Bilder von damals noch im Kopf

„Ich habe das Bild noch im Kopf“, so Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein, der 16 Jahre alt war, als der Grenzzaun fiel. Die Aufregung, die Freude – es sei unbeschreiblich gewesen. Ganz anders sein Amtskollege, der Bürgermeister von Heldburg, Christopher Other. Er hat das alles nur indirekt miterlebt, weil noch im Bauch der Mutter, wie er erzählt. Trotzdem ist er zutiefst davon überzeugt, dass man diesen Moment bewahren sollte. Schließlich sei er verknüpft mit dem Mut der vielen, die sich damals für Freiheit und Demokratie eingesetzt haben. „Eine großartige Leistung, die uns, den nachfolgenden Generationen die Freiheit geschenkt hat zu reisen und unser Leben zu gestalten“, so Other. Und auch heute, nach 30 Jahren, sei es für ihn ein wunderbarer Moment, hier feiern zu können. Er sprach auch die vielen Berührungspunkte der beiden Gemeinden an und die wertvollen Freundschaften, die entstanden sind.

„Es war ein 'Wunder der friedlichen Revolution' und auch die glücklichsten Tage der Geschichte Deutschlands – ja für ganz Europa“, pflichtet ihm Thein bei. Schon die Beteiligung an dieser Gedenkfeier zeige, dass die Menschen nicht vergessen haben und alle dankbar sind, dass die Grenze gefallen und wir wieder ein Deutschland sind, erklärte Thein. Auch heute noch beginnen die meisten Gespräche zu dem Thema Ost und West mit: „weißt du noch damals“.

„So ein Tag, so wunderschön wie heute“

Wie ein Lauffeuer sprach es sich vor 30 Jahren herum, dass der Zaun fällt. Tausende Menschen strömten zur Grenze. Die Allertshäuser begrüßten ihre Hellinger Nachbarn mit dem Lied „So ein Tag so wunderschön wie heute“, erinnert sich Maroldsweisachs Bürgermeister. Auch an diesem Abend wurde das Lied gespielt, allerdings von einer Abordnung der Riether Blasmusik, die der Gedenkfeier den musikalischen Rahmen gab.

„Nach einem Treffen von Vertretern aus den Landkreisen Hildburghausen und den Haßbergen wurde am 7. Dezember 1989 der Ausbau dieser Straße, auf der wir jetzt stehen, vorgenommen“, erinnert sich Thein. In allen Grenzgebieten herrschte Ausnahmezustand. Jeder wurde bewirtet, man feierte und schloss Freundschaften über die Grenze hinaus. An den folgenden Tagen sei es bereits mit der Auszahlung des Begrüßungsgeldes losgegangen.

Auf das Begrüßungsgeld nicht vorbereitet

Auch am Samstag und Sonntag wurde die Marktverwaltung geöffnet. Da man hierauf nicht vorbereitet war, sei das Geld ausgegangen. Aus den Banken vor Ort musste Nachschub beschafft werden, um die ankommenden Besucher bedienen zu können. Bis Ende Dezember 1989 kam es zu Auszahlungen von insgesamt 345 000 DM. Für die jüngeren sei dieses Szenario wahrscheinlich unvorstellbar. Aber diejenigen, die das alles live miterlebt haben, werden diese Bilder wohl nie vergessen, so Thein.

Darum freue er sich, dass die Tradition aufrechterhalten und zu den Jahrestagen mit den Hellinger Freunden und der gesamten Bevölkerung hier ein Treffen stattfinde, um diesen wichtigen Teil der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Nach einer Kranzniederlegung am Gedenkstein fanden sich die Besucher noch im Gasthaus Hartleb in Maroldsweisach ein. Hier hieß es dann wieder oft: „weißt du noch damals……“.

„1949 teilte man unser Land am 2.12 1989 reichten wir uns hier wieder die Hand”, ist auf dem Gedenkstein zu lesen. Genau 30 Jahre später reichten sich hier der Heldburger Bürgermeister Christopher Other (links) und sein Amtskollege Wolfram Thein aus Maroldsweisach im Rahmen einer Gedenkfeier die Hände. Foto: Stefanie Brantner
Sie erinnerten mit Fackeln an die Grenzöffnung vor 30 Jahren. Foto: S. Brantner

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