HOFHEIM

Mit Vollgas in die Vergangenheit

Oldtimer-Treffen: Über 160 Veteranen auf zwei und vier Rädern beim Oldtimer-Treffen von HOH Classic in Hofheim. Der Preis für die weiteste Anreise mit einem Fahrzeug geht an drei Spanier.
Stilechtes Camping-Idyll der 50er und 60er Jahre: Ein Fan dieser Zeit ist Timo Aumüller (Zweiter von rechts), im Bild zusammen mit Ernst, Christa und Elke Aumüller (von links) sowie Kerstin Häpp. Foto: Alois Wohlfahrt

Nein, sie hatte es bisher nicht glauben können: Brigitte Gerber lacht und sagt, „es stimmt wirklich, da passen zwei Leute rein“. Sagt's und steigt aus der guten alten „Isetta“ wieder aus. Verwunderte und bewundernde Gesichter, die gab's bei der Neuauflage des Oldtimer-Treffens von HOH Classic zuhauf. Nicht nur, weil wie etwa der Rügheimer Robert Koch seine Isetta praxistauglich präsentierten. Sondern vor allem auch, weil viele Besucher auch wunderbare Geschichten zu den Veteranen der Straße erfuhren. Als Erfolg konnte das Organisationsteam von HOH Classic schon zur Mittagszeit das Treffen verbuchen, wie Martin Hofmann von HOH Classic als Zwischenbilanz gab.

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Oldtimer-Treffen

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Über 160 Fahrzeuge passierten den Startpunkt am Marktplatz mit Motorgeräuschen in allen Tonlagen. Vom wohligen tiefen Ton mancher Motorräder und hubraumstarker Autos und Traktor-Veteranen, bis hin zum kraftprotzenden Klang der sportlicheren Flitzer. Wer in die Innenstadt kam, für den wurde Vergangenheit lebendig.

Und genau da fühlt sich Timo Aumüller aus Schweinfurt richtig aufgehoben: „Ich lebe, glaub ich, 30 bis 40 Jahre zu spät“, sagt er schmunzelnd. Das wird ihm jeder glauben, der gesehen hat, mit was er nach Hofheim angereist ist. Zwei Mercedes, Baujahr 66 und Baujahr 56. Blitzblank herauspoliert, wie neu schauen sie aus, obwohl er den 56er Mercedes vor 15 Jahren quasi als Schrott gekauft hat, berichtet der 47-jährige Aumüller. Wie etliche der angereisten Oldtimer-Fahrer hat er Tausende Stunden in sein Hobby gesteckt, berichtet Aumüller.

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Oldtimer-Treffen 2

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Aber es kommt noch besser. Wie ein Blick in die Zeit vor mehr als einem halben Jahrhundert ist die Szene zwischen seinen beiden Fahrzeugen: Da sitzt die Familie vor dem Wohnwagen aus dem Jahr 1956. „Alles original“, sagt Timo Aumüller lachend, als er auf die Ausstattung zeigt: Campingstühle, Geschirr, und auf dem original Plattenspieler aus dieser Zeit läuft Conny Francis mit „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“.
 

 

Auf Hochganz polierte Fahrzeuge gibt es beim HOH Classic -Treffen in Hofheim jede Menge. Und eines mit _ sagen wir mal "Gebrauchsspuren". Und das ist ohne Zweifel ein Publikumsliebling: Ein 63 Jahre alter VW Käfer. Und das besondere: Ein "naturbelassenes Baustellenfahrzeug". A Traum, wie er klingt:

Posted by Main-Post Haßberge on Sonntag, 7. Juni 2015
 

 

Liebe zum Detail – immer wieder sind die drei Worte auf dem Marktplatz und in den weiteren Straßen der Altstadt zu hören. Seien es die Plastikblümchen am Innenspiegel, der Wackel-Dackel auf der Hutablage oder das bis in die kleinsten Ecken aufpolierte Chrom.

Nur einer fällt da aus dem Rahmen: Zerschunden und abgearbeitet steht ein Käfer zwischen den glänzenden Veteranen. Aber: „So soll's auch sein“, denn Manfred Künzel hat bewusst nichts an seinem „Erwin“, wie er ihn nennt, geändert. Über 50 Jahre stand das Baustellenfahrzeug in einem Schuppen, bevor ihn der Eberner Künzel vor drei Jahren aus dem „Dornröschenschlaf“ gerissen, aber nicht aufgeschönt hat. Warum nicht? „So einen, in dieser Ausstattung, findet man nicht mehr“, sagt Künzel und zieht die Besucher scharenweise an. Für ihn ist der Käfer Baujahr 1952 mehr als nur ein Oldtimer: „Es ist ein kulturgeschichtliches Denkmal“. Sagt's und lässt gleich einmal den Motor an, um zu zeigen, dass sein „Erwin“ immer noch schnurrt.
 

 

Augen- und Ohrenschmaus: Ein Opel Rennwagen auf dem Hofheimer Oldtimer-Treffen.

Posted by Main-Post Haßberge on Sonntag, 7. Juni 2015
 

 

Aber es geht auch größer: In einem echten Unikat konnten Besucher eine Spritztour durch die Haßberge machen. Busunternehmer Heinz Will chauffierte Oldtimer-Fans in seinem ersten Bus, einem „Neoplan“, Typ Hamburg, über Eichelsdorf, Rottenstein, Friesenhausen und Reckertshausen zurück nach Hofheim. „Der Bus, Baujahr 1963, ist der einzige seiner Baureihe, der weltweit noch fährt“, erzählt der 70-Jährige ganz stolz.

Im Gegensatz zu heutigen Reisebussen mit 16-Gang-Automatikgetriebe und über 400 PS hat der Oldtimer nur 170 PS und verfügt über fünf Gänge, die mit Zwischengas eingelegt werden müssen. Das Reiseziel hieß in den 60er und Anfang der 70er Jahre meist Portoroz im heutigen Slowenien. „Am Loiblpass konnte man damals nebenherlaufen“, erinnert sich Will, und lacht dabei. Um seinen Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, installierte er ein Magnetventil, mit dem er ein Raumspray in das Belüftungssystem blies. „Die Damen freuten sich immer, dass es bei mir im Bus so gut nach Rosen duftet“, erinnert sich Will schmunzelnd.
 

 

Abschluss des Hofheimer Oldtimer-Treffens: Bürgermeister Wolfgang Borst übergibtt die Preise an die am weitesten angereisten Teams: Aus Wunsiedel, Ulm und: Drei Jungs aus Spanien.

Posted by Main-Post Haßberge on Sonntag, 7. Juni 2015
 

 

Zehn Jahre lang war der Bus im Einsatz und wurde dann verkauft. Vor zwölf Jahren entdeckte ihn Will bei einem Busunternehmer, kaufte ihn zurück und restaurierte ihn (wir berichteten). Heute fährt der Oldtimer nur bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Firmenevents. Für den Linienverkehr ist er nicht mehr zugelassen.

Dass die Leidenschaft für Oldtimer weit über die Region hinaus verbreitet ist, zeigte sich zum Abschluss: Pokale gab es für die am weitesten angereisten Oldtimer-Fahrer. Ulm, vor Wunsiedel – das waren die Plätze zwei und drei. Um Längen wurde sie allerdings von den Siegern geschlagen: Drei Freunde aus dem Raum Bilbao in Spanien hatten vom Oldtimertreff auf ihrer Deutschlandtour gehört und waren spontan nach Hofheim gefahren, berichtete einer der Dreien, Victor Ruiz. Ihnen überreichte Bürgermeister Wolfgang Borst den Pokal für den ersten Preis.

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