BAMBERG

Mit dem Krankenwagen: Ein letztes Mal zum Ort der Träume

Eine letzte Fahrt? Projektkoordinator Christian Meyer am Herzenswunsch-Krankenwagen für Menschen in der letzten Lebensphase. Foto: Marion Krüger-Hundrup

„Wie gerne würde ich noch einmal mit meiner Frau nach Vierzehnheiligen fahren…“. Oder noch einmal die Nord- oder Ostseeluft schnuppern. Oder ein Fußballspiel meines Lieblingsclubs im Stadion verfolgen. Oder eine Familienfeier besuchen und Angehörige sehen, die mir ein Leben lang wichtig waren. Oder, oder, oder.

In schwerstkranken und sterbenden Menschen werden letzte Wünsche wach, von denen sie glauben, dass diese in ihrem gesundheitlichen Zustand unerfüllbar sind. Das erfährt der Malteser Hilfsdienst in seiner ganzheitlichen Fürsorge für kranke, alte, hilfsbedürftige Menschen immer wieder: „Wenn Menschen wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, bekommen Träume und Wünsche eine ganz andere Dimension“, weiß Christian Meyer, Referatsleiter Notfallvorsorge in der Diözesangeschäftsstelle der Malteser in Bamberg.

Jetzt hat der hauptamtliche Malteser Meyer eine weitere Aufgabe übernommen: Er koordiniert das neue Projekt „Herzenswunsch-Krankenwagen“ in der Erzdiözese Bamberg: „Mit diesem Angebot möchten wir Menschen in der letzten Lebensphase Freude schenken und die Möglichkeit geben, durch den Besuch von einem Ort, einer Person oder einem Ereignis Abschied zu nehmen.“

Reines Ehrenamt

Der Herzenswunsch-Krankenwagen, medizinisch und technisch ausgestattet und fachlich besetzt wie jeder andere Krankenwagen, bringt die Menschen dorthin, wo sie alleine nicht mehr hinkommen. Die Begleitpersonen – jeweils ein Rettungssanitäter und Einsatzsanitäter – haben eine zusätzliche Ausbildung aus dem Bereich Hospiz und Palliativmedizin und erfüllen alle Voraussetzungen für einen qualifizierten Krankentransport. „Es sind rein Ehrenamtliche, die jede Fahrt des Herzenswunsch-Krankenwagens begleiten“, erklärt Projektkoordinator Meyer.

Die Waischenfelderin Anna-Maria Klaus ist eine dieser Ehrenamtlichen. „Es ist schön, wenn man jemandem auf dem letzten Lebensweg begleiten kann“, begründet die Rettungssanitäterin ihre Bereitschaft zur Mitwirkung. Und sie sagt: „Es ist auch eine Ehre, den letzten Herzenswunsch zu erfüllen!“

Fast jeder Wunsch realisierbar

Projektkoordinator Christian Meyer nimmt zentral die Herzenswunsch-Anfragen entgegen, holt Informationen zum medizinischen Zustand des Patienten ein und entscheidet, ob der Wunsch erfüllbar ist. „Innerhalb der deutschen Grenzen können wir fast jeden Wunsch realisieren, und zwar an sieben Tagen in der Woche.“ Und gleich, ob jemand liegend oder in einem Rollstuhl transportiert werden muss oder Unterstützung durch Medizingeräte während der Fahrt benötigt.

Jeder Mensch darf ihn nutzen

Der Herzenswunsch-Krankenwagen kann unabhängig von Alter, Geschlecht sowie ethnischer und religiöser Zugehörigkeit genutzt werden. Die Fahrt samt Betreuung ist für den Patienten und seine Familie kostenlos, da aus Spenden finanziert. Kosten entstehen lediglich für mögliche Übernachtungen oder Eintrittskarten für Konzerte, Sportereignisse usw.

Der Bamberger Herzenswunsch-Krankenwagen ist eingebettet in ein bundesweites Projekt, das seinen Ursprung 2015 bei den Maltesern in Leverkusen nahm. In Bayern startete der erste Herzenswunsch-Krankenwagen in der Diözese Würzburg im Jahr 2017. Weitere bayerische Bistümer folgten. Nach sorgfältiger Vorbereitung durch Haupt- und Ehrenamtliche komplettiert nun Bamberg das Angebot der Malteser in Bayern.

Und zwar mit dem Segen Gottes: In einer kleinen Zeremonie stellte Weihbischof Herwig Gössl den Herzenswunsch-Krankenwagen unter himmlischen Schutz.

Anfragen zum Angebot „Herzenswunsch-Krankenwagen in der Erzdiözese Bamberg“ nimmt Projektkoordinator Christian Meyer entgegen: Moosstraße 69, 96050 Bamberg, Telefon: 0951 / 91780-495, E-Mail: herzenswunsch.bamberg@malteser.org. Auch Anfragen aus dem Landkreis Hassberge sind möglich und werden mit den Würzburger Maltesern abgestimmt.

Rettungssanitäterin Anna-Maria Klaus: „Es ist schön, wenn man jemandem auf dem letzten Lebensweg begleiten kann.“ Foto: Marion Krüger-Hundrup

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