HOFHEIM

Mit einem Bein auf dem Einrad fahren

Wer kommt als erster ins Ziel?
Wer kommt als erster ins Ziel?

Ganz oder gar nicht: So könnte man die Leidenschaft für den Einradsport auf den Punkt bringen. Betreibt man ihn, dann mit Leib und Seele. Dies trifft beileibe nicht nur auf den Einradler selbst zu. Meist ist die gesamte Familie involviert.

Bester Beweis: Die Bayerische Meisterschaft im Einrad-Rennen, die am Wochenende auf dem Sportgelände der Mittelschule Hofheim stattfand. Vater, Sohn, Tochter – nicht selten tauchte ein Familienname mehrfach in den Teilnehmerlisten auf.

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Einrad-Meisterschaft

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Riesiges Familientreffen

Wer nicht selbst mitradelte, drückte am Rand des Wettkampfgeländes fleißig den Kameraauslöser und feuerte seine Familien- oder Vereinsmitglieder gehörig an. Abgesehen von den Wettkämpfen wirkte die gesamte Veranstaltung wie ein riesiges Familientreffen. Schöne Farbtupfer in Blau, Rot, Grün und Gelb entlang der Tribüne und des Sportgeländes.

„Einradfahren ist gut für den Körper und den Kopf.“
Max Hanny, Vater der Weltrekordlerin Lisa-Maria

Hier reihte sich ein Pavillon an den anderen. Unter ihnen hatten sich die Teilnehmer mit ihren Fans und Betreuern häuslich eingerichtet. Jeder schien jeden zu kennen. Selbst manch heftiger Regenschauer und ein Stromausfall, der kurzzeitig den gesamten Wettkampfbetrieb lahmlegte, trübte die entspannte Stimmung und gute Laune nicht.

Was ein echter Einradfahrer ist, den schreckt auch strömender Regen nicht ab. Am Wochenende wurde die Bayerische Einrad-Meisterschaft am Sportgelände der Hofheimer Mittelschule ausgetragen.
Was ein echter Einradfahrer ist, den schreckt auch strömender Regen nicht ab. Am Wochenende wurde die Bayerische Einrad-Meisterschaft am Sportgelände der Hofheimer Mittelschule ausgetragen.

Das freute denn auch Cheforganisator Ralph Köberlein. Nachdem die Hofheimer die Bayerische Meisterschaft vor zwei Jahren bei extremer Hitze meistern mussten, kommentierte der TV-Vorsitzende das Wetter in diesem Jahr mit: „Ich bin heilfroh über jede Stunde, in der es mal nicht regnet.“

Zehn Disziplinen

180 Einradler im Alter von sieben bis 57 Jahren traten in insgesamt zehn Disziplinen gegeneinander an. Alle Hände voll zu tun hatte da EDV-Mann Martin Schamberger, der im Vorfeld bereits die Starterlisten erarbeitete. Wenn er nicht im Vereinsheim des SV vor dem Computer saß, sammelte er die gefahrenen Zeiten und erkämpften Zentimeter an den einzelnen Messstationen für die Ergebnislisten ein. „Über 1000 Einzelstarts kamen da zusammen.“

Glänzend in Form und damit besonders erfolgreich war die mehrfache Weltmeisterin Lisa-Maria Hanny, die für den TSV Kastl an den Start ging. Die 21-Jährige holte in den Disziplinen 100 Meter Rennen, Coasting, Einbein 50 Meter, Radlauf 30 Meter, IUF Slalom und Weitsprung jeweils den Meistertitel. Mit ihrem kraftvollen Sprung sorgte sie gar für eine Sensation in Hofheim: 3,25 Meter, das ist der neue Weltrekord bei den Damen.

Natürlich fällt der Erfolg auch dieser siegreichen Sportlerin nicht in den Schoß. Fünf bis sechs Mal pro Woche steht nach einem ausgefüllten Studientag noch Training auf dem Programm.

Bei wem reicht es für den Titel des Landesmeisters im Einrad-Rennen? Die Bayerische Meisterschaft wurde am Wochenende in Hofheim am Sportgelände der Mittelschule ausgetragen.
Bei wem reicht es für den Titel des Landesmeisters im Einrad-Rennen? Die Bayerische Meisterschaft wurde am Wochenende in Hofheim am Sportgelände der Mittelschule ausgetragen.

Lob für die gute Organisation

„Einradfahren ist gut für den Körper und den Kopf“, bricht ihr Vater Max, der Lisa-Maria trainiert, eine Lanze für die häufig unterschätzte Sportart. Das Balancieren trainiere beide Gehirnhälften und sorge zugleich für eine aufrechte Haltung. Großes Lob spenden Vater und Tochter dem TV Hofheim: „Perfekt organisiert, super Stimmung.“

Andreas Richters Liebe zum Einrad wurde in der Sparte „Bewegungskünste“ des SV Pocking geweckt. Neben Jonglieren und Akrobatik lernte er dort auch das Einradfahren kennen. Die Vielseitigkeit ist es, die den 22-Jährigen am Einradfahren begeistert. Neben den Wettkämpfen beim Einrad-Rennen misst sich Richter auch beim „Mountain Unicycling“ (MUni) in Disziplinen wie Uphill, Downhill und Cross Country.

Bei dieser Vielseitigkeit sind die sieben Einradler vom SV Pocking mit einem ganz schönen Fuhrpark an Rädern nach Hofheim angereist. Beim Weitsprung muss ein besonders dicker Reifen die Federung ersetzen. Renneinräder müssen mit einem schmalen 24 Zoll Reifen und einer Kurbellänge von mindestens 125 Millimeter ausgestattet sein.

„Für den Hochsprung nehmen wir dagegen eher kleine und leichte Räder mit etwas dickeren Reifen“, beschreibt der junge Mann die Ausstattung. Klar wolle man auch gewinnen, räumt Richter ein. Aber genauso toll sei es, die vielen anderen Einradler aus ganz Deutschland immer wieder zu treffen. „Wir sind wie eine große und gute Familie. Alles ist total entspannt und man freut sich wirklich für jeden, der gewinnt.“

Aus Belgien angereist

Und so stimmten denn auch viele bei der Siegerehrung in Richters Jubel über die errungenen Meistertitel im 100 Meter Rennen, 50 Meter Einbein, Hochsprung (0,95 Meter) und Weitsprung (3,50 Meter) ein.

„Wir sind wie eine große und gute Familie.“
Andreas Richter (22) liebt die Vielseitigkeit des Einrad-Sports

Bereits zum zweiten Mal reiste Familie Bracke aus dem 620 Kilometer entfernten Zele in Belgien an. Filip Bracke schwärmt von dem tollen Empfang mit der „Italienischen Nacht“ in Hofheim. Und auch die Umgebung samt Ellertshäuser See wurde schon erkundet.

Ganz vom Einrad-Virus gepackt ist die Hofheimer Familie Just.
Ganz vom Einrad-Virus gepackt ist die Hofheimer Familie Just. Foto: Gudrun Klopf

Quasi vor der Haustür hatte dagegen Familie Just die Einrad-Meisterschaft. Von den Eltern Andrea und Rainer über Tochter Anna (12) bis hin zu Sohn Peter (7) hat der Einradvirus alle Familienmitglieder fest in der Hand. Seit sie sieben ist, balanciert Anna auf einem Rad.

Nach und nach hat sie den Rest der Familie angesteckt. Highlight war Annas Reise zur Weltmeisterschaft nach Spanien im vergangenen Jahr, zusammen mit den Einradlerinnen Nora Koppitz und Pia Koletnik vom TV Hofheim.

In Spanien war er nicht dabei, aber trotzdem kommen im Jahr über 10 000 Kilometer zusammen, wenn er mit seiner Tochter einradmäßig unterwegs ist, sagt Rainer Just. Besonders, seit Anna für den Bayern-Kader des Einradverbandes ausgewählt wurde. „Da ist alle zwei bis drei Wochen irgendwo in Bayern Training. In zwei Wochen geht es mit den Hofheimer Einradlern zur Deutschen Meisterschaft nach Illertissen, und in vier Wochen messen sie sich bei der Weltmeisterschaft in Holland“, zählt Annas Vater auf.

400 Kehlen sangen für das Geburtstagskind

Für einen Meistertitel reichte es in Hofheim nicht. Aber Anna freut sich über ihren Sieg in ihrer Altersklasse im Weitsprung. Und beim Radlauf 30 Meter und IUF Slalom belegte sie jeweils den zweiten Platz der Gruppe U13.

„Gerne wieder“, sagt Ralph Köberlein in Anschluss an die Veranstaltung. Obwohl es eine Heidenarbeit sei und einiges an Urlaub dabei draufgehe: „Es ist einfach schön und macht einen Riesenspaß.“

Zufrieden ist der Vorsitzende des TV allemal. Keine Verletzungen, am Sonntag gutes Wetter und alles Essen verkauft – lautet sein Fazit in Kürze. „Ohne die vielen, inzwischen perfekt eingespielten Helfer wäre eine solche Veranstaltung nicht machbar.“ Seinen Geburtstag am Sonntag habe er gerne geopfert: „Es war einfach kein anderer Termin zu finden.“ Vergessen wird er den 57. jedenfalls nicht: Denn wer bekommt schon am frühen Morgen auf einem Sportgelände von rund 400 Menschen ein Ständchen gesungen.

 

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