RENTWEINSDORF

Musikalisches Feuerwerk im Schloss

Bruna Pulini (Klavier) und Peter Rosenberg (Violine) passten mit ihrem musikalischen Auftritt in der Konzertreihe „Musik in fränkischen Schlössern“ ausgezeichnet in das herrschaftliche Gartenzimmer des Schlosses der Familie Rotenhan in Rentweinsdorf. Foto: Johanna Eckert

Mit einem Feuerwerk startete die Konzertreihe „Musik in fränkischen Schlössern“ im Jahr 2017. Am Samstagnachmittag öffneten sich die Türen des Schlosses Rentweinsdorf der Familie Rotenhan. Die Herren mit einem Jackett gekleidet, die Damen mit einem Sommerkleid festlich gewandet, eilte man dann über den gekiesten Schlossplatz hin in den zum Garten gelegenen Festsaal in der Rokokoanlage. Neben Schubert, Debussy und Beethoven waren an diesem Nachmittag wohl die wichtigsten Personen: der langjährige Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, Peter Rosenberg, und seine Begleitung am Klavier, Bruna Pulini.

Für die beiden Musiker war es eine Premiere, im Schloss in Rentweinsdorf auf der Bühne zu stehen. Eine Premiere war es aber auch, zusammen im Duett zu spielen. „Es war das erste Mal, dass wir zusammen aufgetreten sind“, so die Pianistin und Südtirolerin Bruna Pulini, „wir kennen uns über eine Bekannte aus Bozen.“ Nichts außer Harmonie war bei diesem Zusammenspiel an diesem Nachmittag zu hören.

Bruna Pulini studierte in Italien, Österreich und Deutschland, und ihr wurden dort bereits mehrere Auszeichnungen verliehen. Als Solistin und Kammermusikerin gibt sie Konzerte nicht nur in Europa, sondern auch immer wieder in Japan. Sie spielt mit Künstlern der Wiener Symphoniker und der Münchner Philharmoniker zusammen.

Peter Rosenberg war von 1982 bis 2015 erster Konzertmeister der Bamberger Symphoniker. Der aus Rumänien stammende Musiker studierte in Deutschland und Israel. Er war als Pädagoge und Professor an der Hochschule tätig, machte zahlreiche Rundfunkaufnahmen und konzen-trierte fast rund um die Welt. In seinem Ruhestand widmet und engagiert er sich nun vor allem für Nachwuchsmusiker.

Kein Wunder. Denn an einen seiner Söhne gab Rosenberg sein musikalisches Talent weiter. Wer Peter Rosenberg in Rentweinsdorf verpasst hat, wird ihn im September in Ebern bei den Musiktagen in der Pfarrkirche hören können.

Der zum Garten hin gelegene Festsaal im Schloss Rotenhan besticht mit einer wunderbaren Weitsicht über Garten, fließendes Gewässer und Felder hinweg. Es ist ein Raum mit knarzendem Holzboden, zurückhaltendem stuckierten Muschelwerkdekor und mit an die Wände gepinselten Vorfahren, deren abblätternder Teint viele Jahrzehnte vermuten lässt. Mit Lavendellila getünchte Wände und eine mit Fayencefliesen bestückte Wandgliederung runden den Raum ab, in welchem am Samstag das Konzert mitsamt Violine und Klavier stattgefunden hat. Die Besucher aus Frankfurt, Nürnberg, Würzburg oder Ebern gerieten nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der einzigartigen Schlossanlage ins Schwärmen.

Auf dem Programm stand im ersten Teil die Sonate A-Dur, op. 162 von Franz Schubert und Claude Debussys Sonate g-Moll. Schubert war schon tot, als Debussy in Frankreich geboren wurde. Moderner also musste Debussys Musik sein. Impressionistisch und imposant war es, wie Rosenberg und Pulini die Motive der Sonate vortrugen. Vor allem an der Violine musste Peter Rosenberg die Finger am Steg tippeln lassen und Purzelbäume schlagen lassen. Seinen akrobatischen Fähigkeiten ließ er freien Lauf. Die Schweißperlen liefen ihm die Schläfen hinunter, beim Presto flog ihm die graue Haarsträhne in die Luft. Bruna Pulini am Klavier war graziös und ließ dem großen Meister immer wieder den Vortritt. Es war ein spontanes, vollkommen überzeugtes „Bravo“ aus der ersten Reihe, das die Künstler wohlverdient in die Pause begleitete.

Den zweiten Teil des Nachmittages vereinnahmte die „Kreutzersonate“, deren Geschichte mindestens genauso interessant ist wie deren Musik. Der ursprüngliche Titel lautete „Sonata mulattica“. Denn Ludwig van Beethoven hatte dieses Werk im Mai 1803 in Wien mit einem mulattischen Geiger uraufgeführt. Doch da sich Komponist und Violinist später verkrachten, widmete Beethoven die Sonate schließlich dem französischen Geiger Rodolphe Kreutzer; Beethoven nach „ein guter, lieber Mensch“ mit wohltuender „Anspruchslosigkeit und Natürlichkeit“ – und außerdem einer der größten Solisten seiner Zeit. Doch ausgerechnet Kreutzer hat die Sonate wohl nie gespielt. Sie sei zu schwer, lautete des Künstlers einfache Begründung.

Peter Rosenberg und Bruna Pulini wagten sich an diese einst als unspielbar geltende Sonate der Superlative und schafften es damit, qualitativ hochwertigste Musik in Rentweinsdorf zu präsentieren.

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