HASSFURT

Nacktbilder für 20 Euro

Wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und des Besitzes kinderpornographischer „Schriften“ hat das Schöffengericht einen 50-jährigen Arbeiter aus dem Kreis Bamberg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die es für vier Jahre zur Bewährung aussetzte.

Als Auflage muss er 2400 Euro an das geschädigte Kind und 600 Euro an den Weißen Ring bezahlen. Der Angeklagte hatte im November 2013 das Vertrauen eines Nachbarjungen in seiner damaligen Wohnung in Ebern auf perfide Weise ausgenutzt. Er bot dem damals Zwölfjährigen 20 bis 30 Euro dafür, dass er sich nackt auszog und an seinem Glied manipulierte, was der Junge dann auch auf Druck des Angeklagten hin tat.

Bilder und Videos „mit den widerlichsten sexuellen Handlungen an Kindern“
Ilona Conver Vorsitzende Richterin

Der Pädophile schoss dabei Bilder mit seiner Digitalkamera, die Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt später bei ihm ebenso fanden wie ein Bild, bei dem sich der nackte Junge nach vorne beugte, sodass sein Anus zu sehen war. Auf CD's, einer externen Festplatte und dem Laptop des Angeklagten fanden die Polizisten außerdem 1132 Bilder und 684 Videos mit einer Gesamtlaufzeit von fast 75 Stunden mit „widerlichsten sexuellen Handlungen an Kindern“, wie sich die Vorsitzende Ilona Conver ausdrückte. Die Bilddateien zeigten den Oralverkehr zwischen acht- bis zehnjährigen Jungen. Sechs- bis achtjährige Jungen nahmen sexuelle Handlungen an Erwachsenen vor. Auf den Videos waren schwere sexuelle Missbrauchshandlungen Erwachsener an zwei- bis zwölfjährigen Kindern zu sehen, einmal sogar durch einen Hund.

Der Angeklagte ließ durch seinen Pflichtverteidiger Thomas Gärtner verlauten, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einräumt – viel anderes blieb ihm auch nicht übrig. Gleichzeitig stellte der Verteidiger den Antrag, bei der Aussage seines Mandanten die Öffentlichkeit auszuschließen, dem das Gericht folgte.

Die Mutter des geschädigten Kindes, die als Nebenklägerin auftrat, erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass es sich bei dem Angeklagten um den Trauzeugen ihres Mannes handle. Sie kenne den alleine wohnenden, unauffälligen Mann schon seit zwei Jahren. Bereits zuvor habe er auf ihren Sohn aufgepasst und bei sich übernachten lassen. Da er ein guter Bekannter der Familie war, habe sie keinen Verdacht geschöpft.

Erst die Kripo Schweinfurt sei durch Internet-Recherchen auf ihn aufmerksam geworden und habe eine Hausdurchsuchung veranlasst. Ihr Sohn habe das Geschehen bis heute nicht verkraftet.

Er würde im Schlaf reden und sei in psychotherapeutischer Behandlung. Sie habe die ganze Nachbarschaft vor dem Angeklagten gewarnt, der mittlerweile aus der Kleinstadt wegzog, da er aus der Mietwohnung gekündigt worden sei.

Staatsanwalt Markus Englich forderte eine zweijährige Bewährungsstrafe für den dreifach, allerdings nicht einschlägig, Vorbestraften. Er habe das Vertrauensverhältnis zu dem Kind und dessen Eltern bewusst ausgenutzt. Verteidiger Thomas Gärtner bezeichnete seinen Mandanten als „einfach strukturiert“. Er sei sich seines Problems bewusst und habe sich bei der Hausdurchsuchung kooperativ gezeigt. Gärtner hielt eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren für ausreichend.

Richterin Conver bezeichnete die Tat des Verurteilten als „schweren Eingriff in die ungestörte sexuelle Entwicklung“ des geschädigten Jungen. Der Verurteilte und der Staatsanwalt nahmen das Urteil an.

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