REGION STEIGERWALD

Neues Ziel: Welterbe statt Nationalpark

Sie sind für einen Nationalpark im Steigerwald und begreifen dies als Chance.
Sie sind für einen Nationalpark im Steigerwald und begreifen dies als Chance.

Allmählich wird klar, wohin die Reise gehen wird: Im Steigerwald soll es keinen Nationalpark geben, dafür aber ein großes Gebiet als Weltnaturerbe. Und für den Fall, dass ein einheitliches Vorgehen der noch zerstrittenen Interessengruppen möglich ist, hat das Bayerische Umweltministerium bereits in Aussicht gestellt, sich an einer Studie zur Umsetzung eines möglichen Weltnaturerbes im Steigerwald finanziell zu beteiligen.

Der Bamberger Landrat Johann Kalb legte in der jüngsten Kreistagsitzung in Bamberg auf Antrag der Fraktion der Grünen einen Sachstandsbericht vor. Es hätten auf seine Initiative hin bereits Abstimmungsgespräche mit den Landräten Wilhelm Schneider (Haßberge) und Florian Töpper (Schweinfurt) stattgefunden. Diese werden nun mit ihren zuständigen Gremien die neu eingebrachten Aspekte erörtern. Eine ursprünglich für den 17. Juli geplante „Steigerwaldkonferenz“ unter Beteiligung aller Interessengruppen wurde verschoben, um zunächst den Meinungsbildungsprozess in den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge abzuwarten.

Landrat Kalb und Christina Romig aus dem Landratsamt nutzten die Kreistagsitzung, um verschiedene Punkte klarzustellen, über die es in der Vergangenheit widersprüchliche Meldungen gegeben hatte. Da ist zum einen die am 17. April 2014 veröffentlichte Verordnung „Der hohe Buchener Wald im Ebracher Forst“. Diese Verordnung sei weiterhin gültig. Es gebe keine anderslautende Erklärung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bamberg oder von Landrat Kalb selbst. Und die Bayerischen Staatsforsten hätten vielmehr in Gesprächen mit dem Landratsamt erklärt, bei der Bewirtschaftung des Forstbetriebs Ebrach die Vorgaben der neuen Verordnung zu respektieren.

Zum anderen ging es um die Voraussetzungen, die vorliegen müssen, um Flächen im Steigerwald bei der UNESCO als Welterbe anerkennen zu lassen. Grundsätzlich sei eine Bewerbung bei der UNESCO möglich, wenn neben den naturschutzfachlichen Kriterien bereits Schutzflächen vorhanden sind und eine „angemessene Verwaltung“ dieser Flächen gewährleistet ist. Die wichtigste Aussage ist aber: Es ist nicht erforderlich, dass diese Fläche als Nationalpark ausgewiesen ist. Ein Nationalpark ist keine Voraussetzung für ein Welterbe.

Viele Voraussetzungen erfüllt

Laut dem Bundesamt für Naturschutz habe der Steigerwald ausreichend Flächen, um die naturschutzfachlichen Kriterien für ein Weltnaturerbe zu erfüllen. Diese Flächen liegen in den Landkreisen Bamberg, Haßberge und Schweinfurt.

Grundlage der „angemessenen Verwaltung“ könnten, so stellt es sich Landrat Kalb vor, das neue Steigerwaldzentrum für Nachhaltigkeit in Handthal, die kommende Ausstellung „Lebensraum Buchenwälder“ in Ebrach und der Baumwipfelpfad am Radstein an der Bundesstraße 22 sein.

Die Dauerausstellung mit dem Titel „Lebensraum Buchenwälder“ soll sich ab Sommer 2015 mit der Ökologie und Biodiversität natürlicher Buchenwälder beschäftigen. Die Ausstellung mit einem Budget von 120 000 Euro wird bei der neuen Tourist-Infotheke des Marktes Ebrach angeschlossen. Träger der vom Bayerischen Naturschutzfonds, der Oberfrankenstiftung und dem Landkreis Bamberg geförderten Ausstellung ist der Förderverein Naturerbe Buchenwälder e.V.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um die Bewerbung um ein UNESCO-Welterbe zum Erfolg zu bringen, sei die breite Unterstützung der Sache durch die Menschen vor Ort. Da hapert es aber noch. Die Verordnung „Der hohe Buchener Wald“ habe zu großen Irritationen geführt und vorhandene Gräben noch weiter vertieft.

„Diese Auseinandersetzungen sind aber dem Ziel, den Welterbe-Status für den Steigerwald zu erreichen, in keiner Weise förderlich“, betonte Christina Romig. Es sei deshalb von Anfang an das Ziel von Landrat Kalb gewesen, eine Gesprächsbasis zu schaffen, die es ermöglicht, zusammen mit allen Beteiligten eine ergebnisorientierte Lösung zu finden. Die Region müsse gemeinsam handeln.

Demo vor dem Landratsamt

Vor der Kreistagsitzung waren am Landratsamt rund 50 Demonstranten aufmarschiert. Die zahlenmäßig deutlich stärkere Gruppe von „Unser Steigerwald“ stand einer Gruppe von Befürwortern des Nationalparks gegenüber. Präventiv hatten Polizeibeamte zwischen den beiden Blöcken Stellung bezogen.

Der Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider betont auf Anfrage, bei den Gesprächen mit seinen Kollegen Kalb und Töpper habe Einigkeit geherrscht, dass man keinen Nationalpark wolle. Das Trittstein-Konzept der Staatsforstverwaltung Ebrach sei ein probates Mittel. Gegen ein Weltnaturerbe Steigerwald habe man nichts einzuwendend, da man sich einig sei, die Region gemeinsam weiterzuentwickeln.

Dank für Suche nach Kompromiss

Der Schweinfurter Landrat Florian Töpper begrüßt die Initiative aus Bamberg: „Es ist hinreichend bekannt, dass mir daran gelegen ist, die Gräben rund um die Nationalpark-Debatte nicht wieder aufreißen zu lassen. Dies kündigt sich allerdings an verschiedenen Stellen an. Daher bin ich dankbar, dass Landrat Johann Kalb sich um einen Kompromiss bemüht, der allen Seiten gerecht wird und für unseren Steigerwald ein Entwicklungspotenzial durch die Aufwertung zum Weltnaturerbe schafft.“

Sie sind gegen einen Nationalpark und machten dies mit Plakaten deutlich.
Sie sind gegen einen Nationalpark und machten dies mit Plakaten deutlich.
Bislang stehen sie sich unversöhnlich gegenüber: Vor dem Landratsamt in Bamberg protestierten die Befürworter (links) und die Gegner eines Nationalparks Steigerwald. Zwischen den zwei Gruppen hatte sich vorsichtshalber die Polizei in Stellung gebracht.
Bislang stehen sie sich unversöhnlich gegenüber: Vor dem Landratsamt in Bamberg protestierten die Befürworter (links) und die Gegner eines Nationalparks Steigerwald. Zwischen den zwei Gruppen hatte sich vorsichtshalber die Polizei in Stellung gebracht. Foto: Harald Rieger

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