HASSFURT

Nicht wegschauen, wenn es Zoff gibt

Die neuen Streitschlichter: 28 Jugendliche wurden an der Mittelschule, Realschule und am Gymnasium in Haßfurt ausgebildet.
Die neuen Streitschlichter: 28 Jugendliche wurden an der Mittelschule, Realschule und am Gymnasium in Haßfurt ausgebildet. Foto: Alois Wohlfahrt

Ganz selbstbewusst steht Marcel da, lacht einen Augenblick und wird dann ganz nachdenklich: „Wir versuchen die Gefühle herauszufinden. Nach außen hin, da zeigen sie nämlich nur ihre Gestik“. „Sie“, das sind Schülerinnen und Schüler, die sich irgendwie in die Wolle bekommen haben. Helfen, dass Konflikte nicht eskalieren, dafür haben der zwölfjährige Marcel Stark aus der siebten Klasse der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule in Haßfurt wie seine 27 Kolleginnen und Kollegen von der Mittelschule und vom Regiomontanus-Gymnasium jetzt ihr Rüstzeug erhalten. Sie sind die neuen Streitschlichter an den drei Schulen. Ein Projekt, das inzwischen seinen zehnten Geburtstag gefeiert hat und zudem in seiner Art – schulartübergreifend – einzigartig in Bayern ist, wie Claudia Grunwald, eine der sechs Betreuerinnen bei der Übergabe der Urkunden erläuterte.

Wo Konfliktpotential im Schulalltag liegt, das wissen die Schüler genau. Gegenseitiges Ärgern, Schläge, Ausgrenzen. Anschaulich führten sie dies mit Bausteinen vor. „Konflikte sind ganz normal“, sagt Claudia Grunwald. Wie man helfen kann sie zu lösen, das haben die 28 Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit in 35 Stunden von Streitschlichter-Projektleiterin Barbara Busch und ihren Betreuern erfahren. Wie sie solche Gespräche führen wollen und was dabei wichtig ist stellten sie den Besuchern vor. Und dabei geht es oft um Gefühle, denn die liegen _ wie bei einem Eisberg _ in hohen Maße im Verborgenen, wie der Königsberger Schüler Marcel Stark den Zuhörern berichtete.

„Die Schulen haben längst erkannt, Dass Streitschlichtungsprojekte, die im kleinen ansetzen, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können,“ erklärte auch im Namen ihrer Rektoren-Kollegen Max Bauer und Ulrich Fischer die Rektorin der Mittelschule, Susanne Vodde. Zum Schulalltag gehörten nun einmal Konflikte und Streitereien. Oftmals begänne ein Streit wegen einer Kleinigkeit und anfängliche Beschimpfungen führten dann zu einer Schlägerei und weiteren Eskalationen. Die Streitschlichter seien die, die nicht darauf warten, dass andere, Lehrer oder Erwachsene die Konflikte lösen, sondern „Ihr packt selbst an. Ihr steht für einen klugen Weg“, der da laute: Hinsehen, rechtzeitig etwas tun und vorbeugen. Was Streitschlichter bewirkten, das sei vergleichbar mit vorbeugendem Brandschutz.

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Die neuen Streitschlichter

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Dass Streitschlichtung auch nach zehn Jahren immer noch praktiziert werde, sei ein starker Hinweis, dass es eine sehr brauchbare Methode ist, so Vodde weiter. Und es gelte auch, weiter Überzeugungsarbeit zu leisten, dass dafür finanzielle Mittel bereitgestellt werden. So waren im vergangenen Jahr keine Streitschlichter ausgebildet worden, nachdem keine finanziellen Mittel mehr bereitgestellt worden waren. Erst das beharrliche Engagement der Trainerinnen und vieler Unterstützer habe den Fortbestand der Ausbildung in diesem Jahr gesichert. Und dies sei auch angesichts eines weiteren Gesichtspunkts wichtig, denn die Schüler lernen nicht nur Konflikte anderer zu lösen helfen, sondern erwerben damit auch für sich selbst soziale Kompetenz, so Vodde. Die Rektorin weiter: Gerade das Erlernen und Erleben konstruktiver Konfliktlösungen im Jugendalter ebne den Weg für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten auch im Erwachsenenleben.

Sie dankte den Jugendlichen für ihren Einsatz und die vielen Stunden geopferter Freizeit, den Betreuerinnen und Barbara Busch für ihr Engagement. Als Betreuerinnen der Jugendlichen fungieren in der Mittelschule Claudia Grunwald und Claudia Sandner, in der Realschule Vanessa Velber-Eschenfelder und Stefan Zeller und im Gymnasium Anke Kallhardt und Evi Poxleitner. Umrahmt wurde die Feierstunde von der Schulband der Realschule.

Dass Streitschlichten nicht nur etwas für die Schule ist, sondern fürs Leben, das berichtete schmunzelnd auch Marcel Stark. Es hilft, wenn's Zank gibt mit dem Bruder. „Stimmt“ sagt Mutter Marion, die wie viele Elternteile an der Feier teilgenommen hatte.

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