KÖNIGSBERG

Nur im Miteinander können Vorurteile überwunden werden

24 junge Leute aus zehn Ländern der Welt nehmen derzeit am Lions-Youth Camp Franconia teil. Sie lernen Franken kennen und besuchen Workshops in Chorgesang, Musik und Tanz. Die Ergebnisse präsentieren sie am Freitag bei einem Internationalen Abend am Schulzentrum Haßfurt. Foto: sabine Weinbeer

Nur wer sich kennenlernt, kann Verständnis für den anderen entwickeln und friedlich zusammenarbeiten – davon sind nicht nur die Mitglieder der Lions-Clubs weltweit überzeugt. Deshalb finden überall auf der Welt regelmäßig Lions-Youth-Camps statt. Alle zwei Jahre organisiert Harry Riegel vom Club Haßberge das „International Youth Camp Franconia“, an dem in diesem Jahr 24 junge Menschen aus zehn Ländern von Armenien bis Indien teilnehmen. Am Sonntag kamen sie erstmals alle in Königsberg zusammen, teilt der Lions-Club mit.

Die vergangene Woche verbrachten die 22 jungen Damen und zwei junge Männer in Gastfamilien in Coburg, Würzburg, Bamberg und Haßfurt. Harry Riegel hat in den dortigen Lions-Clubs zahlreiche Familien gefunden, die gerne immer wieder Gäste aus aller Welt beherbergen und sie mit den Schönheiten Frankens vertraut machen. So schwärmte die 24-jährige Anna Simonian aus Armenien von Würzburg, wo sie praktisch jede Sehenswürdigkeit besuchte. Sie hat an der Französischen Universität in Yerewan Marketing studiert und ist für die zehnköpfige Teilnehmergruppe aus Armenien so etwas wie das „Head of Delegation“, wie Harry Riegel erklärte.

Für ihn ist die Organisation dieser Youth Camps immer wieder eine Herausforderung, aber auch große Bereicherung. Heike Mohler-Riegel und ihr Mann haben regelmäßig internationale Gäste im Haus, auch jetzt wohnen wieder einige der Teilnehmerinnen in ihrer Einliegerwohnung, einige in anderen Gastfamilien und der Rest im Hotel in Haßfurt. Da die Jugendherberge Königsberg nicht zur Verfügung steht, finden die Workshops am Regiomontanus-Gymnasium statt, wo dann auch am Freitag der „Internationale Abend“ stattfindet, bei dem die jungen Leute zeigen, was sie während der Woche einstudiert haben.

Musik und Tanz stehen auf dem Programm, auch die Workshopleiter rekrutiert Harry Riegel – meist aus den Reihen ehemaliger Schüler, aber auch Kollegen unterstützen ihn immer wieder. Unterstützung hat er auch aus der Gruppe in Doshi Resham. Die Anwältin ist mit 32 Jahren eigentlich schon „zu alt“ für das Youth Camp. Aber für junge Inderinnen ist es nicht einfach, alleine eine Auslandsreise zu machen – und Doshi ist die Begleitung der drei jüngeren Teilnehmerinnen.

Im Gespräch über Indien und die Rolle der Frauen dort erzählte Doshi, dass sich da viel verändere. Die neue Regierung stehe für Veränderung sowohl in Infrastruktur, als auch in der Gleichberechtigung. Die junge Juristin ist nur optisch eine typische Inderin: 32 Jahre, unverheiratet, sehr selbstbewusst, im Nebenberuf Moderatorin von Events und Hochzeiten. Für das Youth-Camp hat sie sich Urlaub genommen.

Auch mit Natalja Gagacheva aus Makedonien lief das Interview in Englisch, obwohl sie „fast alles in Deutsch“ versteht. Allerdings werde in Makedonien Sprachunterricht nicht in der Fremdsprache gegeben wie in Deutschland. „Wir lernen Vokabeln und Grammatik, aber wir sprechen eigentlich gar nicht im Unterricht“, erklärte sie. Während ihres Aufenthalts muss sie ausschließlich Deutsch sprechen, denn die Gastmutter sprach kein Englisch. Nächstes Jahr macht Natalja Abitur im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, dann will sie IT studieren. Am Freitag spielt sie vielleicht Klavier, auch wenn sie seit zwei Jahren kaum mehr geübt hat.

Das freundschaftliche Miteinander war schon am Sonntagabend zu spüren. Auch die einzigen beiden jungen Männer Hakobyan Vahan aus Armenien und Zeynep Nar Yasemin aus der Türkei fühlten sich nicht ausgegrenzt unter 22 Frauen. Dass die beiden jungen Männer diese Woche in einem Doppelzimmer verbringen, ist nicht wirklich selbstverständlich, für Harry Riegel aber ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit Früchte trägt.

Das Youth-Camp mündet immer in einen Internationalen Abend, zu dem Gäste willkommen sind. Er findet statt am Freitag, 2. August, ab 18.30 Uhr am Regiomontanus-Gymnasium. Die Teilnehmer gestalten ein Programm mit Chorgesang, Musik und Tanz. (wos)

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