Oberschwappach

Oberschwappach: 24 Bewerber hätten gerne den Kunstpreis

Der mit 2000 Euro dotierte Kunstpreis des Landkreises Haßberge wird derzeit zum dritten Male ausgelobt. Er genießt inzwischen überregionale Aufmerksamkeit, so dass sich sogar Künstler aus Rostock, Hamburg und München darum beworben haben. In der Vernissage zur Ausstellung im Schloss Oberschwappach hat die nun die Auswahl aus 36 Werke von 24 Künstlern. Sie alle haben das Thema „H2O - Lebenselixier im Landkreis Haßberge“ ganz individuell umgesetzt. Neben dem Kunstpreis wird noch ein Sonderpreis und ein Publikumspreis vergeben.
Das Werk „Main€ Vision 2025“ von Olaf Schönherr aus mundgeblasenen Glaskugeln, Fundstücke an der Mainaue.
Das Werk „Main€ Vision 2025“ von Olaf Schönherr aus mundgeblasenen Glaskugeln, Fundstücke an der Mainaue. Foto: Günther Geiling

Bei der dritten Auflage des Wettbewerbs findet eine Beteiligung weit über die Region hinaus statt. Dieses Mal geht es um das Thema Lebenselixier Wasser.

Der mit 2000 Euro dotierte Kunstpreis des Landkreises Haßberge wird derzeit zum dritten Male ausgelobt. Er genießt inzwischen überregionale Aufmerksamkeit, so dass sich sogar Künstler aus Rostock, Hamburg und München darum beworben haben. In der Vernissage zur Ausstellung im Schloss Oberschwappach hat die nun die Auswahl aus 36 Werke von 24 Künstlern. Sie alle haben das Thema „H2O - Lebenselixier im Landkreis Haßberge“ ganz individuell umgesetzt. Neben dem Kunstpreis wird noch ein Sonderpreis und ein Publikumspreis vergeben.

Wichtiger Akzent im Kulturleben der Region

„Der Landkreis setzt mit diesem Kunstpreis einen wichtigen Akzent im Kulturleben der Region. Ziel ist die Begegnung und der Austausch der bildenden Kunst mit aktuellen Themen der Regionalentwicklung“, betonte stellvertretender Landrat Oskar Ebert bei der Eröffnung der Ausstellung vor den Künstlern und zahlreichen Gästen. Der Kreis und seine Kommunen hätten in der Vergangenheit bereits große Investitionen für den Erhalt der vielen Kulturgüter getätigt. Es reiche aber einfach nicht, nur in die Vergangenheit zu schauen und an der Kunst in der Gegenwart vorbeizugehen.

Eine Plattform für die Kunstschaffenden

Deshalb lobe man einen Kunstpreis aus, um damit den Künstlerinnen und Künstlern auch eine Plattform zu bieten. Erstmalig habe man das Ausschreibungsgebiet auf die Region Mainfranken und die Metropolregion Nürnberg ausgedehnt. Hier könnten Künstler wichtige Beiträge in der Auseinandersetzung mit zentralen gegenwärtigen Problemen und ihren Lösungen leisten, zum kulturellen und sozialen Miteinander, zur Wertschätzung der Natur und Wahrnehmung des Umweltbewusstseins oder auch zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Das Thema des Kunstpreises 2020 laute „H2O-Lebenselixier im Landkreis Haßberge“ und lenke den Blick auf die künstlerische Betrachtung. Das Verhalten der Gesellschaft und der Umgang mit Ressourcen solle hierbei in Frage gestellt und visionäre Planspiele gezeigt werden. Wasser sei  weltweit von existenzieller Bedeutung.

Verantwortung für das Wasser aus dem Blickwinkel der Kunst

„Es ist bekannt und sollte uns immer ins Bewusstsein gerufen werden, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung kein sauberes Wasser zur Verfügung hat. Die Aufgabe der Künstler bestand darin, die Bedeutung, aber auch den verantwortungsvollen Umgang mit dem Wasser aus dem Blickwinkel der Kunst darzustellen, aber auch kritisch zu hinterfragen. Das Ergebnis hat mich sehr beeindruckt“, meinte Oskar Ebert.

Bürgermeister Stefan Paulus begrüßte die Gäste namens der Gemeinde Knetzgau im Schloss, das seit 1984 im Besitz der Gemeinde sei. Er zeigte sich dem Landkreis gegenüber dankbar, dass dieser Kunstpreis nun schon zum 3. Male vergeben werde, „denn Kunst steht für Weltoffenheit, Toleranz und Respekt. Für diese Werte setzt sich auch der Landkreis ein.“ Ihm gefiel auch, dass Wasser als Thema gewählt wurde. „Knetzgau liegt am Main und im Gemeindewappen ist auch ein Schelch. Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit einem Projekt, um dem Main ein Gesicht zu geben.“  Mit dieser Ausstellung unterstütze man dies und trage das Thema nach außen.

Die Besucher vor dem großen Bild „Das Formelmeer“ von Tommy Petzold, das seinem Schicksal entgegentreibt.
Die Besucher vor dem großen Bild „Das Formelmeer“ von Tommy Petzold, das seinem Schicksal entgegentreibt. Foto: Günther Geiling

Projektmanagerin Renate Ortloff nannte bei ihrer Begrüßung den Kunstpreis einen besonderen Höhepunkt von "Kunststück". Er sei in der Welt der Künstler auf großes Interesse gestoßen und sie sei neugierig gewesen, wie die Künstler diese Aufgabe umsetzen würden. „Durch Verunreinigungen, bewusst oder achtlos entsorgtem Alltagsmüll in der Natur, durch Flächenversiegelung und durch Verschwendung wird der Kreislauf unseres Ökosystems ständig geschwächt.“ So lautete der Wortlaut der Aufgabenstellung und diesen galt es in drastisch schöner Form darzustellen.

Kritik wird erst bei näherem Hinsehen bewusst

Nach ihrem Gang durch die Ausstellung zeigten die Arbeiten doch sehr viel Schönes und im ersten Moment habe sie das Kritische vermisst. „Doch bei näherem Hinsehen, mit dem Bewusstsein, dass das alles endlich ist, wurde mir die Kritik, die durchaus auch im Schönen sein kann, sehr bewusst und ich bin beeindruckt“, betonte Renate Ortloff.

Die Neurowissenschaft habe auch herausgefunden, dass bei Menschen, die von einem Kunstwerk ästhetisch berührt sind, tatsächlich zwei Bereiche im Gehirn aktiv werden, nicht nur der Teil für die visuelle Verarbeitung, sondern noch eine Gehirnregion, die sonst nur beim Nichtstun anspringe. „Man kommt also beim Betrachten von etwas Schönem, das einen berührt, in einen anderen Gefühlszustand, nicht selten in einen Entspannungszustand. Ein Kunstwerk ist demnach in der Lage, mit Gefühlen zu spielen. Und mit diesen ausgelösten Gefühlen können Denkprozesse angeregt werden, die zum Nachdenken und zum Verstehen führen.“

'Ver-main-tlich“ nennt Anita Tschirwitz ihre Farbcolla mit einer Mainwelle und dem Kühlwasser aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld.
"Ver-main-tlich“ nennt Anita Tschirwitz ihre Farbcolla mit einer Mainwelle und dem Kühlwasser aus dem Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Foto: Günther Geiling

Die Projektmanagerin lud dann die Besucher ein, „sich auf diese ästhetisch schöne Gefühlsreise zu begeben“ und sprach ihre Hoffnung aus, „dass wir alle nachdenklich, verständnisvoll und wertschätzend mit unserem Lebenselixier Wasser umgehen.“ Dabei wurde die Veranstaltung auch von einem Ensemble des „Musikbahnhofs Gädheim“ unter Leitung von Armin Schuler sowie Elina Schuler (Querflöte), Anton Mock (Trompete), Marius Mock (Waldhorn), Julian Mock (Saxophon) und Marius Schuler (Posaune) umrahmt, auch mit einer Eigenkomposition des „Musikstückes H2O“.

Das sind die Mitglieder der Jury:

Die Besucher konnten dann die 36 Werke von 24 Künstlern in Augenschein nehmen, die von einer Jury für die Teilnahme an der Bewertung um den Kunstpreis ausgewählt wurden. Der Jury gehörten an: Dirk Berthel, 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Unterfranken; Gerhard Schlötzer; 1. Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Oberfranken; Gab Weinkauf, Gewinnerin des Kunstpreises 2018; Dr. Matthias Liebel, Kunsthistoriker und Horst Hofmann, Vertreter des Landkreises Haßberge.

Die Ausstellung zum Kunstpreise 2020 ist jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet und wird abgeschlossen mit der Preisverleihung am Sonntag, 29. März, um 17 Uhr im Spiegelsaal des Schlosses.

Diese Künstler
Jannina Hector, Hofheim; Kim Davey Haßfurt; Olaf Schönherr, Theres; Olga Liashenko, Haßfurt; Werner Tögel, Knetzgau.
Anita Tschirwitz, Schwanfeld; Brigitte Heck, Gemünden; Claudia Endres, Nürnberg; Corinna Wagner, Oerlenbach; Henrike Franz, Erlangen; Irmgard Peetz-Hahn, Bad Windsheim; Katja Gehrung, Fürth in Bayern; Katja Triol, Schweinfurt; Lydia Vorndran, Kronach; Margit Langenberger, Roßtal; Matthias Braun, Würzburg; Michaela Schwarzmann, Eggolsheim;
Peter Schoppel Gundelsheim; Raimund Schemmel, Arnstein; Roswitha Farnsworth, Hohenstadt; Stephan Pfeiffer, Fürth; Thomas Michael, Bamberg; Thomas Mohi, Fürth und Tommy Petzold, Erlangen.

Vorträge zur Ausstellung: „Barock und Wasser“ mit Dipl. Des. Reinhold Schneider am Sonntag, 1. März, um 13.15 Uhr im Schloss; „Flussgottheiten und andere Darstellungen des Wassers in der Kunst“ mit Dr. Matthias Liebel, Kunsthistoriker am Sonntag, 15. März, um 13.15 Uhr.

Mit den Kunstwerken „la marca de aqua“ (links) und „ola sin plastico“ von Claudia Endres aus „Brasil-Macauba-Granit“ Bürgermeister Stefan Paulus, Gabi Weinkauf, Gerhard Schlötzer, Projektmanagerin Renate Ortloff, Dr. Matthias Liebel und stv. Landrat Oskar Ebert (von links).
Mit den Kunstwerken „la marca de aqua“ (links) und „ola sin plastico“ von Claudia Endres aus „Brasil-Macauba-Granit“ Bürgermeister Stefan Paulus, Gabi Weinkauf, Gerhard Schlötzer, Projektmanagerin Renate Ortloff, Dr. Matthias Liebel und stv. Landrat Oskar Ebert (von links). Foto: Günther Geiling
'Hell or high water“ stellt zwei Wassertropfen dar in mundgeblasenem Farbglas von Olaf Schönherr.
"Hell or high water“ stellt zwei Wassertropfen dar in mundgeblasenem Farbglas von Olaf Schönherr. Foto: Günther Geiling
„Mühlbach“ mit dem Artenreichtum von Lebewesen von Jannina Hector.
„Mühlbach“ mit dem Artenreichtum von Lebewesen von Jannina Hector. Foto: Günther Geiling
Künstlerin Olga Liashenko (links) aus Haßfurt erläutert den Betrachtern ihre „Wasseradern“ durch den Landkreis.
Künstlerin Olga Liashenko (links) aus Haßfurt erläutert den Betrachtern ihre „Wasseradern“ durch den Landkreis. Foto: Günther Geiling
Das Ensemble aus dem „Musikbahnhof Gädheim“ mit seinem Titel „H2O“.
Das Ensemble aus dem „Musikbahnhof Gädheim“ mit seinem Titel „H2O“. Foto: Günther Geiling

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