ZEIL

Pere Noël steckt kopfüber im Chimenée

Ben hat sich entschieden. Er bastelt einen Cheminée, also einen Schornstein, in dem Pére Noël, der Weihnachtsmann, kopfüber stecken bleiben soll. Foto: Wolfgang Sandler

Frankreich ist zwar unmittelbarer Nachbar von Deutschland und die Beziehungen sind in den vergangenen Jahrzehnten immer besser geworden. Daran sind viele Partnerschaften wie zwischen dem Landkreis Haßberge und dem District du Tricastin, die seit nunmehr 40 Jahren sehr eng und engagiert gepflegt wird. Pierrelatte, Saint-Paul-3-Château und Donzere sind die drei wichtigsten Städte in einem landschaftlich überaus reizvollen Umland. Zahlreich sind jährlich die Begegnungen zwischen den Menschen, die diese Partnerschaft beleben und immer wieder mit neuen Impulsen gestalten.

Christbaum aus dem Elsass

Die Franzosen sind in ihrer Mehrzahl auch christlichen Glaubens. Aber dennoch unterscheidet sich die französischen Weihnachtsbräuche recht stark von den deutschen. Zwar kann man auch in Frankreich Adventskalender und Lichterkränze entdecken, das sind aber meist Importe aus Deutschland. Auch Weihnachtsmärkte sind, obwohl der Markt in Straßburg, der jüngst durch den brutalen Anschlag in die Schlagzeilen geriet, schon im Jahr 1570 erstmals stattfand und somit einer der ältesten seiner Art in Europa ist, der Nähe des Elsass zu Deutschland geschuldet. Ebenso hat wohl der Weihnachtsbaum elsässische Wurzeln.

Um deutschen Kindern diese spezielle französische Weihnacht – Frohe Weihnachten heißt französisch „Joyeux Noël“ (für Nichtfranzosen: das spricht man so ähnlich wie „Schoajö Noäl“) – etwas näher zu bringen, besuchten zwei „ältere“ Schülerinnen aus dem Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt im Rahmen ihres P-Seminars eine zweite Klasse in der Grundschule in Zeil. Die 17-jährige Larissa Barth aus Zeil und die 16-jährige Samira Müller aus Dampfach ließen die Kinder erst einmal erzählen, wie bei ihnen zu Hause Weihnachten gefeiert wird, um einen Vergleich mit den Nachbarn im Westen zu haben.

Heilig Abend ist Arbeitstag

Der erste Unterschied war schnell gefunden. Während der Baum in Deutschland meist erst im Laufe des Heiligen Abends geschmückt wird, beginnen unsere Nachbarn damit schon deutlich früher, denn Heiligabend ist in Frankreich ein ganz normaler Arbeitstag, die Menschen kommen also erst am Abend von ihrer Arbeitsstelle heim.

In Frankreich bringt Pere Noël die Geschenke und zwar in der Nacht zum 25. Dezember. Die Päckchen liegen auch nicht einfach so unter dem Weihnachtsbaum, sondern stecken auch in den Stiefeln der Kinder. Dort werden sie am Morgen gefunden. Der gute Pere Noël kommt auch nicht automatisch, er will gerufen werden mit einem Liedchen „Petit Papa Noël“, das übersetzt wohl „Kleiner Weihnachtsmann“ hieße. Das Lied handelt davon, dass der Weihnachtsmann mit tausend Geschenken vom Himmel kommt. Das faszinierte die Zweitklässer so, dass sie ein gleichnamiges Liedchen quasi als spontane Eigenkomposition anstimmten.

Fest der Gourmets

Weihnachten ist in Frankreich eine Zeit der Gourmets. Die beiden Gymnasiastinnen erzählten, dass es als ersten Gang Austern und Gänseleberpastete gibt. Was sind aber Austern? Ein paar schlaue Grundschüler rieten: „Muscheln?“ „Habt Ihr die schon einmal gegessen?“ „Ja.“ „Haben die Euch geschmeckt?“ „Nein!“ Das war aber noch gar nichts im Vergleich zum nächsten Gang: Schnecken! „Pfui!“ „Igitt!“ „Bäääh!“ Nein, Schnecken möchten die Schüler aus Zeil und Sand lieber nicht essen, schon gar nicht Weihnachten.

Mit Esskastanien gefüllter Truthahn geht da schon eher. Eine Besonderheit in Frankreich sind die sogenannten Papillotes. Das ist eine Art von Weihnachtsbonbons. In jedem Leckerli ist etwas versteckt, ein Spruch, gute Wünsche für Weihnachten und Neujahr. Für viele Franzosen ist ein Weihnachten ohne die Buche de Noël nicht vorstellbar. Es handelt sich hierbei um einen mit Creme gefüllten und gerollten Kuchen, der rein optisch an ein Holzscheit erinnert. Früher hatte man in der Weihnachtszeit ein solches Holzscheit im Feuer verglimmen lassen und die Asche auf den Äckern verteilt, um diese mit Fruchtbarkeit zu segnen. Vermutlich ist das Backen der Buche de Noël ein Überbleibsel aus jener Zeit. Auch dieser Baumstammkuchen fand Gnade vor den Augen der Zweitklässer.

Geschenke erst am 25. Dezember

Bis das alles verdrückt ist, zeigt die Uhr schon langsam 22 Uhr. Zeit in die Messe zu gehen. Für die Kinder ein Erlebnis, dürfen sie so doch deutlich länger aufbleiben als sonst. Und erst danach wird Weihnachten für die Kinder perfekt, kommt doch erst gegen Mitternacht der Weihnachtsmann mit den Geschenken. Aber wie gesagt, diese finden die Kinder in Frankreich erst am 25. Dezember. Das war's dann mit Weihnachten in Frankreich, denn einen zweiten Weihnachtsfeiertag wie in Deutschland kennen unsere westlichen Nachbarn nicht.

Larissa Barth (Dritte von links) aus Zeil und Samira Müller (Dritte von rechts) aus Dampfach brachten Zeiler Grundschülern Eigenheiten der französischen Weihnacht nähert. Dabei wurde auch gebastelt. Entweder ein Weihnachtsbaum oder ein im Schlot feststeckender Weihnachtsmann, beides aus Papprollen, die von den Kindern bunt bemalt wurden. Foto: Wolfgang Sandler

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