TROSSENFURT

Pflegeberufe müssen attraktiver werden

Die Bürgersendung „Jetz red i“ des Bayerischen Fernsehens wurde live aus dem Oberaurach-Zentrum in Trossenfurt übertragen. Foto: Sabine Weinbeer

Eineinhalb Tage lang dauerte es, bis zwei Hallen des Oberaurach-Zentrums in ein Fernsehstudio umgebaut waren – und nach 45 Minuten war die „Jetzt red i“-Sendung am Mittwoch vorbei.

Zum Thema „Kein Geld, kein Plan, keine Lobby“ kamen viele Oberauracher, Bürger aus dem Landkreis und als prominente Talk-Gäste Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml und Pflegeexperte Claus Fussek nach Oberaurach. In den Landkreis Haßberge kam der BR mit diesem Thema wegen des Pflegeskandals Schloss Gleusdorf im vergangenen Jahr.

So hatte auch Journalist Ralf Kestel, der diesen Skandal aufdeckte, eine wesentliche Rolle in der Sendung. „Mir kamen da Dinge zu Ohren und Augen, die ich so in dieser Republik nicht für möglich gehalten hätte“, erklärte er. Auch wenn Gleusdorf sicherlich ein Extremfall ist, liegt in der Pflege doch viel Argen, während die ganz großen Herausforderungen erst noch kommen. Dem wirklich auf den Grund zu gehen, dafür waren 45 Minuten ein knapper Rahmen.

Kampf mit der Bürokratie

Dennoch wurden von den Moderatoren Tilman Schöberl und Franziska Storz viele Themen mit den Gästen im OAZ erörtert. Da berichteten pflegende Angehörige von ihrem Kampf mit der Bürokratie und von hohen Kosten. Die jedoch seien nicht das Entscheidende. Wichtig sei es, Entlastung zu erhalten, wenn ein Pflegender mal selbst krank wird, oder eine Auszeit benötigt.

Im Zuge der drei Pflegestärkungsgesetze habe man da viele neue Möglichkeiten geschaffen, erklärte Ministerin Huml dazu. Allerdings müsse über die Fachstellen noch mehr getan werden, um die pflegenden Angehörigen darüber zu informieren, zum anderen müssten dann auch die entsprechenden Angebote vorhanden sein. Die gibt es vielerorts nicht, unter anderem aus Mangel an qualifiziertem Personal.

Hier sieht Claus Fussek die große Herausforderung für die Gesellschaft und auch die Ministerin kündigte an, dass die Kommunen künftig stärker einbezogen werden müssen. Fussek betonte, dass keine Kommune dieses Thema aussitzen kann. Mit einem Pflegeheim in der nächsten Stadt sei es künftig nicht getan, weil die Zahl der pflegebedürftigen Hochbetagten massiv ansteigt. Diese Einrichtungen, ob Wohngemeinschaften, Pflegeheime oder Tages- und Nachtpflege, bräuchten aber auch Pflegepersonal und damit war ein weiteres großes Thema erreicht, nämlich die Arbeitsbedingungen, die Wertschätzung und die Bezahlung in der Pflege. In den Berichten von Fachkräften in der Sendung, kamen vor allem die privaten Träger von Pflegeheimen nicht gut weg.

Zehn Euro pro Stunde für Pflegehelferinnen sei kein angemessener Lohn für die hohe Verantwortung und den Schichtdienst. Allerdings geht es den Fachkräften nicht vor allem ums Geld, sondern um den Personalschlüssel, um die Zeit, die sie für die Menschen zur Verfügung haben, die ihnen anvertraut sind. Die Bürokratie fresse zudem viel Zeit und Kraft, wie bei den Angehörigen auch.

Mehr Wertschätzung forderten Huml wie Fussek für die Pflegeberufe ein. Fussek forderte die Pflegekräfte auf, sich stärker zu solidarisieren. Angesichts des Mangels in diesem Berufsfeld hätten sie viele Möglichkeiten, Missständen entgegenzutreten. Schließlich sei auch ein kritisches und engagiertes Personal zusammen mit Angehörigen, die sich kümmern, das beste Frühwarnsystem für Fehlentwicklungen in Einrichtungen.

Denn wenn Missstände wie in Gleusdorf erst bei den Behörden landen, dann sei es schon viel zu spät, erklärte Fussek. Er verstehe nicht, warum das Thema Pflege nicht genauso ein Politikum sei wie die Kinderbetreuung. „Da haben sich die Eltern zusammengeschlossen und heute gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz“, erklärte er. Auch Ministerin Huml forderte dazu auf, den Familienbegriff in der Politik nicht nur auf Eltern und Kinder zu beziehen, sondern die Großeltern-Generation mit einzuschließen.

Die Ministerin erklärte, dass die Pflegeberufe attraktiver werden müssten. Das beginne in der Ausbildung, für die derzeit neue Rahmenrichtlinien gesteckt würden. Es sei enorm wichtig, dass die Gesellschaft erkennt, wie wichtig diese Berufe sind und dass die Beschäftigten ein Arbeitsumfeld haben, dem sie auch ein ganzes Berufsleben über treu bleiben. Dass es ein schöner Beruf ist, das bestätigten viele der anwesenden Pflegekräfte, die auch eine ganze Reihe Bewohner von Pflegeheimen mitgebracht hatten.

Rege weiterdiskutiert wurde nach der Sendung in kleineren Runden. Einige Zuschauer nutzten die Gelegenheit, der Ministerin ihre Anliegen mit auf den Weg zu geben, andere holten sich bei den Pflegefachkräften Informationen zu angesprochenen Themen.

Gerne trug sich Gesundheitsministerin Melanie Huml zusammen mit MdL Steffen Vogel und Landrat Wilhelm Schneider in das G... Foto: Sabine Weinbeer

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