HAßFURT

Retten solidarische Nachbarn das Zeiler Hallenbad?

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Bildlich gesprochen steht den Zeilern das Wasser bis zum Hals – ein paradoxes Bild, denn faktisch heißt das, dass sie bald auf dem Trockenen sitzen könnten: Die Stadt kann sich ihr Hallenbad nicht mehr leisten und so droht im Jahr 2019 die Schließung. Doch es gibt Hoffnung: Wenn schon Badegäste aus den Nachbarorten kommen, dann könnten sich diese Nachbarorte doch auch an den Kosten beteiligen, so die Idee zur Schwimmbadrettung. „Allianzbad“ heißt das Zauberwort. In Hofheim hat sich dieses Konzept schon bewährt, und so hofft auch der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann auf eine ähnliche Lösung.

Doch während sich Bernhard Ruß und Michael Ziegler, die Bürgermeister von Sand und Eltmann, grundsätzlich vorstellen könnten, sich daran zu beteiligen, erteilt der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner eine Absage: Die Kreisstadt hat selbst zwei Schwimmbäder, die teuer genug im Unterhalt sind – da kann man nicht auch noch den Nachbarn unter die Arme greifen.

Werner weist zwar darauf hin, dass letztlich nicht nur er selbst, sondern der ganze Stadtrat entscheidet. Doch der Kreisstadtbürgermeister glaubt nicht, dass die anderen Ratsmitglieder einer Beteiligung am Allianzbad Zeil zustimmen werden.

Und Werner selbst kann durchaus schlüssig begründen, warum auch er etwas dagegen hätte, wenn Geld aus seiner Stadt ins Zeiler Hallenbad fließt.

Wem das allerdings nicht gefallen dürfte, sind Werners Gegner im Haßfurter Stadtrat. Schon seit einiger Zeit entsteht der Eindruck, dass gerade manche Stadträte aus den Reihen der CSU dem Bürgermeister eher aus Prinzip als aus tatsächlicher Ablehnung seiner Politik immer wieder in die Parade fahren. Versucht da vielleicht jemand, sich zu profilieren, indem er möglichst oft gegen die Beschlussvorlagen stimmt? Möchte sich da etwa jemand als möglicher Gegenkandidat bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Stellung bringen? Gerüchte, die in diese Richtung gehen, machen in Haßfurt schon seit Monaten die Runde.

Ein beliebtes Argument von Günther Werners Kritikern im Stadtrat ist, dass die Stadt zu viel Geld ausgebe. Der bisheriger Höhepunkt dieses Konfrontationskurses war im Sommer 2017 erreicht, als mehrere Unions-Politiker gegen den Haushalt stimmten. Ironischerweise warf der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Spies seinerzeit der Stadt in seiner Haushaltsrede vor, zu viel Geld auszugeben, konnte aber gleichzeitig keinen einzigen Punkt nennen, an dem die Stadt besser mal hätte sparen sollen.

Und jetzt das: Der Bürgermeister sagt öffentlichkeitswirksam, dass die Stadt kein Geld übrig hat, um die Zeiler mit ihren Hallenbad-Zielen zu unterstützen. Damit nimmt Werner denen, die ihn gerne auf einen Spießrutenlauf schicken würden, den Wind aus den Segeln. Es sei denn, die „Opposition aus Prinzip“ ändert ihre Strategie.

Das wäre doch mal ein spannendes Bild: Diejenigen, die der Stadt sonst Verschwendungssucht vorwerfen, könnten dann auf einmal Unterstützung für das Hallenbad fordern. Sie könnten dem Bürgermeister und den anderen Stadträten mangelnde Solidarität mit den Nachbarkommunen vorwerfen und voller Entrüstung für ein Allianzbad stimmen – am besten noch mit einer besonders hohen Beteiligung aus Haßfurt. Allerdings müssten sie dafür etwas tun, das vielen Haßfurtern tief in ihrer Seele wehtut: Sie müssten tatsächlich ausgerechnet Zeil unterstützen!

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