ZELL

Scheu und voller Parasiten

Orio, Rolf und Sascha haben schon eine gehörige Portion Zutrauen zu Britta Merkel. Noch sind sie in der Quarantänestation. Foto: Stefanie Brantner

Es war ein Anblick zum Erbarmen: Die Tiere waren abgemagert bis auf die Knochen, von Geschwüren geplagt, sie waren so schwach, dass sie kaum noch laufen konnten. Von einem „Hundedrama“ sprachen die Medien, „das Drama von Königsmoos“ im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Bei einem Polizeieinsatz auf einem verwahrlosten Anwesen stießen die Beamten und das Veterinäramt Mitte November auf über 100 Vierbeiner in erbärmlicher Verfassung. 134 Hunde wurden daraufhin auf bayerische Tierheime verteilt– sieben hat die Tierschutzinitiative Haßberge im Tierheim in Zell am Ebersberg aufgenommen.

Das schwarze Fell stark ausgedünnt und schmuddelig präsentiert sich Rolf und da unterscheidet sich der circa fünf bis sechs Jahre alte Rüde kaum von seinen zwei Artgenossen. Das sind Sascha und die Hündin Orio, die ebenfalls einen ungepflegten Eindruck machen. Die drei sind in der Quarantänestation des Tierheims untergebracht. Noch sind die Untersuchungen nicht alle abgeschlossen, klärt Britta Merkel, Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge, auf. Allerdings scheint nur Rolf ernsthafter krank zu sein.

„Es ist uns wichtig, dass keiner unserer Schützlinge erst unterm Weihnachtsbaum und nachher wieder bei uns landet – oder schlimmer noch – ausgesetzt wird“

Mit Leckerlis bewährt nehmen wir Kontakt auf. Die erste, die ihre Scheu zugunsten eines Leckerlis überwindet ist die etwa einjährige Orio. Als Rolf sieht, dass nicht wirklich Gefahr droht, kommt auch er näher. Besonders lange braucht der blonde Sascha. Obwohl auch er kaum älter als ein Jahr sein dürfte, ist er am scheuesten, traut sich nur zögerlich, näher zu kommen. Aber nach dem dritten, vierten Schmankerl ist das Eis gebrochen.

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Ein Blick ins Tierheim

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Alle fressen jetzt aus der Hand – doch das täuscht ein bisschen, erklärt Merkel. Richtig anfassen, streicheln lassen sich die drei Hunde nicht. Was die dringend notwendige Körperpflege bisher noch unmöglich macht. „Vom Anlegen eines Halsbands und Leinenführigkeit sind wir noch meilenweit entfernt“, ist sich Merkel sicher. Dies sei aber Grundvoraussetzung für die Vermittlung. Sitz, Platz und Bleib muss dann sowieso das neue Herrchen oder Frauchen mit dem Schützling üben.

Gewaltige Herausforderung für neue Herrchen oder Frauchen

„Auch stubenrein bekommen wir sie hier im Tierheim natürlich nicht“, bemerkt die Tierschützerin. Ein potenzieller Interessent muss sich also gut überlegen ob er der Aufgabe gewachsen ist. Ob er die nötige Zeit und Geduld hat, die mit der Aufnahme eines solchen Hundes verbunden ist.

 

Peanut, Whisky, Gin und Hilde haben die Quarantäne schon hinter sich. Die rotbraune, etwa einjährige Hilde mit den Bernsteinaugen ist die ruhigste in dem quirligen Hundequartett. Sie ist wohl trächtig, befürchtet Merkel. Die jüngste ist Peanut. „Bei ihr ist noch nicht einmal der Zahnwechsel abgeschlossen“, erklärt die Hundefreundin. „Ich durfte schon Bekanntschaft machen mit den kleinen spitzen Milchzähnchen“, erzählt sie.

 

Whisky ist der Schmusebär

Der Schmusebär in der Runde ist Whisky. Doch für die notwendige Fellpflege reicht auch sein Vertrauen noch nicht. Stark verfilzt mit geschwollenen Bissverletzungen im Gesicht ist der etwa fünf Jahre alte Rüde ein Bild des Jammers. Doch er ist am zutraulichsten, nicht so zurückhaltend wie der etwa einjährige Gin. Eins haben aber alle sieben Hunde gemeinsam. Denkt man sich die Spuren der Verwahrlosung und die Verletzungen weg, so sind es bildschöne, mittelgroße Tiere. Und noch eines haben sie gemeinsam. Sie müssen kostspielig aufgepäppelt und kastriert werden. Schließlich will man im Tierheim nicht noch ungewollt Nachwuchs züchten. Eine große Hilfe sind hier Patenschaften, so Merkel. Vor allem unter dem Aspekt, dass es nicht leicht sein wird, diese Hunde zu vermitteln. Leider habe bisher aber nur Hilde eine Patin gefunden.

„Hunde, die schwer zu vermitteln sind haben wir so schon“, erläutert sie und zeigt auf zwei Bernhardiner. Brösel und Püppy, ein Geschwisterpärchen, noch keine drei Jahre alt, aber beide mussten schon eine Lidoperation über sich ergehen lassen und haben eine Hüftgelenksdysplasie (HD) Das ist eine häufig vorkommende Fehlentwicklung des Hüftgelenks vorwiegend bei großwüchsigen Hunden. Ihre Lebenserwartung ist deshalb nicht hoch. „Es sind Abgabehunde, die immer zusammen waren. Und nur so und auch keinesfalls in die reine Außenhaltung, werden sie vermittelt“, betont sie.

Tierheim von Weihnachten bis Dreikönig geschlossen

In diesem Zusammenhang weist Britta Merkel darauf hin, dass jetzt, kurz vor Weihnachten, sowieso keine Tiere vermittelt werden. „Es ist uns wichtig, dass keiner unserer Schützlinge erst unterm Weihnachtsbaum und nachher wieder bei uns landet – oder schlimmer noch – ausgesetzt wird. Ab Weihnachten bis nach Dreikönig ist das Tierheim für den Publikumsverkehr geschlossen. Was immer möglich ist und auch dringend benötigt werde, seien Spenden.

Spendenkonto: Tierschutzinitiative Haßberge, Sparkasse Schweinfurt-Haßberge

IBAN:DE84793501010009104464

BIC: BYLADEM1KSW

Die kleine Peanut ist zwar noch ein Welpe, aber wohl infolge schlechter Erfahrungen besonders scheu. Mit etwas Geduld und einigen Leckerlis wird auch sie sicher bald Vertrauen zum Menschen gewinnen. Foto: Stefanie Brantner
Brösel und Püppy. Sie warten im Tierheim auf einen lieben Menschen, der sich der Beiden annimmt. Foto: Karin Kraus/TI

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