HOFHEIM

Schwarz-rot-gold und zu verkaufen

„Bei den Alpenbergen tat sich die Kiste schon ein wenig schwer“, sagt Felix Zellmann, „die mussten wir im ersten Gang fahren.“ Zusammen mit Tobias Klopf und Stefan Lemmer kaufte er für 200 Euro ein Auto mit TÜV bis September, das sie in schwarz-rot-gold lackierten. Die drei Freunde hatten nur ein Ziel: Klagenfurt, um die ersten beiden Spiele der deutschen Mannschaft auf der Fanmeile direkt vor Ort zu erleben.
Tobias Klopf (von links), Stefan Lemmer und Felix Zellmann stehen in Hofheim vor ihrem „EM-Mobil“, mit dem sie über 1300 Kilometer nach Klagenfurt und zurück gefahren sind.
Tobias Klopf (von links), Stefan Lemmer und Felix Zellmann stehen in Hofheim vor ihrem „EM-Mobil“, mit dem sie über 1300 Kilometer nach Klagenfurt und zurück gefahren sind. Foto: FOTO stefan burkard

Am frühen Morgen des 7. Juni ging es los, 650 Kilometer lagen vor den drei fußballbegeisterten Hofheimern. Eine Woche zuvor hatten Felix Zellmann, Tobias Klopf und Stefan Lemmer ein älteres Seat-Modell für 200 Euro erworben und die Motorhaube sowie die rechte Seite schwarz-rot-gold lackiert. Auf der linken Seite steht der schwarze Schriftzug „EM 2008“. „Die Idee kam auf, weil die nächsten Europa- und Weltmeisterschaften nicht mehr so nahe sein werden“, sagt Felix Zellmann.

Der gelernte Mechatroniker checkte das Auto vor der Fahrt „zumindest grob“ durch und fungierte auch der Fahrer. Mit einigen Pausen dauerte die Fahrt nach Klagenfurt über acht Stunden – „wir haben einfach den verflixten Campingplatz nicht gefunden“, erklärt Tobias Klopf lachend. Ansonsten sei alles aber völlig problemlos verlaufen und „die Karre meckerte auch nicht weiter rum“, so Stefan Lemmer.

Feiern mit 16 000 Fans

Am Sonntagabend stand dann der erste Höhepunkt der Reise auf dem Programm: Das Eröffnungsspiel für die Deutschen gegen die Polen. „Die Stimmung war nach dem Sieg natürlich hervorragend“, sagt Felix Zellmann, „auch wenn es einige Spannungen mit polnischen Fans gab.“ Insgesamt sei Klagenfurt und insbesondere die Fanmeile aber fest in deutscher Hand gewesen. „Geschätzte 15 oder 16 000 Fußballfans waren unterwegs. Selbst die Österreicher hatten deutsche Flaggen, weil ihre eigene Mannschaft so schlecht spielt“, verrät der 18-jährige Stefan Lemmer lachend.

Den Triumph feierte das Trio zunächst ausgiebig auf der Fanmeile „Neuer Platz“ im Zentrum von Klagenfurt und anschließend auf dem Campingplatz. „Der war aber ebenso fast nur von Deutschen bevölkert“, sagt Tobias Klopf. Der 21-jährige Metallbauer hatte sich wie seine Freunde extra Urlaub für diesen „Road-Trip“ genommen.

Bis zum zweiten Spiel von Ballack und Co. hatten die Mannen aus Hofheim dann vier Tage Pause. „Wir verbrachten die Zeit hauptsächlich auf dem Campingplatz und der Fanmeile und haben dort Party gemacht“, gesteht der 19-jährige Felix Zellmann – das sei aber schon vor Beginn der Reise das erklärte Ziel gewesen. Die Feierlaune bekam allerdings mit der Niederlage gegen die Kroaten einen erheblichen Dämpfer versetzt, berichtet Tobias Klopf. „Die deutschen Fans haben sich ganz schnell auf den Campingplatz verdrückt und den Kroaten die Stadt überlassen.“

Auch sie selbst hätten die Fanmeile auf dem Messegelände außerhalb der Innenstadt von Klagenfurt schnell verlassen, obwohl sie vor dem Spielbeginn völlig begeistert waren – die Sportfreunde Stiller sind aufgetreten. „Wir waren einfach enttäuscht und von den Vortagen auch ein wenig geschlaucht“, gesteht der gelernte Elektriker Stefan Lemmer. Zurück auf dem Campingplatz wollten die Drei die Niederlage dann schnell vergessen und gingen zeitig zu Bett – am nächsten Tag stand schließlich die Rückfahrt nach Hofheim an.

EM-Mobil zu verkaufen

Am Freitagabend kam das Trio nach siebeneinhalb Stunden Fahrt ein wenig erschöpft in der Heimat an – den Trip würden sie aber jederzeit wiederholen. „Das war definitiv ein geiles Erlebnis“, sagt Felix Zellmann. „Schade, dass die Welt- und Europameisterschaft nicht häufiger so nahe stattfindet“, ergänzt Stefan Lemmer. Und auch bezüglich des Turnierausgangs sind sich die drei Herrschaften einig: „Deutschland wird Europameister, ganz sicher. Hundertprozentig!“ Übrigens: Wer einen ähnlichen Trip zum EM-Finale nach Wien am Sonntag plant – das „EM-Mobil“ steht zum sofortigen Verkauf bereit, passend lackiert ist es ja bereits.

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