HASSFURT

Security schlägt Störenfried zusammen

Amtsgericht Haßfurt       -  Der Haupteingang zum Amtsgericht in Haßfurt
Der Haupteingang zum Amtsgericht in Haßfurt Foto: Michael Mößlein

Mitarbeiter von Security-Firmen dürfen nicht zimperlich sein und müssen notfalls zulangen, um bei Veranstaltungen für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, gerade, wenn dort Alkohol in Strömen fließt. Doch das, was sich am Faschingssonntag 2013 in Sand abgespielt hat, ging zu weit. Security-Mitarbeiter verletzten dort einen jungen Mann so schwer, dass er ins Krankenhaus kam und zwei Wochen krankgeschrieben war. Zwei 34-Jährige mussten sich deshalb am Mittwoch vor dem Amtsgericht Haßfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft legte ihnen schwere Körperverletzung zur Last.

Die Liste der Verletzungen, die der 29-Jährige aus dem Haßbergkreis von seinem Faschingsbesuch davongetragen hat, lässt einen auf den ersten Blick daran zweifeln, ob Richterin Ilona Conver mit ihrem Freispruch, den sie beiden Angeklagten gewährte, nicht zu milde geurteilt hat. Immerhin hatte der 29-Jährige eine große, stark blutende Platzwunde am Ohr erlitten – vermutlich durch einen Tritt gegen Kopf, als er schon am Boden lag. Zudem wurden im Krankenhaus Schürfwunden und Prellungen attestiert. Doch am Ende der dreistündigen Verhandlung war Conver davon überzeugt, dass die vorliegenden Beweise nicht ausreichten, um die Angeklagten sicher zu überführen, wenngleich laut der Richterin „schon einiges dafür spricht“, dass die beiden für den krankenhausreifen Zustand des 29-Jährigen verantwortlich waren.

Gedächtnislücken

Das große Manko in der Beweisführung waren die eklatanten Gedächtnislücken der Zeugen. Diese rührten teils vom langen zeitlichen Abstand seit der Tat am 10. Februar 2013 kurz vor 22 Uhr her. Teils trübte aber auch der kräftig konsumierte Alkohol das Bewusstsein. So hatte der 29-Jährige über 1,6 Promille intus, ein 36 Jahre alter Kumpel, der ihm helfen wollte, als die Security ihn schon gewaltsam zu Boden gebracht hatte und dabei ebenfalls geschlagen worden sein soll, brachte es auf über zwei Promille. Da sind klare Gedanken kaum noch möglich, geschweige denn eine exakte Aussage über Beteiligte und deren Taten.

Der 29-Jährige erinnerte sich zwar noch daran, mit einem Unbekannten vor der Cocktailbar gestritten zu haben („eine harmlose Schubserei“), als er ohne Vorwarnung von hinten gepackt und trotz Gegenwehr zu Boden gerungen worden sei („das müssen wohl Security-Mitarbeiter gewesen sein“). Dann erhielt er „von rechts“ einen Tritt gegen den Kopf. Ihm wurden Handschellen verpasst, und er wurde aus dem Festzelt abgeführt.

Sanitäter behandelten ihn im Rettungswagen. Dabei, erinnerte sich ein als Zeuge geladener Polizist, habe er sich sehr aggressiv verhalten und abwechselnd die Sanitäter, Polizisten und Passanten beschuldigt, für seine Verletzungen verantwortlich zu sein.

Einem unbeteiligten Zeugen war die in seinen Augen „extreme Gewalt“ aufgestoßen, mit der die Security gegen den 29-jährigen Streithahn im Zelt eingeschritten war. Deshalb hatte er die Security bei den Polizisten vor Ort angezeigt. In Gegenwart eines Polizisten hatte er zwei Security-Mitarbeiter identifiziert, die er für die verantwortlichen Brutalos im schwarzen Dress hielt; der Polizist dokumentierte die Namen und Geburtsdaten, die ihm die beiden Verdächtigen nannten. So kam es überhaupt erst zur Anklage gegen die beiden 34-Jährigen aus Thüringen, die an jenem Abend in Sand für ein Subunternehmen der eigentlich verantwortlichen Sicherheitsfirma im Einsatz waren.

Verwechslung möglich

Die Angeklagten bestritten jedoch, an diesem Abend überhaupt mit einem Polizisten gesprochen zu haben, oder an dem Vorgehen gegen den 29-Jährigen beteiligt gewesen zu sein. An diesem Abend waren über 30, fast identisch gekleidete Security-Mitarbeiter vor Ort. Da seien Verwechslungen möglich, meinten die Verteidiger. Kein Zeuge habe ihre Mandanten vor Gericht eindeutig identifiziert. Und überhaupt, sagte Rechtsanwalt Alexander Held: Sein Mandant habe ein ärztliches Attest, das belegt, dass er zur Tatzeit wegen Sehnenverletzungen an beiden Armen für den Gewaltakt rein körperlich gar nicht in der Lage war. Dieses Knallbonbon zündete der Anwalt in seinem Plädoyer.

Dieser Umstand dürfte noch eine Rolle spielen. Denn mit dem Freispruch ist der Fall nicht erledigt. Staatsanwalt Ralf Hofmann hat Berufung eingelegt. So wird der Prozess in nächsthöherer Instanz am Landgericht fortgeführt. Dabei geht es bei Helds Mandanten um wesentlich mehr als beim Mitangeklagten. Denn während dieser nicht vorbestraft ist und mit einer Bewährungsstrafe davonkommen kann, hat Helds Mandant zehn Vorstrafen, darunter mehrere Körperverletzungen. Und er steht laut Staatsanwalt wegen eines einschlägigen Delikts unter Bewährung. Im Falle einer Verurteilung könnte er in den Knast wandern.

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