Landkreis Haßberge

Seelsorge im Home Office: Rat und Hilfe über das Internet

In der derzeitigen Ausnahmesituation sind Rat und Zuspruch mehr gefragt denn je. Pastoralreferent Johannes Simon über Seelsorge in Zeiten geschlossener Kirchen.
Ist auch in der Krisenzeit für seine Mitmenschen da: der Knetzgauer Pastoralreferent Johannes Simon, hier bei einer Lesung im Mehrgenerationenhaus St. Michael in Bad Königshofen.
Ist auch in der Krisenzeit für seine Mitmenschen da: der Knetzgauer Pastoralreferent Johannes Simon, hier bei einer Lesung im Mehrgenerationenhaus St. Michael in Bad Königshofen. Foto: Hanns Friedrich

Johannes Simon ist es gewohnt, seinen Mitmenschen während eines Gesprächs in die Augen zu blicken. Das ist aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus derzeit fast nicht möglich. Dennoch findet der Pastoralreferent aus Knetzgau Mittel und Wege, um für seine Mitmenschen da zu sein. Im Gespräch erzählt Simon, wie die Kirche auf die veränderte Situation reagiert, wo Menschen Hilfsangebote bekommen und was er sich für die Zeit nach der Pandemie erhofft.

Herr Simon, gibt es in diesen Zeiten ein vermehrtes Interesse an seelsorgerischer Betreuung?

Das lässt sich schon anhand der Besucherzahlen unserer Homepage "pfarrbriefservice.de" sagen. Hier stellen wir in diesen Tagen die höchsten Zugriffszahlen seit der Gründung im Jahr 2002 fest. Bei den Suchanfragen liegt das Stichwort "Corona" ganz vorne. Wir haben mit Hochdruck innerhalb von 48 Stunden an Materialien in Bild und Wort für die Kar-und Ostertage gearbeitet und diese ins Netz gestellt. Vielerorts wird - über Infos in Papierform und auch digital - Zuspruch und konkrete Hilfe seitens der Kirche angeboten.

Die Kirchen sind derzeit geschlossen. Wie geben Sie den Gläubigen Halt und Hilfestellung?

Hier werden die Kolleginnen und Kollegen zum Teil sehr kreativ. Zu nennen sind dabei Statements auf deren persönlichen Facebookseiten, verteilte Pfarrbriefe, aktuelle Homepages und Streams von Gottesdiensten und ermutigenden Worten auf Kanälen wie Youtube. Aber auch telefoniert wird vermehrt. Rufumleitungen führen direkt ins Homeoffice oder auf das Handy. Auch die Beratungsstellen der Caritas beispielsweise sind nach wie vor erreichbar.

Was sagen Sie Menschen, die bei Ihnen in der aktuellen Situation Rat suchen?

Es ist für uns alle eine ganz neue, so nie erlebte Situation. Mir hilft da ein Poster, auf das ich schon früher in schwierigen Situationen geblickt habe: "Keep Calm and Carry on." Übersetzt heißt es für mich: Bleib ruhig. Mache weiter, was du im Rahmen deiner Möglichkeiten tun kannst. Das bedeutet für mich, damit leben zu lernen, dass es ist, wie es ist. Und zuversichtlich zu bleiben, dass wir miteinander die Situation durchstehen und gestalten können. Bei all den Unwägbarkeiten und unklaren Situationen glaube ich daran, dass Gottes Gegenwart uns trägt und Kraft gibt, die Dinge, die zu tun sind, zu tun. Wir bewegen uns nicht im luftleeren Raum. Wir sind umgeben von der Fürsorge vieler Menschen.

Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation um?
Pastoralreferent Johannes Simon.
Pastoralreferent Johannes Simon. Foto: Carina Glück

Ich arbeite derzeit im Homeoffice und nutze alle mir zur Verfügung stehenden Wege, um in Verbindung zu bleiben. Telefonate und Telefonkonferenzen helfen, sich zu vernetzen, Rat zu holen und zu geben und Entscheidungen abzustimmen. Ich nutze soziale Netzwerke und Newsletter, um gute Botschaften zu teilen - Botschaften, die Mut machen und aufrichten. Und ich bleibe aktiv, bewege mich mit dem Rad oder zu Fuß im Freien. Das ist absolut notwendig, damit der Kopf frei wird und der weitwinklige Blick auf die Wirklichkeit bleibt.

Wie hat sich ihr Alltag verändert?

Zufällige Kontakte sind sehr selten geworden. Besuche gibt es keine mehr. Keine Verabredungen zu einem Kaffee oder einer Pizza. Das ist schon ein krasser Einschnitt. Auch die Besuche unserer Tochter aus Nürnberg am Wochenende fallen weg. Das ist schade, aber in dieser Situation richtig. Ich freue mich, dass ich nicht alleine bin, sondern zusammen mit meiner Frau wohne und wir uns zusammen daheim wohl fühlen. Dafür bin ich, gerade jetzt, sehr dankbar.

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

Ich hoffe, dass uns manche Einschränkungen aufmerksam machen auf das, was wir zum Leben brauchen - und wie viel davon. Es ist ja in gewisser Weise eine Fastenzeit der ganz speziellen Art. Für mich ist es auch ein Lernprozess, den wir durchmachen. Dass wir als Menschen bedürftig sind, nach Nähe, Gesundheit, Solidarität, gegenseitiger Wertschätzung und Hilfe. Vielleicht waren wir da auch durch den Überfluss und die Selbstverständlichkeit, all das zu haben, verwöhnt. Wir lernen: Es ist nicht alles möglich! Das macht uns verletzlich, aber auch wieder menschlich. Meine große Hoffnung ist, dass wir dadurch lernen: Wir brauchen einander. Auf der ganzen Welt. Der Virus kennt keine Grenzen. Möge unsere Menschlichkeit und Solidarität auch grenzenlos sein.  

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