ERMERSHAUSEN

Seltene Pflanze im Landkreis Haßberge entdeckt

Am 28. Juli begutachten Forstanwärter Benjamin Löffler, Förster Wolfgang Meiners, Biologe Otto Elsner, und Robert Lauer den Restbestand der Berg-Fetthenne bei Ermershausen. Foto: Beate Dahinten

Unscheinbarer geht es kaum: In einem Straßengraben hat Otto Elsner unvermutet 15 Exemplare der Berg-Fetthenne, einer bedrohten Pflanzenart, entdeckt – zum ersten Mal im Landkreis Haßberge. Als der Biologe aus Rottenstein anderthalb Wochen später seinen Fund präsentieren will, gibt es eine weitere, allerdings unerfreuliche Überraschung.

Es ist ein Mittwochnachmittag Ende Juli, am Flurweg zwischen Ermershausen und Allertshausen. Otto Elsner hat zum Ortstermin auch Förster Wolfgang Meiners, Forstanwärter Benjamin Löffler und Robert Lauer von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt eingeladen. Es geht darum, zu zeigen: „Beim Artenschutz ziehen alle gemeinsam an einem Strang.“

Vom Aussterben bedroht

Die Berg-Fetthenne steht auf der Roten Liste und ist als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. In Bayern kommt sie laut Otto Elsner sehr selten im benachbarten Landkreis Rhön-Grabfeld bei Sternberg oder Trappstadt vor. „Am bekanntesten ist das Vorkommen am Kreuzberg in der Rhön auf Felsen.“ Im Landkreis Haßberge wurde sie noch nie gesichtet – bis zum 20. Juli dieses Jahres.

An jenem Samstag war Elsner am Südrand des Kleppersberges nordöstlich von Ermershausen unterwegs. „Ich bin hier entlang gelaufen und habe den Waldrand angeschaut, ob es hier seltene Pflanzen gibt“, erzählt der Fachmann. Als er auf 15 Exemplare der Berg-Fetthenne stieß, war er „völlig überrascht, weil ich mit dieser Pflanze überhaupt nicht gerechnet habe.“ Wobei die Berg-Fetthenne ihrem Namen zum Trotz nicht nur auf extremen Felsen, sondern auch in lichten Wäldern zuhause ist und an den Waldrand wandert, wenn die Wälder dichter werden.

Kaum etwas übrig

Mit zwei Holzstäben markierte der Biologe die einige Meter lange Fundstelle. Doch jetzt beim Ortstermin stellen er und die anderen Fachleute fest: von dem Bestand ist kaum noch etwas übrig. Die meisten Pflanzen wurden augenscheinlich abgeschnitten. Wer könnte das gewesen sein und warum, fragen sich die Fachleute. Otto Elsner sieht den Vorfall aber gewissermaßen als Bestätigung: „Das zeigt die Notwendigkeit, dass man sich um solch einen Standort kümmern muss.“

Seit einem Jahr ist der Biologe als Gebietsbetreuer des Bayerischen Naturschutzfonds, einer gemeinnützigen Stiftung, die im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert ist, tätig. Im Jahr 2000 wurde das Projekt „Gebietsbetreuer in Bayern“ etabliert, 55 herausragende Gebiete werden aktuell betreut, darunter eben auch die Haßberge mit den Schwerpunkten Haßbergtrauf und Mainauen. Die Devise lautet: „Naturschutz. Für Dich. Vor Ort.“ Das soll zum Ausdruck bringen, dass Elsner und seine Kollegen sich als Mittler zwischen Natur und Mensch sehen. Beobachten, vermitteln, informieren – so werden ihre Aufgaben zusammengefasst.

Einmaliges Vorkommen erhalten

„Aus Sicht des Artenschutzes und der Artenvielfalt ist es wichtig, dieses für den Landkreis Haßberge einmalige Vorkommen zu erhalten“, betont Elsner mit Blick auf die Ermershäuser (Kleppers-)Berg-Fetthenne. Und wie geht es jetzt konkret weiter? „Wir schauen, was nächstes Jahr wieder kommt“. Mit Förster Meiners, der den Gemeindewald Ermershausen betreut, sei vereinbart, dass der Straßengraben erst spät im Jahr gemäht wird. „So ist gewährleistet, dass die Pflanzen im kommenden Jahr wieder austreiben können.“

Als zweiten Schritt habe er Meiners gebeten, den Waldrand aufzulichten, „damit die Pflanze weiter in den Wald zieht und so ihr Lebensraum erweitert wird.“ Der Förster selbst wirft ein: „Wir halten gerne Waldsäume nach Süden zu“, nämlich um die Sonneneinstrahlung und damit Hitze und Trockenheit zu reduzieren. Aber die Auflichtung sei kein Problem: „Dann schließt der Wald weiter hinten.“

Wichtig für Insekten

„Solche Waldränder sind auch wichtige Wanderlinien von Insekten und Schmetterlingen“, betont Robert Lauer. Die Fetthenne zum Beispiel ist eine Nahrungsquelle für Wildbienen. Als Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Forstwirtschaft und Gemeinde schon länger gut funktioniert, verweist Lauer auf die Biotope im Ermershäuser Wald. Aber auch die naturgemäße Waldwirtschaft „fördert die Arten“, ergänzt Wolfgang Meiners.

Am 20. Juli hat Otto Elsner, Gebietsbetreuer des Naturschutzfonds Bayern, erstmals im Landkreis Haßberge ein Vorkommen d... Foto: Otto Elsner

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