GLEUSDORF

Seniorenresidenz klagt gegen Schließung

Ermittlungen in Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf       -  Das Archivbild von Januar 2012 zeigt die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, der nach einer Betriebsuntersagung des Landratsamtes Haßberge die Schließung zum Ende Januar 2019 droht. Die Einrichtung möchte sich juristisch dagegen wehren.
Das Archivbild von Januar 2012 zeigt die Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf, der nach einer Betriebsuntersagung des Landratsamtes Haßberge die Schließung zum Ende Januar 2019 droht. Die Einrichtung möchte sich juristisch dagegen wehren. Foto: David-Wolfgang Ebener, dpa

Das Landratsamt Haßberge hat der Seniorenresidenz im Schloss Gleusdorf bei Untermerzbach (Lkr. Haßberge) eine Betriebsuntersagung zugestellt. Demnach muss die Einrichtung zum 31. Januar schließen. Die von Vormundschaftsgerichten eingesetzten Betreuer und Angehörigen müssen binnen sieben Wochen einen neuen Heimplatz für ihren „Schützling“ finden – und das über die Feiertage hinweg. Dies erfuhren die Betroffenen am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung in Haßfurt, Hilfestellung wurde dabei nicht aufgezeigt, wie eine Versammlungsteilnehmerin berichtet. „Ein Skandal“, schimpft die Tochter eines Heimbewohners. Einer von aktuell 65, meist schweren Fällen, die einer geschlossenen Einrichtung bedürfen.

Keine Begründung für Bescheid

Wie Monika Göhr, Pressesprecherin des Landratsamtes Haßberge, mitteilt, hat die Einrichtung gegen den Schließungsbescheid Widerspruch eingelegt und werde vor dem Verwaltungsgericht Würzburg dagegen klagen. „Wir befinden uns also in einem laufenden Verfahren, deswegen können wir zum jetzigen Zeitpunkt aus rechtlichen Gründen nicht mehr dazu sagen“, antwortete Göhr auf Nachfrage dieser Redaktion. Auch zu den Gründen für die Betriebsuntersagung macht das Landratsamt keine Angaben. So ist unklar, inwieweit die Entscheidung, der Altenpflegeeinrichtung den weiteren Betrieb zu untersagen, im Zusammenhang mit dem Skandal um das Seniorenheim steht, der im Jahr 2016 ans Licht kam.

Damals waren fünf Heimbewohner unter dubiosen Umständen gestorben. Seit Herbst 2016 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bamberg. Zwischenzeitlich saßen die Geschäftsführerin und der Pflegedienstleiter in Untersuchungshaft; mittlerweile sind beide wieder auf freiem Fuß. Oberstaatsanwalt Otto Heyder teilt in diesem Zusammenhang mit, der Sachstand sei unverändert, die Akten so umfangreich, dass die Ermittlungen viel Zeit in Anspruch nehmen. „Wir gehen im Moment davon aus, dass im nächsten Jahr Anklage erhoben wird“, sagt der Jurist. Welcher Straftatbestand der Heimleitung dann vorgeworfen werden soll, sei derzeit noch offen.

Die Heimaufsicht am Landratsamt in Haßfurt wie auch das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege begleiten die Einrichtung seither „engmaschig“, wie es Behördensprecher formulierten. Soll heißen: Regelmäßige Besuche, häufige unangekündigte Kontrollen, neuerdings auch zu Nachtstunden.

Richterin Susanne Horas, Pressesprecherin des Verwaltungsgerichts Würzburg, erklärte, dass die angekündigte Klage des Seniorenheims gegen die Betriebsuntersagung bei Gericht noch nicht eingegangen sei. Allerdings gebe es einen Eilantrag der Einrichtung, der, anders als eine einfache Klage, aufschiebende Wirkung entfalten könne. Wenn das Pflegeheim mit seinem Eilantrag erfolgreich ist, könnte es somit einen Aufschub bis zur Entscheidung über die Klage erreichen.

Das Seniorenzentrum Schloss Gleusdorf selbst möchte sich nicht zu den Ereignissen äußern. „Das Haus gibt keine Stellungnahme ab“, sagt eine Mitarbeiterin der Einrichtung am Mittwoch auf Nachfrage dieser Redaktion. „Das machen unsere Anwälte zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Das Pflegeheim ist eine private Einrichtung. Der Betreibergesellschaft gehören nur die Geschäftsführerin und der Heimleiter an, die das Schloss im Jahr 2002 erworben haben, das damals schon zur Pflegeeinrichtung umgebaut worden war. Bis zu 100 Heimbewohner waren hier einst untergebracht, zuletzt 65, wie es dem MDK-Transparenzbericht vom Juni zu entnehmen ist.

Zwischen 40 und 50 Mitarbeiter sind auch vom angekündigten Entzug der Betriebserlaubnis betroffen. Die meisten erfuhren davon aus der Zeitung, obgleich hinter vorgehaltener Hand darüber gemunkelt worden war.

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Heimplätze dringend gesucht

Bereits am Dienstag glühten die Telefondrähte in vielen Heimen der Region heiß. „Zurzeit ist das eine Katastrophe, seit drei Jahren gibt es kaum noch freie Plätze“, weiß eine Betreuerin mit jahrzehntelanger Berufserfahrung.

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte der Bürgermeister von Untermerzbach, Helmut Dietz (SPD), dass er „noch unter Schockstarre“ stehe. Im Augenblick kämen immer wieder Angehörige, die ihre Verwandten abholen wollten, so der Rathauschef.

Ein Sprecher von Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) erklärte: „Die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass sie oder ihre Angehörigen angemessen behandelt und betreut werden Deshalb hatte die Ministerin im Fall Gleusdorf die zuständige Fachstelle des Landkreises Haßberge beauftragt, allen Beschwerden nachzugehen und auf Mangelsachverhalte hin zu überprüfen. Dies geschah mehrfach.“ Den wachsamen Augen muss nach zwei Jahren nun etwas Gravierendes aufgefallen sein, da solch rigorose Maßnahmen ergriffen werden.

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