RÜGHEIM

Sensationeller Fund: Putz am Rügheimer Schloss aus dem 16. Jahrhundert

Eine sensationelle Entdeckung wurde an den Ruinen des Rügheimer Schlosses gemacht. Der Putz an der im Volksmund genannten Schlosskapelle ist nach Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege ungefähr 450 Jahre alt und sehr großflächig erhalten. Es könnte sich um den größten Bestand dieser Art in ganz Nordbayern handeln.
Das Rügheimer Schloss: Die Zeichnung zeigt das Schloss, wie es wohl im 17. Jahrhundert ausgesehen hat. Foto: repro MP

Es war vor etwa drei Wochen. Die Stadt Hofheim will einen Rundweg um die Ruinen des ehemaligen Schlosses anlegen. Weil dabei die alte Bausubstanz berührt wird, war bei einer Begehung Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege mit anwesend. Als die Gruppe, zu der unter anderem auch der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst gehörte, zu der Schlosskapelle kam, entdeckte die Denkmal-Expertin den Putz an der Ruine.

Was für den Laien kaum eine Beachtung wert ist, erregte zunehmend ihr Interesse, ja sogar ihre Begeisterung. An den verschiedenen Schichten, der Farbe des Putzes, aus dem Alter der Ruinen und der Jahreszahl von 1557 an einem Sims schloss sie, dass es sich hier um einen außergewöhnlichen Bestand von altem Putz aus dem 16. Jahrhundert handeln müsse. Umgehend leitete sie Untersuchungen ein, die derzeit Karl Schnieringer ebenfalls vom Landesamt durchführt.

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Ruine Rügheimer Schloss

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Auch er ist begeistert vom Bestand und hält diesen für einzigartig. „Ich bin dabei, die Baugeschichte des Hauses zu lesen“, erklärt er. Als Beispiel zeigt er auf eine Wand, in der deutlich eingemauerte Treppenstufen zu erkennen sind, die offensichtlich zu einem Rundturm des früheren Schlosses gehörten, auf den aber jetzt ein Dach aufgesetzt worden ist.

Das Schloss selbst war einst eine prächtige herrschaftliche Anlage. Nur noch grob erahnen lässt sich die Größe. Es stand entlang der heutigen Hauptstraße gegenüber dem Marktplatz. Die Ursprünge des Schlosses wurden vermutlich schon im 12. Jahrhundert errichtet. 1695 wird das „Hauß Richheim“ – gemeint ist das Schloss – als vierstöckig beschrieben. Daraus geht hervor, dass das Schloss vom einem drei Meter breiten Wassergraben umgeben war.

Verschiedene Besitzer werden genannt – darunter die Herren von Schaumburg, die Füchse von Bimbach und Dornheim, Maria Dorothea von Weimar und der Ritterkanton Baunach.

Im Jahr 1820 wurde das Rügheimer Schloss abgerissen. Der Grund war laut alten Quellen, dass zuvor durchziehende französische Soldaten das Schloss als Lazarett genutzt hatten. Viele von ihnen waren am pestartigen Nervenfieber erkrankt und schon 14 Rügheimer hatten sich infiziert. Zum Schutz der Bevölkerung wurde der Abriss angeordnet. Viele im 19. Jahrhundert abgetragene Steine wurden zum Häuser- und Scheunen-Bau verwendet und sind teilweise heute noch zu sehen.

Das einstmals stolze Gemäuer hatte fünf Rondells, die in den Außenmauern integriert waren. Eine Ruine gilt als die heutige Schlosskapelle, wobei es sich dabei wohl nie um eine Kapelle gehandelt hat. Doch aufgrund des noch erhaltenen Gewölbes, das an eine Kapelle erinnert, wurde sie im Volksmund so genannt.

Derzeit verschafft sich das Landesamt einen Überblick über die ganze Substanz. Der alte Putz wirkt unspektakulär. Einzigartig ist, dass bei Ruinen dieses Alters meist der Putz längst abgebröckelt oder abgehauen ist, erklärt Schnieringer. Das Alter des Putzes lasse sich mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden nicht genau schätzen. Bei Holz sei dies einfacher. Die Jahresringe seien da vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Doch Schnieringer ist zuversichtlich, auch das Alter des Putzes ziemlich genau bestimmen zu können.

Dann müssen die nächsten Schritte beraten werden, wie sich der Putz und die Ruinen auf Dauer sichern lassen. Neugierigen rät Annette Faber dringend davon ab, die Ruinen in Augenschein zu nehmen. Sie befürchtet, dass der wertvolle Putz zu Schaden kommen könnte, sollte „eine Wallfahrt dorthin einsetzen“. Aufgrund der wackeligen Mauern sei dies auch gefährlich.

Diesen Bedenken ist Bürgermeister Wolfgang Borst nachgekommen. Er hat den Zugang absperren lassen. Borst freut sich über diese Entdeckung. Die Planungen für einen Rundweg um die Ruinen wurden zwar zunächst einmal gestoppt, doch er sieht die Chance, einen weiteren Anziehungspunkt in das Hofheimer Stadtgebiet zu bekommen. Die Finanzierung dafür muss aber über das Landesamt für Denkmalpflege erfolgen.

 

Sensationelle Entdeckung an den Ruinen des ehemaligen Rügheimer Schlosses: Der Putz ist nach Ansicht der Experten vom Landesamt für Denkmalpflege aus dem 16. Jahrhundert. Unser Bild zeigt bei der Bestandsaufnahme rechts Karl Schnieringer vom Landesamt zusammen mit Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst. Foto: FOTO Klaus Gimmler

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