Schweinfurt

Sparkasse Schweinfurt-Haßberge: Aus für lange Prämiensparverträge

Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge kündigt nun auch die langfristigen, hochverzinsten Prämiensparverträge. Sie verspricht aber noch die volle Prämie für das Jahr 2020. Etwa drei Prozent der Kunden sind betroffen.
Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge kündigt die unbefristeten Prämiensparverträge, die ihren höchsten Prämiensatz erreicht haben. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge kündigt nun auch die langfristigen, hochverzinsten Prämiensparverträge. Der Bundesgerichtshof hatte in seinem Urteil von Mai 2019 den Sparkassen das Recht zugestanden, Verträge, für die keine Laufzeit vereinbart war, die aber die letzte Prämienstufe erreicht haben, zu kündigen. Vorstandsvorsitzender Peter Schleich, Vorstandsmitglied Roberto Nernosi und Michael Geiling, Leiter Vertriebsmanagement, teilten im Rahmen eines Pressegespräches am Donnerstag mit, dass "grundlegend veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen" keine andere Lösung zuließen, als diese Verträge, die den höchsten Prämiensatz erreicht haben, zu kündigen. Dies betreffe, so Schleich, aber weniger als drei Prozent der gesamten Kunden. Insgesamt handelt es sich um rund 3600 Verträge. Seit dem Jahre 2003 gebe es ohnehin nur noch befristete Prämiensparverträge bei der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge.

"Unser Ziel ist es", so Peter Schleich, "die Sparkasse im Sinne aller Kunden, unserer Mitarbeiter sowie der Region langfristig betriebswirtschaftlich leistungsfähig zu erhalten, damit sie ihren Auftrag als Kreditgeber und Förderer der Region auch weiterhin zuverlässig erfüllen kann. Deshalb werden auch wir in dem vom BGH-Urteil vorgegebenen Rahmen die entsprechenden Sparverträge kündigen."

Zinsen auf Sparverträge "nicht marktgerecht"

Die derzeit sehr expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), so Schleich, mit ihrem umfangreichen Ankaufprogramm und Negativzinsen bringe mehr Schaden als Nutzen. Die Minuszinsen führten zu massiven Nachteilen und negativen Auswirkungen auf das Geldvermögen der Sparer und die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Der Zinsüberschuss, die Hauptertragsquelle für Sparkassen, sei laut Schleich "spürbar rückläufig". Bisher habe die Sparkasse gut gegensteuern und die Auswirkungen auf die Kunden abfedern können. "Diese Möglichkeiten sind aber zunehmend ausgeschöpft. Die Banken können nicht auf Dauer Zinsen zahlen, die nicht mehr marktgerecht sind." Das Geldinstitut hatte bei diesen Sparverträgen in der letzten Prämienstufe die Hälfte der vom Sparer eingezahlten Summe als zusätzliche Prämie pro Jahr gewährt.

Die Kündigung der Verträge erfolge in zwei Tranchen, so Michael Geiling. Innerhalb von drei Monaten nach der Kündigung könnten die Kunden dann über das Geld verfügen. Die Sparkasse werde aber für jeden gekündigten Vertrag laut Peter Schleich noch die volle Prämie für 2020 bezahlen. Zu der jüngst von Verbraucherschützern geübten Kritik an der Berechnung der Zinsen bei von anderen Sparkassen gekündigten Prämiensparverträgen nahm Peter Schleich auf Nachfrage dieser Redaktion wie folgt Stellung: "Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge setzt alle gesetzlichen Anforderungen unverzüglich um. Aus allen bisher durchgeführten Nachberechnungen ergeben sich keine Zinsnachzahlungen. Dies bestätigt unsere Vorgehensweise."

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