HAßFURT

Sportstadt

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Zehn Jahre sind im Laufe der Zeit ein Klacks. Für einen Verein können zehn Jahre aber eine Epoche sein, zum Beispiel die Ära Rehhagel in Bremen. In zehn Jahren kann viel passieren. Es kann eine Stadt, die einst weit über die Grenzen der Region hinaus als Sportstadt bekannt war, das „Sport“ in diesem „Titel“ aus dem Auge und komplett verlieren lassen. So geschehen in Haßfurt. FC Haßfurt, TV Haßfurt und viele andere Vereine gebaren etliche Titelträger. Der FC spielte zum Beispiel in der 2. Fußballliga, wurde 1978 Bayernligameister, der Turnverein holte Deutsche und Bayerische Meistertitel in Leichtathletik, Turnen und anderen Sportarten.

Aber der Zahn der Zeit ging an den Vereinen nicht spurlos vorbei. Misswirtschaft brachte unter anderem den FC Haßfurt an den Rand des Untergangs, beim TV sorgten nicht zuletzt mehrere Hochwasser für den Verfall der Sportstätten. Zudem steht die Dreifachturnhalle am Schulzentrum vor der Generalsanierung oder muss gar abgerissen und neu gebaut werden.

Angesichts dieser sportdesaströsen Lage hatte der Turnverein vor zehn Jahren eine Vision und begann, ein Sportzentrum am Eichelsee zu planen. Bis der Stadtrat diesem – zugegeben nicht billigen – Unterfangen ein Ende bereitete. Zu hoch erschien den Stadträten das finanzielle Risiko durch Eigenbeteiligung und noch mehr aber durch die Bürgschaften und die drohende Übernahme des Zentrums durch die Stadt im Falle des Scheiterns.

Nun ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob ein Sportpark Eichelsee, der im günstigsten Fall schon seit ein paar Jahren fertig und in Betrieb wäre, nun tatsächlich funktioniert hätte. Tatsache ist aber, dass es mittlerweile sehr eng wird mit qualitativ ansprechenden Sportstätten in der Kreisstadt. Der Stadtrat diskutierte immer wieder einmal das Thema, der vom Verein einst angedachte Sportpark schrumpfte erst auf eine Zweifach- und schließlich auf eine Einfachsporthalle.

Es ist auch in diesem Zusammenhang müßig, darüber zu spekulieren, ob die Stadt im günstigsten Fall mit dem gleichen finanziellen Aufwand ein Vielfaches an Möglichkeiten hätte bekommen können. Es hat halt nicht sollen sein. Wichtig ist, dass Bürgermeister und Stadtrat nun gemeinsam die Zeichen der Zeit erkannt und den Bau der Sporthalle beschlossen haben. Schließlich ist das Angebot an Sportstätten nicht zuletzt für junge Familien ein mitentscheidender Standortfaktor. Und auf diesem Sektor sind umliegende Gemeinden, die oftmals finanziell deutlich weniger auf Rosen gebettet sind, der Kreisstadt in den letzten Jahren enteilt.

Die neue Halle ist zwar kein Sportpark, aber – ums mit den TV'lern mit leicht knirschenden Zähnen zu sagen – man kann etwas damit anfangen. Für die mit der Stadt im gemeinsamen Bauherrenboot sitzenden TV und Waldorfschule ist außerdem die Lage auf dem ehemaligen Minigolfplatz neben der Firma Diem einfach ideal. Und finanziell muss zwar die Stadt rund zweieinhalb Millionen Eigenmittel einsetzen. Dafür ist sie jetzt jedoch, so Bürgermeister Werner, auch Eigentümer der Halle und kann über die Verwendung und Vermietung entscheiden.

Dass es Widerstand im Stadtrat geben würde, war zu erwarten. Aber zum Glück hielt sich diesmal die Protestbewegung in Grenzen. Eine neuerliche „Rote Karte“ für die Sportstadt Haßfurt hätte der Kreisstadt für lange Jahre nachhaltig Schaden zugefügt.

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