NEUBRUNN

Starkbierzeit: Neubrunn als Herz und Eltmann als Dünndarm

Ob es um ihr Alter geht oder ihre Wehwehchen: Die Patienten hadern in der Arztpraxis mit dem Datenschutz. Von links: Gerd Koch, Steffi Lauterbach, Theresa Reinwand und Angela Knab. Foto: Günther Geiling

Was den Münchnern ihr Starkbieranstich auf dem Nockherberg, das ist in den Haßbergen inzwischen das Derblecken in der „Heilig-Länder-Halle“ in Neubrunn, die am Samstag wieder einmal aus den Nähten platzte, weswegen man an der Abendkasse keine Karte und damit keinen Eintritt mehr bekam. Wiederum bekam die Prominenz ihr Fett ab vom „Ausscheller“; und das „Schräge Theater“ von Neubrunn tischte mit amüsanten Geschichten von „Hubert und Staller“ oder aus „Wer wird Millionär“ so manches auf den Landkreis, seine Kommunen und Bürger und seine Gäste umgemünzte heitere Stück auf.

Die „Neubrunner Dorfmusikanten“ sorgten von Anfang an auf der Bühne für eine lockere Stimmung und eine Sondereinlage bot dabei ihr Vorsitzender Rainer Stretz, der ein vorzügliches Solo auf dem Alphorn blies. Dieser kräftige Auftakt brachte wohl Bürgermeister Karl-Heinz Kandler ein wenig aus dem Konzept, denn als er zum traditionellen Bieranstich schritt, wollte das Bier einfach nicht aus dem Fass und dem Hahn strömen.

„Die zwa sind beide Junggselln und hams deswegen net so mit dem Anstechen.“

Ewald Stretz über Michael

Ziegler und Karl-Heinz Kandler

„Letztes Jahr habe ich den Hahn doch einfach mit der Hand nei-gsteckt und dann is des Bier rausgeloffen“, meinte Kandler sichtlich nervös und mit Schweißperlen auf der Stirn. Auch die Assistenz von stellvertretendem Landrat Michael Ziegler nützte dabei wenig, der fast schon resignierte bei seinen Worten: „Ihr könnt, glaube ich, wieder heimgehen, heut gibt?s ka Bier!“ Der Saal protestierte und es wurde der Ruf nach einem Holzschlegel laut, den dann auch tatsächlich eine Bedienung auf dem Tablett servierte. Nach mehreren Schlägen von Bürgermeister Kandler lief unter großem Beifall dann auch der „Braune Gerstensaft“ als höherprozentiges Starkbier in die bereitstehenden Krüge. Moderator Ewald Stretz hatte sofort eine Erklärung für diese langwierige „Anstich-Zeremonie“ und meinte: „Die zwa sind beide Junggselln und hams deswegen net so mit dem Anstechen.“

Mit seinem Gebimmel kam dann auch schon „Ausscheller“ Horst Gehring und zeigte sich froh, dass so viele Gäste den Weg nach Neubrunn gefunden hatten, egal ob sie über Steinbach oder Schönbach gefahren seien, denn überall stünden ruinenähnliche Bauten. „Die Ruinen an der Schönbachsmühl gehören zu Ebelsbach und die unbeleuchteten Ruinen an der Paßmühle rechts der Straße zu Breitbrunn. Drum wollte sich Breitbrunn vermutlich auch nicht an den Kosten der dortigen Straßenlaterne beteiligen. Bürgermeisterin Gertrud Bühl meint, wir mögen sie nicht in Neubrunn. Das stimmt aber net. Wir haben uns sogar an ihrem Steinbruchmuseum beteiligt. Und wenn die Schul in Neubrunn noch weiter besteht, dann lieben wir sie noch viel mehr.“

Neubrunner Spargel

In Richtung Kirchlauter verglich er den Bau des künftigen Sendemastes mit dem Flughafen von Berlin. „In Berlin ist der Flughafen schon gebaut und wird noch vor der Einweihung renoviert. Bei uns ist der Sendemast noch nicht einmal gefertigt, obwohl der Sockel schon steht. Als Name schlag ich vor: Neubrunner Spargel.“

Moderator Ewald Stretz warnte die Gäste, weil Neubrunn seit mehreren Monaten verstärkt von der Polizei besucht werde. Damit sie beruhigt sein konnten bei ihrem Biergenuss, habe man die Polizei gleich zu diesem Abend eingeladen und schon traten Hans-Jürgen Derra und Bernd Stretz auf die Bühne als „die Neubrunner Antwort auf Hubert und Staller“ und gingen genau wie diese in der Fernsehserie ihre Fälle mit schrägen und unkonventionellen Methoden an. Mit dem neuen Sendemast sei es dann endgültig mit der ruhigen Zeit in Neubrunn vorbei. „Aber in Bayern is schon lang nix mehr so wie es mal war.“ Was soll das heißen, meinte Hubert und Staller erklärte: „Früher hat die CSU im Landtag über 60 Prozent ghabt und jetzt sind die von einer absoluten Mehrheit so weit weg wie der Club vom Champions-League-Pokal.“ Ja, die beiden hatten sogar eine Erklärung dafür: „Schuld ist nur der Seehofer. Der hat immer rumgfuchtelt Obergrenze, Obergrenze. Und jetzt ist er der erste schwarze, den sie abschieben.“

SPD: Weniger Prozent als Bockbier

Söder kritisierten sie, weil er deutlich mehr Rechte für die Länder fordere und das ging Polizist Huber zu weit. „Also ich finde, auch wir haben jetzt schon zu viele von der AfD. Stettfeld hat sich da zum Epizentrum der Haßberge gemausert. 16 Prozent haben dort AfD gewählt. Mehr hat den Berninger sei Likör a net. Und die SPD von Stettfeld erreicht mit 7 Prozent noch nicht amol Bockbierwerte.“

An einer Landkarte zeigten sie ihren Dienstbezirk und verglichen ihn mit dem menschlichen Körper. Das ging von Untermerzbach, „rein geographisch die Ostzone der Haßberge“, die „mit ihren Containern für Kindergartenplätze Big Brother für Minderjährige machen“ über Neubrunn „als das pulsierende Herz der Haßberge“ und Ebelsbach „den Magen“, Eltmann „den Dünndarm“, Oberaurach den „Dickdarm“ bis nach Rauhenebrach: „Mal schaun, was da hinten rauskommt“.

Heißes Wasser, heiße Luft

Als der eine Polizeibeamte den Eltmanner Bürgermeister als seinen Schulkollegen outete, meinte der andere „Was, du warst im Gymnasium?“ „Na ich net, aber der a net. Wir war`n in der Realschule Eltmann und dann ist der zu Stiebel Eltron, bevor er Bürgermeister wurde, weil vom heißen Wasser zur heißen Luft ist es ja nicht so weit.“

Das weitere Spiel des „Schrägen Theaters“ mit Anja Benz, Gerd Koch, Steffi Lauterbach, Theresa Reinwand und Angela Knab drehte sich dann um den Datenschutz in der Arztpraxis“ und die „Barrierefreiheit“ – „was die Bar ist frei?“ Da ging es um die Vertraulichkeit in der Praxis, wenn jeder die Krankheit des anderen mitbekommt oder auch um Abfälle und die „golbe Tonne“. „Ach Gott, mir wird schon wieder schlecht, ich glaab, ich muss.“ Worauf der Nachbar meinte „das ist nicht die gelbe Tonne. Dies kommt in die braune Tonne, weils Bio is.“ Als er sagte „ich glaab, ich hab gestern Paar Bier zu viel ghabt“, kam sofort die Antwort „Papier is blaue Tonne“.

Über Sparkassenchef Peter Schleich „keine Angst, die Fusion is uns wurscht“ kam man zum Geld und dann zur beliebten Sendung „Wer wird Millionär“ mit Moderator Günther Jauch (Annika Morgenroth) und den Kandidaten Horst Gehring, Matthias Berninger und Herbert Rumpel mit einer „Starkbierspezial-Sondersendung“. Eine der Fragen war: „Wie saniert Klaus Bittenbrünn die klamme Stadtkasse von Königsberg?“ Spendenaufruf, Zeitungshonorare, Namensrechte an die Fränkischen Rohrwerke vergeben oder „Verkauf des Stadtteils Dörflis an das liquide Neubrunn?“ Die Antwort wurde dann mit dem 50:50-Joker gefunden und war: Neubrunn.

„Schleich Dich“

Damit war man vor der Beantwortung der Millionenfrage, bei der es um Freibier für alle gehen sollte. Die entscheidende Frage war, was Dr. Gottwald vom Sparkassen-Peter oft zu hören bekommt: „Hallo du“, Grüße Sie“, „Küss mich“ oder „Schleich dich“, was viele als sehr schade empfanden und vertröstet wurden. „Wir hoffen, sie schalten in 12 Monaten wieder ein: Gleicher Ort, gleiche Zeit. Ihr schräges Theater!“

Die Stimmung im Saal war bestens und die vielen Besucher hatten am Derblecken von Gästen und an den vielen amüsanten Geschichten ihre helle Freude. Dass auch für das leibliche Wohl gesorgt war und das Starkbier auch seine Wirkung zeigte, ist nur allzu verständlich.

Er weiß einfach alles und noch viel mehr: Der „Ausscheller“ Horst Gehring verrät das Neueste vom Neuen. Foto: Günther Geiling
„Good Cop, bad Cop“: Die Neubrunner Antwort auf „Hubert und Staller“ mit Bernd Stretz (links) und Hans-Jürgen Derra. Foto: Günther Geiling
Wer hat das längste? Rainer Stretz brachte die Gäste mit seinem Alphorn-Solo zum Staunen. Foto: Günther Geiling
Kampf mit dem Fass: Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (links) und stellvertretender Landrat Michael Ziegler, dahinter Moderator Ewald Stretz. Foto: GG
Wer wird Millionär?“ Moderator Günther Jauch (Annika Morgenroth) und Kandidat Horst Gehring (rechts). Foto: Günther Geiling
Ohne Musik geht nichts: Für zünftige musikalische Stimmung sorgten die „Neubrunner Dorfmusikanten“. Foto: Günther Geiling

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