HOFHEIM

Stelldichein der Oldies

Drittes freies Oldtimer-Treffen: 200 Fahrzeuge, 20 Vereine und rund tausend Besucher besuchten am Wochenende die chromblitzende Hofheimer Innenstadt

Welch eine Pracht und welch eine Vielfalt – eng aneinandergereiht präsentierten sich beim dritten Freien Oldtimertreffen in der Hofheimer City beinahe 200 Oldtimerfahrzeuge jeglicher Couleur.

Weit über 100-jährige, altehrwürdige Honoratioren stehen Blech an Blech neben schnittigen Flitzern der 60er- und 70er-Jahre, im Lack pompöser Luxuslimousinen spiegeln sich bescheidene Kleinwägen und in der Ecke für zweirädrige Motorfahrzeuge geben sich kleine und große Brummer aus einem ganzen Jahrhundert ein Stelldichein.

In der Hauptstraße glänzendes Feuerwehrrot so weit das Auge reicht. Zwanzig Vereine aus der Umgebung waren auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Hofheim (FFW) mit historischen Blaulichtfahrzeugen angereist. Und auch die FFW Hofheim, die sich anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens am Oldtimertreffen beteiligte, zeigte ihre Schätze, unter anderem eine Handdruckspritze von 1828, die erste motorgetriebene Pumpe in Hofheim: eine Balcke-Lafettenspritze von 1928 sowie ein Lichtmastfahrzeug aus dem Jahre 1979.

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Oldtimer-Treffen

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„Wir sind sowohl über die Teilnahme der anderen Wehren als auch das große Besucherinteresse absolut begeistert“, freut sich Alexander Eirig, der für das Oldtimertreffen zuständige Feuerwehrler aus Hofheim.

Für die mit 220 Kilometern weiteste Anfahrt mit einem historischen Blaulichtfahrzeug erhielt die Feuerwehr aus Hofheim am Taunus einen Pokal. Ihr Opel Blitz, Baujahr 1948, kam bis zum Jahre 1968 bei vier Großbränden um Einsatz. Nach zehn Jahren im Privatbesitz einer Stahlbaufirma, kam der Blitz 1983 in den Besitz der Feuerwehr zurück, die fünf Jahre in die Restauration investierte, berichtet Fahrzeugwart Herbert Köhler. Nun schmückt der Veteran das Foyer der Feuerwache in Hofheim am Taunus und kommt gelegentlich noch bei historischen Einsätzen und Hochzeiten zum Einsatz.

„Mit der könnte man heute noch löschen, wenn die neue Pumpe technisch versagen würde“, Markus Ankenbauer, Kommandant der Mechenrieder Feuerwehr, zeigt auf eine Handdruckspritze aus dem Jahr 1879. „Vor sechs Jahren hat sie bei einer Übung noch über das Kirchendach gespritzt!“ Stolz ist auch Christian Vogel, Kommandant der Feuerwehr Wasmuthhausen, auf das Tragkraftspritzenfahrzeug aus dem Jahr 1976. Das habe noch die Gemeinde Wasmuthhausen vor der Eingemeindung für 25 000 Mark gekauft.

„Zum 70. Geburtstag der Susi veranstalten wir heuer auch ein Oldtimertreffen“, sagt der erste Vorsitzende der Feuerwehr Mainleus, Thomas Zimmermann. Die „Susi“, das ist ein Löschgruppenfahrzeug LF 15 Magirus S3000 aus dem Jahre 1942.

Der Veteran, der sich in dunklem Tannengrün vom vielen Feuerwehrrot abhebt, war bis 1997 bei der Feuerschutzpolizei im Einsatz. Nicht zum Feuerlöschen, sondern zum Krankentransport bei der Bundeswehr wurde der grün-beige Borgward B1500 von 1957 genutzt. „erschütterungsfreier Transport geht anders“, lacht Besitzer Stephan Schnaus aus Haßurt. Der leidenschaftliche Borgward-Sammler ist mit drei Fahrzeugen angereist.

Zu jedem der historischen Blaulichtfahrzeuge können die Feuerwehrleute Geschichten erzählen. Dabei leuchtet allen der Stolz und die Freude über diese alten, liebevoll gepflegten Zeitzeugen aus den Augen. Und viele der rund tausend Besucher lauschen gebannt und schwelgen in Erinnerungen an die gute alte Zeit. Aus der Zeit um 1910 bis 1940, an die sich wohl nur noch wenige Besucher erinnern können, stammen ein paar ganz besondere Prachtstücke, wie etwa ein Opel Grand Prix Rennwagen, ein in Eisenach gebauter BMW Dixi oder ein kutschenähnlicher Swift aus England.

Aber auch jüngere Raritäten fanden ihre Fans, wie das Trabi-Wohnwagengespann von Steffen Mehler aus Altershausen. „Mein erstes Auto war ein Trabi. Mit meiner Frau auf dem Beifahrersitz, den beiden Kindern hinten, zwischen ihnen die Koffer und im Kofferraum Werkzeug und Ersatzteile – so fuhren wir früher nach Rügen in Urlaub“, erinnert er sich. „So ein Oldtimer ist voll mit Erinnerungen, er ist einfach das pure Leben für mich!“ Doch es müssen nicht immer persönliche Erinnerungen sein, die jemanden zum Oldtimerfan werden lassen. Drei junge Erwachsene aus der Gegend um Münnerstadt sind mit ihren Motorrädern angereist. Nico Zelenko fährt ein ehemaliges Postmotorrad, eine Rabeneick von 1961, Florian Schmitt ist mit einer Zündapp Combinette und Stefan Montag mit einer Meister von 1955 unterwegs.

„Die Organisatoren müssen einen guten Draht zum Wettergott haben“, vermutete Schirmherr Wolfgang Borst bei der Übergabe der Pokale für die weiteste Anfahrt.

Neben der Feuerwehr aus Hofheim am Taunus, erhielt Peter Leuser den Preis. Er war mit seinem Opel GT aus dem 102 km entfernten Röttingen gekommen. „Wir sind hoch motiviert für nächstes Jahr“, versprach Martin Hofmann vom Organisationsteam der Hofheimer-Oldtimer-Honoratioren (HOH) angesichts des enormen Publikumsandrangs. Maurinus Leicht lobte die Bauarbeiter für die rasche Fertigstellung des Pflasters und dankte der Stadt Hofheim für die Zurverfügungstellung der Flächen.

Inzwischen steigen glückselig lächelnde Menschen aus einem Oldtimerbus mit der Aufschrift Will-Reisen. Mit seinem ersten Bus, einem Neoplan NH 9 von 1964 kutschierte Heinz Will Besucher des Oldtimertreffens kostenlos übers Land entlang der Haßberge.

„Das war wie eine Reise in die Vergangenheit!“ Hannelore Schmidt ist restlos begeistert, durch die hohen Fenster könne man sogar den Himmel sehen. „Der Busfahrer hatte eine Kassette mit alten Schlagern, die wir alle mitgesungen haben. Aber dich, gibt's nur einmal für mich“, stimmt sie an und die Umstehenden fallen lachend mit ein.


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