Stettfeld

Stettfeld: Drei Kandidaten wollen ins Rathaus

Alfons Hartlieb will Bürgermeister in der Maintalgemeinde bleiben. Konkurrenz bekommt er von zwei Frauen: Melanie Kaufhold und Diana Galefske fordern den Amtsinhaber heraus.
Am 15. März entscheiden die Bürger, wer die kommenden sechs Jahre im Stettfelder Rathaus das Sagen hat.
Am 15. März entscheiden die Bürger, wer die kommenden sechs Jahre im Stettfelder Rathaus das Sagen hat. Foto: Anna-Lena Behnke

Bleibt alles beim Alten oder weht bald ein frischer Wind in Stettfeld? Darüber entscheiden am 15. März die Bürger der Gemeinde mit ihrem Kreuz. Bürgermeister Alfons Hartlieb kandidiert ein weiteres Mal für die CSU. Konkurrenz bekommt er von Diana Galefske von der Stettfelder Dorfgemeinschaft (DG) und Melanie Kaufhold von der SPD.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Während Hartlieb bereits seit 2005 in der Gemeinde regiert, sind die Herausforderinnen beide Politikneulinge. "Ich will den eingeschlagenen Kurs noch über die kommenden sechs Jahre weiterführen", begründet Hartlieb seine erneute Kandidatur. Es gebe noch einige Bauprojekte, die er gerne umsetzen würde, sagt der Amtsinhaber.

Wie geht es mit dem "Rechtlerstreit" weiter?

Grundsätzlich sind sich die drei Kandidaten einig: Stettfeld steht gegenwärtig gut da. Trotzdem gibt es auch Kritik von den beiden Herausforderinnen. Aus Kaufholds Sicht mangelt es in Stettfeld besonders an einem friedlichen Miteinander. Der Ort sei immer noch gespalten, sagt sie. Grund dafür ist ein erbitterter Streit, der seit etwa fünf Jahren die Stimmung in der Gemeinde belastet. Dabei geht es um Jahrhunderte alte Holzrechte, die an bestimmte Grundstücke im Stettfelder Ortskern gebunden sind. Holz, das im Gemeindewald geschlagen wurde, fällt nach dieser alten Regelung in den Besitz der Rechtler und damit auch die Gewinne daraus.

Die Gemeinde stellte 2015 die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Holzrechte. Der Streit führte vor Gericht und hat in den vergangenen Jahren zu vielen Feindseligkeiten geführt. Die Richter haben zwar zugunsten der Rechtler gesprochen, aber eine wirkliche Einigung gibt es bis heute nicht.

Wie es mit dem Kindergarten weitergeht, ist noch unklar. Eine Aufgabe für Gemeinderat und Bürgermeister wird es sein, eine finanzierbare Lösung zu finden.
Wie es mit dem Kindergarten weitergeht, ist noch unklar. Eine Aufgabe für Gemeinderat und Bürgermeister wird es sein, eine finanzierbare Lösung zu finden. Foto: Anna-Lena Behnke

Der Konflikt müsse ein Ende finden, darin sind alle drei Kandidaten einer Meinung. Die Herangehensweisen gehen jedoch auseinander. "Kein Gericht dieser Welt wird das für uns lösen", sagt Kaufhold. Die Verwaltungsfachangestellte hofft, den Konflikt im Gespräch aus der Welt schaffen zu können und sieht sich als passende Vermittlerin, um einen Kompromiss herbeizuführen. Galefske befürwortet den Vorschlag der Rechtlergemeinschaft, eine Stiftung zu gründen, die einen Teil der erwirtschafteten Gewinne erhält und damit die Gemeinde unterstützt. Hartlieb hingegen setzt darauf, die Streitigkeiten vor Gericht zu klären. Der Amtsinhaber ist jedoch auch der Meinung, die Angelegenheit werde hochgespielt: "Wir haben wirklich wichtigere Probleme", meint er.

Was bringen die Kandidaten mit?

Wenn es um seine Wiederwahl geht, wirft Hartlieb vor allem seine Erfahrung in die Waagschale. Nach 20 Jahren in der Kommunalpolitik bringe er die nötige Erfahrung mit, sagt der CSU-Kandidat. Außerdem habe er bisher als Bürgermeister einiges in Stettfeld bewegt: "Wir haben seit 2005 rund 7,5 Millionen Euro investiert." Das letzte große Projekt, das die Gemeinde noch abschließen müsse, seien die Kanal- und Straßensanierungen.

Obwohl sie selbst noch nicht politisch aktiv gewesen sei, kenne sie sich beruflich bedingt bestens in der Gemeinde aus, sagt Melanie Kaufhold: "Als Verwaltungsfachangestellte bei der VG Ebelsbach beherrsche ich die Gemeindeordnung und die Haushaltsführung aus dem Effeff." Als Bürgermeisterin stünde es für sie an oberster Stelle, den jahrelangen Streit um die Holzrechte aus der Welt zu schaffen: "Erst dann können wir uns den übrigen Themen widmen."

Auch Diana Galefske möchte wieder mehr Zusammenhalt im Ort schaffen. Dafür setze sie vor allem auf Bürgerbeteiligung, sagt die DG-Kandidatin. Mit einer Umfrage habe die Liste vor einigen Monaten die Meinung der Bevölkerung zu den wichtigen Themen im Ort abgefragt, um diese im Wahlprogramm zu berücksichtigen. Außerdem will sie die Gemeindepolitik transparenter machen: "Wir wollen, dass Protokolle aller Gemeinderatssitzungen online einsehbar sind."

Was sind die großen Themen?

Viele der großen Themen haben alle drei Kandidaten auf ihrer Agenda. Das sind etwa die Sanierung des Kindergartens, die dem aktuellen Gemeinderat bereits viel Kopfzerbrechen bereitet hat, die Einrichtung eines Gemeindezentrums und die Frage nach neuen Bauplätzen.

Alle drei Kandidaten halten es für wichtig, ein Gemeindezentrum zu schaffen, in dem sich die Bürger treffen können. Ein genaues Konzept hat aber noch keiner der drei parat. Eine Option wäre es, einen solchen Treffpunkt in der ehemaligen Gaststätte Strätz unterzubringen, sagt Hartlieb. Dafür bedürfe es aber noch genauere Planungen. Galefske verweist auf das Ergebnis ihrer Bürger-Befragung. Da sei die Alte Schule der Favorit gewesen. Das Gebäude ist noch für die kommenden eineinhalb Jahre an die Lebenshilfe vermietet, die nach einem Kleinbrand im Januar vorübergehend in die ehemalige Gaststätte Strätz umgezogen ist. Dann steht es der Gemeinde wieder zur Verfügung.

Auch die Sanierung des Kindergartens ist ein Punkt, der alle drei Bewerber beschäftigt. Nachdem der geplante Abriss sich als nicht umsetzbar erwiesen habe, sei eine komplett neue konzeptionelle Ausarbeitung notwendig, sagt Amtsinhaber Hartlieb. Kaufhold spricht sich ebenfalls für ein komplett neues Konzept aus. Sie befürwortet einen Neubau mit Ausbau zum Hort für die Schulkindbetreuung. "Ein Architekt oder Bauingenieur sollte prüfen, wie die Gemeinde bestehende Gebäude im Ort möglichst sinnvoll nutzen kann", meint Galefske. Dieses Vorgehen könnte auch im Fall des Kindergartens die Standortfrage klären, sagt sie.

Neue Bauplätze sind ebenfalls ein Thema, das für alle drei Kandidaten eine Rolle spielt. Galefske spricht sich dafür aus, das schon vor 20 Jahren geplante Baugebiet "Brunnwiese II" teilweise zu erschließen. Dafür müsse allerdings der Haushalt stimmen, betont Kaufhold. "Die Lage des Baugebiets ist relativ schlecht", sagt Hartlieb. Er hält es für eine bessere Lösung, Bauplätze an einer anderen Stelle zu schaffen. Außerdem müsse die Gemeinde die Grundstücke unbedingt auch erwerben, um dann darüber verfügen zu können, sagt er.

Und wie stehen die Kandidaten zu einem Zusammenschluss von Stettfeld mit Ebelsbach, Breitbrunn und Kirchlauter? "Die Eingemeindung wird langfristig kommen", ist sich Kaufhold sicher. Grundsätzlich sei sie für den Zusammenschluss, weil damit jede Menge Mehrarbeit für die Verwaltung wegfalle. Hartlieb und Galefske sind anderer Meinung. Sie befürchten Stettfeld könne in einer so großen Gemeinde zu kurz kommen.

Der CSU-Kandidat
Alfons Hartlieb
Alfons Hartlieb Foto: Anna-Lena Behnke
Alfons Hartlieb ist 58 Jahre alt und verheiratet. Der gebürtige Stettfelder ist gelernter Bürokaufmann und derzeit Geschäftsführer der Firma M. Hartlieb. Seit 1997 ist er Ortsvorsitzender der CSU in Stettfeld, seit 2002 sitzt er im Gemeinderat. Nachdem der damalige Bürgermeister Winfried Schlee 2005 bei einem Unfall tödlich verunglückt war, übernahm Hartlieb dessen Posten. Alfons Hartlieb kandidiert ebenfalls für den Kreistag und steht bei der CSU auf Listenplatz 59.
Die DG-Kandidatin
Diana Galefske
Diana Galefske Foto: Rainer Zehendner
Diana Galefske ist 41 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Sie ist gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte und arbeitet bis heute in diesem Beruf. Galefske ist in Stettfeld aufgewachsen und wohnt seit sechs Jahren wieder in ihrer Heimat. Bereits bei der Kommunalwahl 2014 stand sie auf der Liste der DG. Sie ist im Vorstand des Kindergartens in Stettfeld und im Elternbeirat der Grundschule Ebelsbach. Diana Galefske kandidiert zudem für den Kreistag und steht bei den Freien Wählern auf Listenplatz 16.
Die SPD-Kandidatin
Melanie Kaufhold
Melanie Kaufhold Foto: Siegfried Griebel
Melanie Kaufhold ist 36 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Sie ist in Stettfeld aufgewachsen und arbeitet seit 20 Jahren als Verwaltungsfachangestellte bei der VG Ebelsbach. Zehn Jahre lang war Kaufhold Protokollführerin im Stettfelder Gemeinderat. Seit August 2018 ist sie Mitglied der SPD. Außerdem engagiert sie sich seit acht Jahren im Vorstand des Kindergartens in Stettfeld. Melanie Kaufhold kandidiert zudem für den Kreistag. Sie steht bei der SPD auf Listenplatz 10.

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