Streiflicht: Die Wahl zwischen ziemlich besten Freunden

Es ist schon kurios, wenn in einer Gemeinde zwei Bürgermeisterkandidaten auf derselben Liste stehen. Das ist nicht die einzige Blüte im Vorfeld der Kommunalwahl.
Allmählich müssen sich die Bürgerinnen und Bürger Gedanken machen, wo sie bei der Kommunalwahl im März ihre Kreuzchen hinsetzen.
Allmählich müssen sich die Bürgerinnen und Bürger Gedanken machen, wo sie bei der Kommunalwahl im März ihre Kreuzchen hinsetzen. Foto: Getty Images

Noch sind es einige Wochen hin bis zur Kommunalwahl, die heiße Phase des Wahlkampfs hat noch nicht begonnen. Doch Langeweile befällt den interessierten Beobachter schon jetzt nicht. Es gibt eine Menge Interessantes und Kurioses.

Der Zeiler Oliver Kunkel etwa, der noch im Sommer Spitzenkandidat der Grünen für das Amt des Landrats war, beschränkt sein lokalpolitisches Engagement nun auf seine Heimatstadt. Für den Zeiler Stadtrat kandidiert er aber nicht als Grüner, sondern für die Überparteiliche Zeiler Liste. Hingegen findet sich sein Namen nirgends auf dem Wahlvorschlag von Bündnis 90/Die Grünen für den Kreistag. In grünen Kreisen ist die Hoffnung, die man mit Kunkel verband, ergo ähnlich schnell verpufft wie die Euphorie der SPD vor nicht allzu langer Zeit mit Kanzlerkandidat Martin Schulz. Aber der war wenigstens für die Seinen angetreten.

In Burgpreppach will Hermann Niediek Bürgermeister bleiben, Werner Thein und Jörg Denninger machen ihm aber das Amt streitig. Das an sich wäre nicht ungewöhnlich, ebenso wenig, dass Niediek CSU-Mann ist, Thein von der FDP und den Freien Bürgern nominiert und Denninger von der Freien Wählergemeinschaft Gemeinwohl aufs Schild gehoben wurde. Leicht skurril ist jedoch, dass Thein und Denninger auf der gleichen Liste für den Gemeinderat stehen, auf dem Wahlvorschlag von "Gemeinwohl" nämlich. Für beide kein Problem beim Ringen um den Chefsessel im Rathaus. "Von Kindesbeinen an sind wir beste Freunde", haben sie verkündet. Wenn sie auch nach der Wahl zumindest noch ziemlich beste Freunde sind, dann wäre ja alles in Ordnung.

Apropos Freunde. In Knetzgau will Bürgermeister Stefan Paulus am übernächsten Montag alle Listenplatzinhaber im Ratssaal versammeln, egal welcher Partei oder Gruppierung sie angehören. Alle eben, auch die Grünen mit seinem Herausforderer Benjamin Schraven. Damit möchte der neuerliche Spitzenkandidat von SPD und Christlicher Wählergemeinschaft ein Zeichen setzen: für gegenseitigen Respekt, für die Anerkennung der politischen Meinung auch der Andersdenkenden, mithin für fairen Umgang mit- und untereinander. Das lockere Treffen will Paulus aber auch als Würdigung für lokalpolitisches Engagement insgesamt verstanden wissen in Zeiten, in denen viele Bürger vor dererlei Verantwortung zurückschrecken. Mal sehen, ob das Experiment gelingt, sprich im Wahlkampf und danach Früchte trägt.

Ihr Verständnis als Volkspartei setze ein Engagement auf kommunaler Ebene voraus. Das kündigte nach der Bundestagswahl 2017 gegenüber dieser Redaktion wer  an? Die AfD! Im Haßbergkreis hat die vorausgesagte Verankerung auf Kreis- und Gemeindeebene bis dato aber mitnichten stattgefunden. Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es nirgendwo auch nur eine einzige alternative Liste. Und das trotz des enormen Wahlerfolgs der Rechtspopulisten in unseren Gefilden. Um im März gewählt zu werden, bräuchte die AfD aber ein Gesicht vor Ort beziehungsweise viele Gesichter in den Dörfern. Den Schritt von der Protestbewegung, die wütende, in der Masse aber anonym bleibende Bürger hinter sich vereint, hin zu einer Partei, die sich nicht zu schade für die Arbeit an der Basis unserer Demokratie ist, hat die selbsterklärte Alternative in unserer Region ganz offenbar nicht geschafft und vielleicht auch nicht wirklich beabsichtigt.

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