Haßfurt

Streiflicht: Schluss mit den Heiligen Ländern der Ahnungslosen

Der Bereich Kirchlauter/Neubrunn ist derzeit eine Mobilfunk-Diaspora. Dass die "Deutsche Funkturm" jetzt darauf reagiert, geschieht nicht nur aus Menschenfreundlichkeit.
Schon länger steht der Mobilfunkmast auf der Anhöhe zwischen Kirchlauter und Neubrunn und die Bürger haben kein Verständnis, dass er noch nicht in Funktion ist. Foto: Günther Geiling

Das Tal der Ahnungslosen - eigentlich kennt man diesen Begriff aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Gemeint waren damit Gebiete in der DDR, in denen "Westfernsehen" und UKW-Rundfunk nur schwer oder gar nicht zu empfangen waren. Das waren die Bereiche Greifswald an der Ostsee und Dresden. Damit galten die Bewohner dieser Landstriche aus westlicher Sicht als schlecht oder mangelhaft informiert - quasi ahnungslos.

Schluss mit Funklöchern

Auch im Landkreis Haßberge gibt es eine Gegend mit ähnlichen Attributen. Dieses "Tal der Ahnungslosen" trägt den schmucken Namen "Heilige Länder", quasi die "Heiligen Länder der Ahnungslosen". Allerdings mangelt es hier weniger am Wessi-Fernsehen, hier ist die Droge des 21. Jahrhunderts, der Mobilfunk, nicht oder nur kaum konsumierbar. Während man sich weltweit an den Anblick verstört umherirrender Halb- und Vollwüchsiger mit einem Permamonitor vor dem Hirn gewöhnt hat, gehen Kirchlauterer und Neubrunner noch aufrecht durchs Leben.

Damit soll jetzt aber bald Schluss sein. Die Funklöcher in Bayern sollen langsam aber sicher geschlossen werden. Auf der Höhe zwischen Neubrunn und Kirchlauter wurde schon vor einiger Zeit ein Mobilfunkmast gebaut. Nur wurde er eben bislang noch nicht in Betrieb genommen. Zudem plant die "Deutsche Funkturm", das ist eine Tochtergesellschaft der Telekom, nun einen neuen, 40 Meter hohen Mast im Außenbereich von Kirchlauter. Inzwischen haben nämlich nicht nur die Bewohner, sondern auch diese Gesellschaft bemerkt, dass es in den Heiligen Ländern keinen Mobilfunkempfang gibt. Mittlerweile hat Vodafone schon mitgeteilt, das die Firma den bereits bestehenden Mast nutzen möchte. Die Telekom wird mit Sicherheit folgen, wenn schon deren Tochter hier aktiv ist.

Neueste Technologie

Aber egal, ob es nun manchem Eingeborenen gefallen haben mag, ahnungslos durch die Heiligen Länder zu hoppeln. Die Entwicklung macht auch vor diesem Landstrich nicht Halt. Und die in den Startblöcken hockende Technologie setzt neue Standards als Basis voraus. Das Zauberwort heißt "5G". Dabei handelt es sich um die neue Generation im Mobilfunk. Sie schafft die Grundlage für neue Datenübertragungsraten wie bei der Vernetzung von Maschinen in der Industrie und intelligenten Geräten. Außerdem unterstützt die Technik die Digitalisierung vieler Lebensbereiche. Seit September 2019 ist das 5G-Netz in Deutschland für die Kunden verfügbar. Für diesen neuen Kommunikationsstandard werden zusätzliche Frequenzbänder benötigt. Die Bundesnetzagentur hat diese im Frühjahr 2019 versteigert.

Selbstfahrende Autos auf den Landstraßen

Das heißt, diese neue Technik soll eine viel schnellere Datenübertragung möglich machen. Gebraucht wird so etwas aber nicht für Spielereien am Handy, das ist bestenfalls ein Nebenprodukt. Vielmehr wird unter anderem das autonome Fahren, das früher oder später in unseren Verkehr Einzug halten wird, dadurch erst möglich werden. Sollen also zum Beispiel die selbstfahrenden Autos dereinst nicht mangels Datenempfangs an den Grenzen der Heiligen Länder stoppen müssen, führt an weiteren neuen Mobilfunkmasten kein Weg vorbei.

Im Gegenteil. Die Masten werden in sehr kurzen Abständen gebaut werden, um für den hohen Datendurchsatz zu sorgen. Je eher sich also die Bürger - auch in den Heiligen Ländern - an den Anblick einer deutlich wachsenden Zahl von Funkmasten gewöhnt haben, umso eher kann die Zukunft beginnen.

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