Haßfurt

Streit um Maschendrahtzaun erlebt Höhepunkt auf dem Friedhof

„Du faule Sau, wenn dich doch der Blitz treffen würde", soll der 82 Jahre alte angeklagte zu seinem Nachbarn gesagt haben. Weil der seine Hecke nicht schneiden wollte.
Weil eine Hecke durch einen Maschendrahtzaun wucherte, musste sich das Amtsgericht Haßfurt mit einer Beleidigungsklage befassen.  
Weil eine Hecke durch einen Maschendrahtzaun wucherte, musste sich das Amtsgericht Haßfurt mit einer Beleidigungsklage befassen.   Foto: Farkas Siegfried

Ein 82-jähriger Rentner aus einer Ortschaft im Maintal musste sich vor dem Amtsgericht Haßfurt wegen Beleidigung verantworten. Er liegt offensichtlich seit geraumer Zeit mit seinem Nachbarn im Clinch. Gegen einen Strafbefehl, den er erhalten hatte, legte er Widerspruch ein, weshalb es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht kam. 

Diese Auseinandersetzung erinnert unweigerlich an das Jahr 1999, als die sächsische Hausfrau Regina Zindler ihrem Nachbarn untersagen wollte, seinen Knallerbsenstrauch durch ihrem Maschendrahtzaun wuchern zu lassen. Im vorliegendem Fall passte es dem Rentner nicht, dass die Hecke des Nachbarn durch  einen Maschendrahtzaun in sein Grundstück „hineinwucherte“, weshalb es im Vorfeld der Beleidigung, die nach Anklage des Staatsanwaltes auf dem örtlichen Friedhof stattfand, schon Querelen gegeben hatte.

„Ich habe ihn zu keiner Zeit beleidigt"

Auf dem Friedhof habe der Angeklagte Rentner zu seinem 69-jährigen Nachbarn gesagt: „Du faule Sau, wenn dich doch der Blitz treffen würde.“ Der Angeklagte selbst tat sich unwissend: „Ich habe ihn zu keiner Zeit beleidigt, ich weiß nicht wie der dazu kommt, das zu behaupten.“ Er habe seinen Nachbarn nur dazu bewegen wollen, seine Hecke zurückzuschneiden, was er aber nicht tat. Deshalb habe er sich, als er am Zaun arbeitete, am Auge verletzt.

Beleidigt sei er hingegen von seinem Nachbar geworden. Dieser hätte etwa vor zwei Wochen aus dem Auto heraus im zugerufen: „Alter Depp, ich mach' dich fertig.“ Er jedenfalls habe gegen den Nachbarn keine Beleidigungen oder Bedrohungen ausgesprochen.

Das schilderte der Geschädigte, der als Zeuge gehört wurde, anders. Als er im November 2019 auf dem Friedhof war, hätte der Angeklagte zu ihm gesagt: „Faule Sau, wenn dich nur der Blitz treffen würde.“ Dabei habe er ihm auch noch den Stinkefinger gezeigt. Weiter schilderte der Zeuge, dass der Angeklagte seine Hecke mit einer Flüssigkeit begossen hätte, die ihm nicht bekannt sei. Zu einer weiteren Bedrohung sei es am Zaun gekommen, indem der Angeklagte zum Geschädigten gesagt habe, wenn seinem Enkel wegen der Hecke was passiere, steche ich dich ab. Das hat auch eine Zeugin gehört, wie die Richterin der Akte entnahm. „Dafür habe ich mich entschuldigt und auch dafür, dass ich etwas auf die Hecke gegossen habe“, sagte der Angeklagte.

Die "Brücke" lässt der Angeklagte unbeachtet

Sowohl das Gericht als auch der Staatsanwalt zweifelten die Angaben des Angeklagten an, zumal der Geschädigte keinerlei Belastungseifer gegenüber dem Angeklagten erkennen ließ und seine Aussage sachlich und ruhig machte. Die Richterin wollte im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt dem Angeklagten eine „Brücke bauen.“ Sie schlug vor, dass sich der Angeklagte beim Geschädigten entschuldigt und dieser im Gegenzug seinem Kontrahenten erlaubt, dass er überstehendes Gestrüpp abschneiden darf, quasi ein Täter-Opfer-Ausgleich. Darauf ging der Angeklagte nicht ein.

Da machte der Staatsanwalt deutlich, dass es zwei Möglichkeiten gebe: „Entweder sie entschuldigen sich wie vom Gericht vorgeschlagen, oder es muss zu einem Urteil kommen.“ Es kam dann vom Angeklagten eine etwas „halbseidene“ Entschuldigung, jedoch nur, weil er die Sträucher des Geschädigten begossen habe. „Für das, was ich nicht gesagt habe, kann ich mich nicht entschuldigen“, sagte der bisher nicht vorbelastete Rentner, der ohne Rechtsbeistand gekommen war.

Gericht glaubt dem Geschädigten

In seinem Plädoyer stellte der Staatsanwalt fest, dass die Hauptverhandlung bestätigt habe, was in der Anklageschrift stand. Er machte deutlich, dass er dem Geschädigten glaubt. Für den Angeklagten beantragte er eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 60 Euro, also 900 Euro.

In seinem letzten Wort wiederholte der Angeklagte seine vorher gemachte Aussage. Das Gericht schloss sich im Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft an und verurteilte ihn antragsgemäß. In ihrer Begründung sagte die Richterin, dass auch sie dem Geschädigten glaube und sie nicht verstehen könne, warum man sich nicht hätte gütlich einigen können. „Manchmal hilft aber vielleicht nur eine Geldstrafe und ich hoffe, dass das für sie Anlass ist, sich künftig nicht mehr in die Gefahr von Straftaten begeben“, gab sie dem Verurteilten mit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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