FATSCHENBRUNN/LIMBACH/KÖNIGSBERG

Sturzbäche aus Schlamm und Wasser

In zwei Strömen ergoss sich der Schlamm vom obenliegenden Acker am Dienstag-Nachmittag in das Grundstück von Familie Pfaff in Fatschenbrunn. Der rechte Strom führte direkt in die Lichtschächte des Kellers. Im Bild, der Wasser- und Schlammstrom während des Gewitters. Foto: Mario Pfaff

Es sind zwei Zahlen, die für sich sprechen. Zum einen 431: So viele Alarmierungen brachte die Integrierte Leitstelle Schweinfurt von Dienstag, kurz vor 18 Uhr, bis Mittwochmorgen auf den Weg. Die höchste Zahl seit ihrem Bestehen, so der Leiter Thomas Schlereth. Rund 20 davon betrafen den Landkreis Haßberge. Das bedeutet: „Epizentrum“ des Unwetters, was die Zahl der Alarmierungen betrifft, war der Haßbergkreis nicht. Was nicht bedeutet, dass diejenigen, die von den Sturzfluten, die vom Himmel kamen, betroffen waren, nicht in Angst und Schrecken versetzt wurden.

Richtig heftig war das Gewitter so auch über Fatschenbrunn. Der Hagel zerschlug einige Terrassen-Überdachungen, der „Markertsgrüner Weg“ verwandelte sich kurzzeitig in einen Bach, der sich dann seinen Weg durch einige Anlieger-Gärten suchte, unter anderem bei Familie Stubenrauch.

Kellerfenster wurden von Schlammmassen aufgedrückt

Am heftigsten aber hat es Monika und Mario Pfaff getroffen. Mutter und Sohn wohnen direkt am Ortsrand, an der Siedlung „Hohe Wart“. Der oberhalb liegende Maisacker wurde schließlich zum Verhängnis. „Wir haben gesehen, wie erst Wasser, dann Schlamm durch den Garten in Richtung Terrasse floss, dann in die Lichtschächte und ich habe nur gehofft, dass die Kellerfenster halten. Dann wurden sie aber doch aufgedrückt“, so Mario Pfaff.

Zusammen mit einem jungen Mann aus dem Dorf hatte er noch versucht, am Grundstücksrand einen Graben zu ziehen, aber die Sturzbäche waren nicht mehr aufzuhalten. Bis zu 15 Zentimeter hoch stand der Schlamm in allen Keller-Räumen.

Feuerwehren eilen zur Hilfe

Glücklicherweise kamen die Feuerwehrleute aus Fatschenbrunn und Kirchaich zur Hilfe und viele Fatschenbrunner Nachbarn. Mit Gummischiebern wurde der Schlamm durch die Türen hinausgeschoben. „Wir waren noch bis fast Mitternacht im Mehrzweckgebäude zusammengesessen und wir haben uns mit einer Runde Pizza für die großartige Hilfe bedankt“, berichtet Mario Pfaff.

Besonders überraschend war die Hilfe aus Kirchaich. Ein Aktiver hatte von dem Einsatz in Fatschenbrunn über Funk erfahren und hatte dann die Kameraden zusammengetrommelt.

Mario Pfaff und seine Mutter haben noch eine ganze Menge Arbeit vor sich, denn einen Teil des im Keller Gelagerten haben die Helfer am Dienstagabend zwar nach draußen geschafft, vieles ist aber noch auszuräumen, bis der Schlamm aus den letzten Ecken entfernt ist. Glücklicherweise hat Mario Pfaff, der einen Veranstaltungsservice betreibt, den größten Teil seiner teuren technischen Ausstattung in einem Lager in einem anderen Ort untergebracht, sonst wäre der Schaden noch viel größer ausgefallen. „Und wenn der Schlamm nicht in den Keller gelaufen wäre, dann wäre er mir sicher über die Terrasse in die Wohnung gelaufen“, kann Mutter Monika der Situation noch eine positive Seite abgewinnen.

„So schlimm war es noch nie“

Seit knapp vier Jahrzehnten steht ihr Haus nun an diesem Platz, „zum dritten Mal haben wir hier Wasser, aber so schlimm war es noch nie“, erklärte sie. Früher habe es oberhalb einen Flurweg gegeben, der bei Starkregen einen Teil des Wassers zu einer Querrinne abgeleitet habe, der Weg sei im Zuge der Flurbereinigung aber weggefallen.

Wie die Pfaffs hatten am Mittwoch auch einige andere Familien in Fatschenbrunn allerhand zu tun, wenn auch die meisten nur im Garten mit den Folgen des Unwetters zu kämpfen hatten – allerdings haben die Gärten in Fatschenbrunn derzeit auch einen hohen Stellenwert, denn am 24. Juni findet in dem Steigerwald-Ort der Tag der offenen Gartentür statt.

40 bis 50 Liter Niederschlag

Nicht einmal zehn Kilometer Luftlinie entfernt heißt es ebenfalls: „So etwas noch nicht erlebt“. Das sagt in Limbach der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Christian Schmitt. Dier geschätzten 40 bis 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb von einer halben Stunde hatten der Wehr so viele Einsätze beschert, wie er in seiner Zeit bei der Feuerwehr noch nicht erlebt hat. Und immer der gleiche Grund: Keller unter Wasser. Auch Schmitts eigener Keller blieb da nicht verschont. 13 Keller wurden von den Feuerwehrleuten leergesaugt. Dazu kommen noch voll gelaufene Keller, bei denen die Besitzer selbst zur Tat schritten. Insgesamt dürften im Eltmanner Stadtteil 18 Keller betroffen gewesen sein, so Schmitt. Zudem hatte es in der Hauptstraße auch Kanaldeckel herausgehoben.

Für Schmitt sind die überfluteten Keller ein „Kanal-Versagen“ – das Kanalsystem habe die Wassermassen einfach nicht fassen können. Mit 26 Leuten war die Limbacher Wehr im Einsatz, unterstützt wurden sie von der Freiwilligen Feuerwehr Eltmann mit rund 15 Leuten, so Christian Schmitt.

Keller leer gepumpt

Von vollgelaufenen Kellern berichtet auch die Freiwillige Feuerwehr Ebelsbach im sozialen Netzwerk Facebook. In Ebelsbach mussten mehrere Keller leer gepumpt werden. Unterstützt wurde die Wehr von der Löschgruppe Gleisenau sowie der Schönbrunner Wehr. Ihre Kameraden der Feuerwehr Steinbach und der Löschgruppe Schönbach unterstützten die Ebelsbacher auf der Verbindungsstraße zwischen Steinbach und Schönbach. Dort hatte der starke Regen Schlamm und Geröll auf die Fahrbahn gespült.

Ein ähnliches Szenario hatte auch die Feuerwehr Königsberg zu beseitigen: Mitglieder der Wehr waren an der Straße zwischen Rügheim und Römershofen im Einsatz, um die Wassermassen abzuleiten. Außerdem, so berichtet der Königsberger Kommandant Peter Schüler, musste auch bei Holzhausen auf die Fahrbahn geschwemmtes Erdreich beseitigt werden. Unterstützt wurden die Königsberger von der Feuerwehr Römershofen.

Auch die Wand in der Werkstatt von Familie Pfaff in Fatschenbrunn zeigt, wie hoch der Schlamm durch die Räume floss. Foto: Sabine Weinbeer
Die Straße für den Verkehr freihalten – das hieß es unter anderem für die Königsberger Feuerwehr bei Römershofen. Foto: Alois Wohlfahrt
Das Haupt-Arbeitsgerät der Feuerwehr in Limbach war der Sauger. Dreizehn mal waren die Feuerwehrleute zu überfluteten Kellern alarmiert worden. Foto: Alois Wohlfahrt

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