BAMBERG

Tarnen, Tricksen und Protzen

Der Pfeilgiftfrosch sieht ja niedlich aus, doch seine Haut produziert ein hochgiftiges Sekret. Die grelle Färbung signalisiert: Lasst mich in Ruhe, sonst geht?s euch schlecht.
Der Pfeilgiftfrosch sieht ja niedlich aus, doch seine Haut produziert ein hochgiftiges Sekret. Die grelle Färbung signalisiert: Lasst mich in Ruhe, sonst geht?s euch schlecht. Foto: Konrad Wothe

Knallbunt und unsichtbar: So titelt die aktuelle Sonderausstellung im Naturkunde-Museum Bamberg. Es präsentiert 40 großformatige Aufnahmen des Naturfotografen und Tierfilmers Konrad Wothe, der seine Kunst bei keinem geringeren als Heinz Sielmann erlernte. Die Arbeiten des Biologen Wothe, besonders aus den tropischen Regenwäldern mit der Farbvielfalt der Tierwelt, wurden mehrfach ausgezeichnet.

Schon das große Banner vor dem Naturkunde-Museum übt durch sein Farbmuster einen Reiz aus: Es sind die Federn einer Kragentaube, die hier für die fantasievolle Farbenpracht exotischer Tiere stehen. Denn knallbunt sind sie tatsächlich, die Tukane, Pfauen, Frösche, Insekten, die den Kern der Schau bilden. Vom Polarfuchs in der schneebedeckten Tundra hingegen nimmt man nur die schwarzen Augen und die Nase wahr. Das weiße Fell verschmilzt für das menschliche Auge fast unsichtbar mit der schneebedeckten Umgebung.

Verschiedene Zwecke

Tarnen, Warnen, Erkennen, Tricksen und Protzen – so lässt sich das Repertoire aus dem Malkasten der Natur in etwa klassifizieren. Farben erfüllen für Tiere also ganz unterschiedliche Zwecke. Das wird in der Fotoausstellung anschaulich verdeutlicht. So wird klar, dass das Leben in der freien Natur meist leichter und sicherer ist, wenn man gut getarnt daherkommt. So wie etwa die Stabschrecke aus Madagaskar, die in Form und Farbe den dürren Ästchen gleicht, die ihr als Ruheplatz dienen.

Doch immer wieder gereicht ein grelles Herausstechen aus der Umgebung zu einem Vorteil. Will ein Tier nämlich einen Geschlechtspartner anlocken und beeindrucken oder Fressfeinde abschrecken, können die Farben gar nicht grell genug sein. Wie etwa bei den extravagant gefiederten Paradiesvogel-Männchen, die mit ihrer Pracht ihre Fitness zur Schau stellen. Oder beim Pfauenhahn, der sein einzigartiges Rad schlägt. In der Vogelwelt ist schließlich meist Damenwahl angesagt.

Die kleinen Pfeilgiftfröschchen aus den Regenwäldern Mittelamerikas hingegen signalisieren mit ihren bunten Farben der Umwelt: Fresst mich nicht, ich bin ungenießbar!

Evolution über viele Generationen

Mit Farben übermitteln Tiere – und auch Pflanzen – also Botschaften, die exakt auf den jeweiligen Adressaten und dessen Verhalten ausgerichtet sind. Diese Botschaften sind im Laufe der Evolution über Tausende von Generationen entstanden. Einzelne Individuen erkennen sich an den spezifischen Mustern oder Farben ihres Fells, Gefieders und Schnabels.

Das Bamberger Museumsteam hat diese beeindruckende Fotoausstellung von den Kollegen des Museums Mensch und Natur in München übernommen. In Ergänzung zu den grandiosen Naturaufnahmen können die Besucher im Bamberger Haus ausgewählte, thematisch passende Tierpräparate bewundern. Außerdem geben Sehstationen Einblicke, wie einige Tiere ihre Umwelt wahrnehmen: Beispielsweise wie Marienkäfer ihre Artgenossen sehen, und welche für uns unsichtbaren Muster eine Blüte durch die Augen eines Schmetterlings entfaltet.

„Knallbunt und Unsichtbar“ ist bis zum 21. April im Naturkunde-Museum Bamberg, Fleischstraße 2, zu sehen. Im Februar und März ist das Museum täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr geöffnet, im April von 9 bis 17 Uhr. Faschingsdienstag geschlossen.

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