KREIS HAßBERGE

Terroristen sind tödliche Feinde des Islam

Das Gebet drückt die Demut des Gläubigen vor Gott aus. Wenn Stirn und Nase den Boden berühren, stellt das die höchste Form der Demutshaltung dar. Foto: Franziska Roos

In den letzten Jahren war die Wahrnehmung der Weltreligion Islam in der westlichen Welt vornehmlich durch negative Schlagzeilen geprägt. Das Bild des Moslem in der Gesellschaft ist derzeit nicht das beste. Dazu kommen sinnfreie Diskussionen darüber, ob der Islam nun nach Deutschland gehört oder nicht. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) versteht sich als Reformbewegung im Islam.

„Liebe für alle, Hass für keinen“

Unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland“ haben diese Muslime eine Kampagne gestartet, mit der sie auf die Menschen in diesem Land zugehen, ihnen den Islam erklären und ihre Maxime „Liebe für alle, Hass für keinen“ näherbringen wollen. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag im Hotel Goger in Augsfeld wurde diese Kampagne auch für den Landkreis Haßberge gestartet. Hier werden Anfang 2019 drei Veranstaltungen in Haßfurt (1. März), Zeil (23. Februar) und Ebern (16. Februar) stattfinden.

„Angesichts des im Namen des Islam verübten unsäglichen Terrors fühlen wir uns als Muslime dazu verpflichtet, die Bevölkerung über Heimatliebe und Loyalität gegenüber dem Land als Teil des Islam aufzuklären.“ Arbab Ahmad, Imam und islamischer Theologe, erklärt die Grundsätze der AMJ: „Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit, kein Zwang im Glauben, Gleichwertigkeit von Mann und Frau sowie die strikte Trennung von Religion und Staat.“ Mittlerweile habe die Bewegung im Zuge ihrer Kampagne schon 34 Millionen Bundesbürger mit ihrer Friedensbotschaft erreicht.

Der Imam hofft, „dass die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Haßberge von der klaren Differenzierung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten erfahren und nicht aus Unkenntnis zu voreiligen Schuldzuweisungen und Vorurteilen neigen“. Dies spiele nur Extremisten in die Hände. Im Rahmen der Kampagne, die nun im Landkreis Haßberge anläuft, werden gezielt die „im Islam innenwohnende Heimatliebe und Loyalität zum Staat vorgestellt“, so der Imam. In den Veranstaltungen werde auch den nicht-muslimischen Bürgern die Möglichkeit geboten, ihre Fragen, Sorgen und Ängste mit den AMJ-Angehörigen zu teilen und mehr über die Lehre des Islam zu erfahren.

Muslimische Theologen werden im Rahmen dieser Kampagne ganztägig bereitstehen, um die Fragen der Bürger am Telefon und in sozialen Netzwerken zu beantworten. Im Rahmen dieser Infokampagne werden die Mitglieder von Ahmadiyya Muslim Jamaat im Landkreis jede Ortschaft besuchen, sich dabei um Gespräche mit den Bürgern bemühen und vor Ort ihre Botschaft des Friedens verbreiten.

Ängste und Vorurteile abbauen

„Die Bürgernähe soll Ängste und Vorurteile abbauen“, sagt der Imam, der in diesem Zusammenhang erzählt, bei einer solchen Veranstaltung kürzlich in Aschaffenburg eine 65-jährige Frau getroffen zu haben, die zuvor noch niemals mit einem Imam gesprochen hatte. Damit steht diese Frau in Deutschland bestimmt nicht alleine da. Die Kampagne bietet jetzt die Gelegenheit dazu.

Zudem ist geplant, in allen rund 26 Kommunen im Landkreis mit allen Stadt- und Gemeindeteilen Flyer-Aktionen durchzuführen. In den Städten und großen Gemeinden des Landkreises sollen Infostände aufgebaut werden. Nicht zuletzt möchte die Gemeinschaft zusammen mit den örtlichen Bürgermeistern auch in zwei Gemeinden Friedensbäume pflanzen. Diese Bäume sind dann ein Geschenk der AMJ an die Gemeinde und sollen ein Symbol des Friedens und Andenkens sein, das auf eine bessere Zukunft baut.

Religionsgründer als Erlöser

Diese ist durch die Gründung der AMJ angebrochen, sind deren Anhänger überzeugt. Sie sehen den Gründer ihrer Religion als den Erlöser an, den der Prophet schon vor Jahrhunderten angekündigt habe. Er habe bereits bei der Gründung der Bewegung im 19. Jahrhundert in Indien, trotz eines damals dort aggressiv missionierenden Christentums und erster nationalistischer neohinduistischer Strömungen den religiös motivierten Krieg als unislamisch abgelehnt und verfolgte – wie auch seine Nachfolger – einen streng pazifistischen Kurs. Der Imam erläutert das Besondere seiner islamischen Gemeinschaft: „Wir glauben, dass der Reformer schon gekommen ist, und alle anderen Muslime warten noch auf einen Reformer.“ Der Gründer ist für die Ahmadis der vom Propheten verheißene Messias. Wie Jesus zu Moses, so stelle sich der Gründer der AMJ-Gemeinde zu dem Propheten Mohammed.

Imam Arbab Ahmad unterstreicht in der Pressekonferenz diese Einstellung. Seine Lehre verdeutlicht, dass die Muslime Pflichten gegenüber dem Land haben, in dem sie leben. „Wir möchten für den Fortschritt in Deutschland sorgen, ein Teil der Gesellschaft sein. Wir haben alle die Aufgabe, Deutschland voranzubringen. Wir müssen alle unserem Land dienen.“

In vielen islamisch geprägten Ländern werden die Ahmadis, so der Imam, bis heute oft als Anhänger einer Sekte diskriminiert und verfolgt. In Deutschland dagegen genießt die Ahmadiyya-Gemeinschaft in Hamburg und Hessen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Einen Status, der bislang anderen muslimischen Gemeinschaften verwehrt wird.

Niedere Motive, niedere Naturen

Angesichts des weltweiten Terrors, der im Namen des Islam verübt wird, klingt folgender Auszug aus den Schriften des Gründers der Bewegung interessant: „Es ist nicht die geringste Wahrheit in der Behauptung, dass es an der Zeit sei, Zuflucht zu Schwert und Gewehr zu nehmen, um die wahre Religion und Rechtschaffenheit zu verbreiten. Das Schwert, weit entfernt davon, die Schönheiten und Vorzüge der Wahrheit zu offenbaren, macht sie zweifelhaft und wirft sie in den Hintergrund. Jene, die solche Ansichten vertreten, sind keine Freunde des Islam, sondern seine tödlichen Feinde. Sie besitzen niedere Motive, niedere Naturen, eine arme Gesinnung, beschränkten Geist, trägen Verstand und Kurzsicht. Sie sind es, die den Weg für Einwände gegen den Islam öffnen, dessen Richtigkeit nicht bezweifelt werden kann. Sie halten daran fest, dass Islam das Schwert für seinen Fortschritt brauche, und brandmarken somit seine Reinheit und werfen einen Fleck auf seinen heiligen Namen.“

Imam Arbab Ahmad setzt sogar noch einen drauf, indem er erklärt, dass auch Christen oder gar Atheisten Muslime sein könnten. Denn in der sinngemäßen Übersetzung sei ein Muslim ein Mensch, der den Frieden will, friedlich lebt. Wenn ein Mensch also so lebe, sei er ein Muslim, auch ohne der Religion Islam anzugehören.

Ahmadiyya Muslim Jamaat

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad im Jahre 1889 in Indien gegründet und hat mittlerweile zwischen 30 und 40 Millionen Anhänger weltweit in über 200 Ländern, davon 45 000 in Deutschland.

In vielen islamischen Ländern werden seine Anhänger bis heute von Sunniten und Schiiten als Ungläubige betrachtet und ausgegrenzt, teilweise sogar verfolgt. Die AMJ ist international tätig, betreibt Mission und unterhält eigene Moscheen. Sie finanziert sich ausschließlich durch Spenden ihrer Mitglieder. Geleitet wird sie vom Kalifen Mirza Masroor Ahmad, der in London lebt, und auf Lebenszeit gewählt ist. Er ist der fünfte Nachfolger des Messias der Ahmadis.

Imam Arbab Ahmad betont die religiöse Ausrichtung auf den Kalifen: „Vielleicht vergleichbar mit dem Papst in der katholischen Kirche.“ Der Kalif sei verbindend für alle Muslime und alle haben zu ihm eine mehr oder weniger persönliche Beziehung. Und das sei einmalig in der islamischen Welt. Auf Frage dieser Redaktion bejaht der Imam den Nachteil, den ein fehlendes geistiges Oberhaupt für die Welt des Islam bedeutet. Eine solche Leitfigur hätte vielleicht manche Fehlentwicklung verhindern können.

Lesen Sie dazu auch das Streiflicht.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat, eine Reformbewegung im Islam, der mittlerweile weltweit 30 bis 40 Millionen Gläubige weltwe... Foto: Wolfgang Sandler

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