ZEIL

Thomas Stadelmann wird zum Ortssprecher degradiert

Bei „Alice im Wunderland“ überzeugten die jungen Künstlerinnen mit tollen Tanzbewegungen. Foto: Ralf Naumann

Was war das denn? Da feiern die Mitglieder der Zeiler Narrenzunft (ZNZ) mit ihren Gästen gerade ihre erste Büttensitzung, in welcher diesmal der bekannte Walt Disney im Mittelpunkt steht. Die Stimmung ist bereits auf dem Siedepunkt angekommen, als im wahrsten Sinne des Wortes ein „Sand“-Sturm mitten im Winter über das Rudolph-Winkler-Haus hereinbrach. Ein französischer noch dazu. „Eindringlinge“ aus dem Nachbarort jenseits des Mains wollten scheinbar eine neue Revolution anzetteln.

Parallelen an die oberpfälzische Kultband „Altneihauser Feierwehrkapell?n“ bei einem ihrer berüchtigten Auftritte in Veitshöchheim waren durchaus erkenn- und vor allem hörbar. Dabei gaben sich „Revolutionsführer“ besser gesagt „Le Korboral“ Udo Rippstein, Deckname „Krines“, und seine achtköpfige Mannschaft, Decknamen „Krines“, zunächst sehr einschmeichelnd. „Wir, die Sander Franzosen, freuen uns mit vollen Blasen, ähhh über alle Maßen, bei Euch hier sein zu dürfen.“

Schnell aber rückten die Mitglieder des Blasorchesters, wie sich schnell herumsprach, mit der schmerzhaften Wahrheit ans Tageslicht: Es ging um nichts anders, als um die feindliche Eingemeindung. „Während das unglaublich naive Zeiler Stadtvolk im Rahmen dieser humorlosen Veranstaltung sich dem einfältigen Vergnügen hingibt, haben die Sander Franzosen handstreichartig dieses Kaff in den Haßbergen eingenommen“, machte der Rädelsführer unter den Buhrufen im Saal deutlich und verkündete sodann fünf Paragraphen, die für weiteren Unmut sorgten. Unter anderem darf das Zeiler Weinfest „als sogenanntes Ortsteilfestla weiter versucht werden. Natürlich zukünftig mit Sander Wein. Dann wird?s wahrscheinlich a endlich a Erfolg wern.“

Und der sehr verdutzte Sitzungspräsident Thomas Stadelmann, in der Faschings-Nebensaison auch Bürgermeister der Stadt? Der wurde einfach zum neuen Ortssprecher des neuen Sander Ortssteiles degradiert. Trotzdem erwies dieser sich noch als cooler und wortgewandeter Gastgeber: „Ihr habt jetzt da drüben seit gefühlten 25 Jahren keine Büttensitzung mehr, ihr wisst ja gar nicht, wo ihr euren Frust ablassen könnt. Also haben wir euch halt einmal eine Chance gegeben, etwas abzulästern.“ Einen Tipp gab er ihnen mit auf dem Nachhauseweg. „Träumt ruhig weiter!“

Am Ende hatten sich dann zumindest die meisten wieder lieb. Erst recht, nachdem die „französischen“ Gäste das berühmte Steinhauerlied als neue Ortsteilhymne für die Sander Neubürgerinnen und Neubürger anstimmten. Ob das Sander „Scharfe Blech“ den nächsten Bockbieranstich in Zeil musikalisch umrahmen darf oder auch die Fastenpredigt, dahinter steht jetzt freilich ein dickes Fragezeichen...

Auf zwei Damen können die „lieben Nachbarn“ freilich ganz schön neidisch sein: Auf Resi und Babet. Ein derartiges Traumduo, sozusagen die weibliche Antwort auf die Muppet-Show-Lästerer Statler und Waldorf (die beiden älteren Herren auf dem Balkon), haben sie nicht zu bieten. Christiane Gareis und ihre Schwester Susanne Wolfschmitt, die 2006 den Faschingsorden „Zeiler Schlack“ bekamen, sind einfach einzigartig. Und sie hatten natürlich wieder Exklusives zu berichten. Vom Aushängeschild der Stadt etwa, dem Weinfest, bei dem die Helfer „bloß nuch auf an Stundenlohn von Eineurofünfundzwanzig“ kommen, nachdem die Besucherzahlen nachlassen. Warum dann Haßfurter Vereine Wein und Bier verkaufen? „Die senn halt a mit weniger zufrieden – die senn bescheidener“, mutmaßte Resi. Dem stimmte Babet nicht zu und deshalb brachte sie gleich das neue Gerichtsgebäude in der Hofheimer Straße ins Spiel. „So einen drümmer Kasten nozubau, für die paar Beamta.“

Doch auch sonst mussten beziehungsweise durften die beiden Damen zu allerhand weiteren Themen ihren Senf dazugeben: Zum neuen Kreisel ebenso wie zu Metzgermeister Rainer Hertlein und Bäcker Franz Kolb, zu „Suff“ – pardon „SUV-Autotesterin Dorothee Bär, zur politischen Zukunft in Sand, zu Allerheiligen, zum neuen städtischen Gärtner und natürlich auch zum aktuellen Stand der Vorbereitung für die anstehenden Feierlichkeiten zum 1000-Jahr-Jubiläum „Zeil leuchtet“. Für das Motto habe der Stadtrat übrigens nicht lange überlegen müssen, „da senn einige Leuchten dabei“, stellte Babet fest. Bloß über den angedachten 1000 Mann-(und natürlich Frau- und Kinder)-Chor machte sich das Duo Gedanken. „Des ganza Zeil soll mitsing – a des Altersheim“, verriet Resi. „Was sölln die denn sing? Fachwerk, Frohsinn Frankenwein“, wäre laut Babet „net schlecht.“ Aber halt: Eine eigens komponierte Hymne, „scho awas Erhabenes“, wird es werden. Die erste Probe mit den 350 Närrinnen und Narren im Saal verlief jedenfalls vielversprechend. Gotthilf Fischer hätte beim „Ria-ria-ria-ooh“ sicher seine helle Freude gehabt.

Und was wurde sonst noch geboten? Ganz viel. Sowohl die Ohren als auch besonders die Augen kamen bei den Büttenreden sowie den einfach fantastischen, farbenfrohen und aufwendigen Tänzen auf ihre Kosten. Während Finn Düring seine „Mama (... ist halt doch die Beste“) in höchsten Tönen lobte und die wohlbeleibte Michaela Pottler-Zink ein paar Kilos, „aber mit Vernunft“, wieder loswerden wollte, beschäftigte sich Pfarrer Michael Erhart mit dem Glücklichen, dem keine Stunde schlägt. Es ging um den 8. April des vergangenen Jahres, als der Kirchturmuhranzeiger dem Boden sehr nahe kam. „Mit einem Kran wurd er geborgen, als hätt ich grad kei? and?ren Sorgen. Doch geb ich zu, es war sehr schön, die Stadt von oben mal zu sehn“, machte der Geistliche deutlich und fügte später hinzu: „Auf jeden Fall war an dem Tag, „der Turm begehrt, gar keine Frag?. Selbst Doro Bär mit?m Foto kam, den zeigerfreien Turm aufnahm. Doch ruf ich nun in frohe Runde: dem Glücklichen schlägt keine Stunde.“ Natürlich beschäftigte sich Michael Erhart noch mit vielen weiteren Themen, darunter der immer noch unbefriedigenden Parksituation. Tosender Applaus war die Belohnung für eine tolle „Faschingspredigt“.

Die gute Fee Natascha (Tobias Müller), der Zirndorfer Helmut Lang von der „Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karnevals“ („mer secht ja nix, mer red ja bloß“), die junggebliebenen Läster-Opas Bartl (Christian Melchior) und Fonser (Dominik Syka) sowie die beiden gefühlvollen Masseurinnen Gisela (Gabi Leisentritt) und Franzi (Monika Stadelmann) trafen ebenfalls voll ins Schwarze.

Tolle Kostüme, teils aufwendige Frisuren, super Sound und mitreißende Choreografien wurden schließlich bei den Tänzen geboten, wo das Motto „ZNZ meets Disney“ perfekt zum Tragen kam. Bei der „Unter dem Meer“-Eröffnung der Purzelgarde mit ihrer „Arielle, der Meerjungfrau“, der Garde („Fluch der Karibik“), dem „Dschungelbuch“, „Alice im Wunderland“, „König der Löwen“ oder den „Bayerischen Zwergen“ kamen nicht nur Musicalfans auf ihre Kosten. Die stets feschen Damen der „Prinzenschwarte“ (Christiane Garreis, Theresa Hoh, Martina Kehl, Christina Rössler, Florenze Rössler, Susanne Wolfschmitt, Nadine Wolfschmitt) standen dem mit ihrer „Muppet Show“ freilich in Nichts nach. Ebenso wie „Feelstimmig“ (Kathrin Heidig, Tina Hömer, Stephan Heidig, Daniel Müller, Kathrin Schwappach) sowie natürlich Funkenmariechen Sarah Hetterich.

Am kommenden Wochenende, Freitag, 27., und Samstag, 28. Januar, machen die Zeiler die Bühne erneut zwei Mal unsicher. Dann finden auch die nächsten Gesangversuche für die Gründung der „Zeiler Fischerchöre“ statt. Beginn der „Spektakel“ ist jeweils um 19.30 Uhr.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder finden Sie unter www.hassfurter-tagblatt.de

Büttensitzung in Zeil: Die Mitwirkenden

Purzelgarde (Arielle, die Meerjungfrau): Helena Altmann, Ioanna Charitos, Lara Fischer, Emil Hömer, Mia Leisentritt, Veith Nüsslein, Lea Schön, Emily Syka. Choreografie und Einstudierung: Tina Hömer, Christina Krapf.

Garde-Marsch (Fluch der Karibik): Vanessa Bauer, Selina Brändlein, Sandra Hetterich, Selina Lehmbruch, Denise Münch, Stella Niebling, Laura Schnaus, Michel Schnitzer, Hannah Schuhmann. Choreographie/Einstudierung: Barbara Garreis.

Dschungelbuch: Luisa Bedacht, Hannah Böhnlein, Helena Böhnlein, Lena Braun, Xenia Charitos, Janaya Curry, Finja Czoske, Maja Henschel, Sarah Hetterich, Franka Kuhn, Samira Lehmbruch, Lena Meier, Maria Minnich, Hannah Reick, Aurelia Thomann, Angeline Tschiggfrey. Idee und Einstudierung: Karina Daub, Sabrina Hetterich. Kostüme: Anni Fanenbruck, Margit Stubenrauch.

Alice im Wunderland: Regina Quintero-Drake, Laura Düring, Mandy Düring, Saskia Göpfert, Lisa Herrmann, Amy Miller, Stella Niebling, Sophia Penton, Michele Schitz, Jessy Schnaidmiller, Melissa Schuck. Choreographie/Einstudierung: Kathrin Heidig. Kostüme: Anni Fanenbruck. Frisuren: Christine Pollner.

Musical „König der Löwen“: Vanessa Bauer, Selina Brändlein, Pia Fritzmann, Barbara Garreis, Sandra Hetterich, Christina Krapf, Vera Leisentritt, Selina Lembruch, Denise Münch, Karina Daub, Eva-Maria Rausch, Veronika Rausch, Vanessa Roth, Laura Schnaus, Michelle Schnitzer, Hannah Schuhmann. Choreographie/Einstudierung: Theresa Hoh. Kostüme: Anni Fanenbruck. Maske und Frisuren: Florenze Rössler, Karina Leisentritt-Melchior, Vera Leisentritt.

Die bayerischen Zwerge: Dominik Bedacht, Johannes Hoh, Tobias Müller, Sebastian Rausch, Julian Schneidawind, Julian Wolfschmitt, Max Wolfschmitt, Tobias Zink.

Musik: Colorados.

Licht- und Tonregie: Werner Bauer, Franz-Josef Langhans.

Bühnen- und Saalgestaltung: Viele fleißige Hände unter der Leitung von Theresa und Johannes Hoh.

Bühnentechnik: Johannes Hoh, Christian Hömer.

Pfundig: Die „Bayerischen Zwerge“ mit Dominik Bedacht, Johannes Hoh, Tobias Müller, Sebastian Rausch, Julian Schneidawind, Julian Wolfschmitt, Max Wolfschmitt und Tobias Zink. Foto: Ralf Naumann
Resi (Christine Garreis, rechts) und Babett (Susanne Wolfschmitt) hatten viel zu erzählen. Foto: Ralf Naumann
Afrika mitten in Zeil: Der „König der Löwen“ machte es möglich. Foto: Ralf Naumann
Wer muss hier mehr Schmerzen aushalten? Masseurin Franzi (Monika Stadelmann) oder „Kunde“ Johannes Hoh. Foto: Ralf Naumann
Erst einmal ein großer Schluck aus der kleinen „Pulle“: Finn Düring aus Knetzgau. Foto: Ralf Naumann
Michaela Pottler-Zink. Was für eine Frau. Traum aller Männer. Und die will abnehmen? Foto: Ralf Naumann
Die Purzelgarde in Aktion. Der Saal war der Meinung: Ihr Auftritt „unter dem Meer“ war toll. Foto: Ralf Naumann
„Mer secht ja nix, mer red ja bloß“. Bei Helmut Lang hatte das Hand und Fuß. Foto: Ralf Naumann
Pfarrer Michael Erhart gab bekannt: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Foto: Ralf Naumann

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