SCHWEINFURT

Tobias hat Transplantation gut überstanden

Die Mutter berichtet: Tobias Weigand hat Chemotherapie und Knochenmark-Transplantation gut überstanden –

Noch immer nehmen viele Menschen Anteil am Schicksal des 2008 schwer erkrankten Jungen

Neben dem Bett von Tobias steht eine bunte Karte, die die dreijährige Laura dem besten Bruder auf der ganzen Welt gebastelt hat. Der beste Bruder verzieht gerade den Mund. Der neue Brei schmeckt ihm überhaupt nicht, er kaut zwei, dreimal, dann spuckt er ihn aus. Als ihm seine Mutter über die Wange streicht, entspannt sich seine Miene. Es ist kurz vor Weihnachten und Tag 190 nach der Knochenmark-Transplantation. Tobias Weigand, inzwischen sechs Jahre alt, geht es ganz gut – entgegen der Befürchtungen der Ärzte, sein Zustand könne sich nach Chemotherapie und Transplantation verschlechtern.

Es gibt Tage, an denen Tobi, wie ihn seine Schwester zärtlich nennt, wach und entspannt ist und ein paar Löffelchen mehr isst als noch am Tag zuvor. Aber der Weg, der vor ihm liegt, ist noch lang und mühsam. Ein Jahr ist es her, dass seine Mutter Ruth Tellert-Weigand das letzte Mal über den Kampf der Familie um die Transplantation und über die Fortschritte von Tobias berichtet hat. Auch jetzt ist sie wieder zum Gespräch bereit – weil immer noch Menschen Anteil an Tobias' Schicksal nehmen und weil sie anderen Familien Mut machen will, deren schwerkranke Angehörige von der Schulmedizin aufgegeben wurden. Ruth Tellert-Weigand ist sich sicher, dass die alternativen Therapien, die sie gefunden hat und die ihren Sohn aus dem Wachkoma herausgebracht haben, auch anderen hirnverletzten Menschen helfen.

Tobias war im Oktober 2008 an der seltenen Krankheit Hämophagozytose erkrankt, die sein Gehirn so schwer geschädigt hat, dass die damals behandelnden Neurologen in Würzburg die Knochenmark-Transplantation ablehnten. Ohne Transplantation lag das Risiko, in den nächsten vier Jahren an Lymphknotenkrebs zu erkranken, bei 80 Prozent, sagt seine Mutter.

Im Dezember 2010 stellten die Ärzte in der Erlanger Klinik die Transplantation schließlich in Aussicht. Im März strich eine Neurologin endgültig die Diagnose „Wachkoma“ und plädierte nachdrücklich für die lebensnotwendige Therapie. Eine Woche vor der Transplantation im Mai begann die Chemotherapie, mit der das Knochenmark von Tobias zerstört wurde. Die Transplantation selbst ist völlig unkompliziert, die Stammzellen des Spenders werden dem Körper durch einen Katheder zugeführt. Kritisch waren die ersten zwei Wochen, in denen Tobias keinerlei Abwehrkräfte besaß. So lange dauert es, bis sich die ersten Leukozyten, also weiße Blutkörperchen, gebildet haben.

Insgesamt sechs Wochen lag Tobias in einem kleinen sterilen Raum, wurde rund um die Uhr betreut. Innerhalb von drei Wochen hatten seine Leukozyten normale Werte erreicht, Tobias litt auch kaum an den befürchteten Nebenwirkungen. Ruth Tellert-Weigand führt das auf die Homöopathie zurück. Kurz vor dem Eingriff hatte sie im Internet die Studie einer deutschen Uniklinik gefunden, nach der bestimmte homöopathische Mittel die Bildung der Leukozyten unterstützen und die Nebenwirkungen verringern. Statt der geplanten 100 Tage musste Tobias nur 50 Tage im Krankenhaus bleiben.

Inzwischen konnten die Medikamente, die heftige Nebenwirkungen haben, abgesetzt werden. Ein großer Tag war der 9. November. Nach drei Jahren wurde der zentrale Venenkatheder gezogen, durch den Tobias bis dahin seine Infusionen erhielt und über den ihm Blut abgenommen wurde. Seitdem kann er endlich wieder auf dem Bauch liegen und darf mit seiner Mama und seiner Schwester in die Badewanne.

Seine Leukozyten-Abwehrmannschaft gegen Bakterien ist gut, aber seine Abwehr gegen Viren ist noch zu schwach. Deswegen darf Laura auch noch nicht in den Kindergarten. Die Gefahr, dass die kleine Schwester eine Infektion mit nach Hause bringt, die ihren Bruder gefährden könnte, ist noch zu groß.

Mit dem Umzug in ein barrierefreies Haus ist das Leben für Familie Weigand leichter geworden. Tobias hat neben dem Wohnzimmer ein eigenes Zimmer, in dem er auch behandelt wird. Im Badezimmer ist Platz für seine geliebte Schaukel, die Wanne ist groß genug für die Bewegungstherapie. Noch immer wird der Alltag bestimmt von der Therapie. Wie berichtet, haben Ruth und Jürgen Weigand im Family Hope Center in Philadelphia die so genannte Doman-Therapie gelernt, die Tobias Fähigkeiten zurückbringen soll. Dazu gehören Übungen, bei denen die Sinneswahrnehmungen mit starken Reizen wie Licht oder Piksen angeregt werden.

Noch immer liegt Tobias dreimal pro Woche in der Überdruckkammer, was ihm sichtlich gut tut, er bekommt Ergotherapie und über eine Magensonde seine spezielle Ernährung: passiertes Gemüse, Obst und Fleisch, das mit Ziegenmilch und Ölen angereichert und passiert wird. Außerdem isst er jeden Tag ein Gläschen Babynahrung, aber nur, wenn es ihm schmeckt.

Kurz vor der Transplantation entdeckte Ruth Tellert-Weigand eine neue Therapie, von der sie sich sehr viel verspricht: Neurofeedback. Vereinfacht ausgedrückt werden dabei die Gehirnströme trainiert. Tobias sitzt vor einem Bildschirm und sieht ein Ufo durch einen Tunnel fliegen. Dabei werden seine Gehirnströme gemessen. Sobald seine Aufmerksamkeit nachlässt, verschwinden Bild und Ton, Tobias schreckt auf und konzentriert sich wieder. Daraufhin erscheint das Bild wieder. Die Therapie funktioniert also nach dem Belohnungsprinzip. Schon nach wenigen Tagen, sagt seine Mutter, waren seine „Denkwellen“ viel aktiver.

Ruth Tellert-Weigand ist Krankenschwester. Trotzdem hat sie die Ausbildung zur Therapeutin für Neurofeedback machen müssen, um sie anwenden zu können. Sie ist sich sicher, bei Tobias Konzentration, Sehen, Sprache und Bewegung anregen zu können. Die Therapie helfe bei Gehirnverletzungen, Epilepsie, Autismus, ADHS und vielen anderen Erkrankungen, werde aber von den wenigsten Ärzten angewandt. Es sei faszinierend, wie sich das Gehirn selbst helfen könne, aber erschreckend, dass viele Neurologen das nicht sehen.

Ruth Tellert-Weigand ist sich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Kraft schöpft sie durch den Austausch mit etwa 20 anderen Müttern und aus den vielen kleinen Fortschritten, die Tobias und die anderen Kinder machen, die von der Schulmedizin schon aufgegeben waren.

Hilfe für Tobias

Informationen über alle Therapien stehen auf der Website www.tobias-weigand.de.

Das Spendenkonto des Rotaryclubs Schweinfurt Peterstirn „Hilfe für Tobias“ läuft weiter bei der Flessa Bank Schweinfurt, Konto 1119, BLZ 79330111. Mit diesem Geld werden ausschließlich Therapien von Tobias finanziert. Die Ausbildung zur Therapeutin für Neurofeedback samt Ausrüstung hat rund 5000 Euro gekostet.

Von den rund 6000 Menschen, die sich bei der Typisierungsaktion für Tobias Anfang 2009 untersuchen ließen, haben inzwischen 41 Knochenmark gespendet.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!