OBERSTEINBACH

Totholz-Mikado und Waldlabyrinth

Das „Totholz-Mikado“ ist sicher verschraubt, damit es als Kletterlandschaft taugt. „Superklasse“, lautete das Urteil der Rauhenebracher Grundschüler beim ersten Test. Foto: Sabine Weinbeer

Eine Kletterwand, ein Holz-Mikado, eine Seilbahn, ein Waldlabyrinth – der Pfad der Artenvielfalt bei Obersteinbach wurde in den vergangenen Wochen um einige Stationen erweitert, die den Erlebniswert des Pfades vor allem für die Kinder nochmals hebt. „Der Rückweg nach dem Pavillon Kleinengelein war für die Kinder halt doch nur eine Steigerwald-Wanderung“, erklärte Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, als er zur Eröffnung am Freitag zahlreiche Gäste begrüßen konnte – vor allem einen Bus voller Rauhenebracher Grundschüler, die die neuen Stationen gleich auf „Herz und Nieren“ testeten.

Der sechs Kilometer lange waldpädagogische Lehrpfad startet im Weilersbachtal kurz hinter Obersteinbach. Sieben Stationen gibt es bis zum Naturwaldreservat Kleinengelein. Da geht es um den Biber, um Schmetterlinge und Vögel, Kinder können in den Biberbau klettern, Kaulquappen käschern, in eine Baumhöhle spitzen und vieles mehr. Die Lebensräume von Wald, Bach und Wiese können sie spielerisch erleben und viele Kinder haben sich seit der Eröffnung im Jahre 2015 fesseln lassen.

Ab dem Naturwaldreservat geht es auf einem naturbelassenen Steig wieder hinab ins Weilersbachtal. Das ist wildromantisch, den Kindern sollte man aber noch ein paar Möglichkeiten zur Ablenkung geben, waren sich sowohl Revierförsterin Petra Diener, als auch ILE-Managerin Ulla Schmitt und Bürgermeister Matthias Bäuerlein einig. Mit dem Inhaber des Obersteinbacher Steinbruchs Martin Graser war ein weiterer Partner an Bord, und so finanzierten Gemeinde, Staatsforsten und die Firma Graser einige zusätzliche Stationen.

80 Tonnen Sandstein bilden jetzt mitten im Wald eine Kletterwand, die die Grundschüler sofort erklommen. Für Martin Graser war es gar keine Frage, auf dem Pfad auch den Bezug zum gegenüberliegenden Steinbruch herzustellen. Ein Stück weiter wächst das „Waldlabyrinth“, eine Idee von Petra Diener. Die Kathedrale von Chartre in Frankreich mit ihrem Boden-Labyrinth habe sie dazu inspiriert. 1000 Buchen-Wildlinge wurden im umgebenden Waldstück gewonnen und zum Labyrinth gepflanzt, das in einigen Jahren mannshoch sein wird. In der Mitte steht eine starke Buche, die mit einer Rundbank versehen ist. Das Labyrinth soll auch Erwachsene ansprechen und zur Entschleunigung einladen, wünscht sich die Försterin.

Bürgermeister Matthias Bäuerlein selbst musste die Seilbahn, die an der bergab-Strecke entstand, auf ihre Belastbarkeit prüfen. Die Gemeinde hat diese Station übernommen.

Total begeistert war sogar der Prüfer von der Dekra vom Totholz-Mikado, das Petra Diener zusammen mit Jonas Bäuerlein aus Wustviel etwa zwei Kilometer vor Ende des Rundweges angelegt hat. Hier waren einige Fichten umgestürzt. Als der Platz abgeräumt war, entstand hier eine Art Waldspielplatz. Aus den Sandsteinen alter Durchlässe wurde eine Atrium-ähnliche Bank aufgebaut mit Blick auf das Totholz-Mikado, das zum Klettern einlädt. Daneben steht ein Tipi, zum Waldweg hin ist der Platz durch einen Baumwurzel-Zaun abgegrenzt.

Nicht nur die Kinder waren begeistert von den neuen Wegstationen, auch die Gäste. „Das ist Umweltbildung in feinster Form“, freute sich MdL Hans-Jürgen Fahn (Freie Wähler) und auch Bambergs stellvertretender Landrat Hans Pfister sah hier ein attraktives Gegenangebot zum virtuellen Spielen. Pfister wie Fahn dankten Ulrich Mergner auch für die sensible Bewirtschaftung des Steigerwaldes und die Entwicklung des Trittsteinkonzepts.

Fahn informierte am Rande der Veranstaltung, dass er in den nächsten Tagen im Landtag einen Antrag einreichen werde mit dem Ziel, dass dieses mittlerweile international anerkannte integrative Waldnaturschutzkonzept in ganz Bayern in den Staatsforsten umgesetzt wird.

Sehr kreativ und sensibel sei hier eine tolle Attraktivitätssteigerung gelungen, lobte der stellvertretende Landrat des Kreises Haßberge, Oskar Ebert. Als Bürgermeister hatte er den Pfad ursprünglich mitentwickelt, „aber der Rückweg, das war für die Kinder schon ein Manko“. Er dankte Ulrich Mergner, der es immer wieder vorbildlich verstehe, die so genannten „besonderen Allgemeinwohlmittel“ der Bayerischen Staatsforsten abzurufen und in die Attraktivität des Steigerwaldes als Erholungsregion zu investieren.

Der Pfad der Artenvielfalt ist sechs Kilometer lang. Familien mit Kindern, die alle Stationen intensiv bespielen wollen, sollten drei bis vier Stunden Zeit mitbringen. Festes Schuhwerk wird empfohlen. Vom Ortsende Obersteinbachs sind es noch einige hundert Meter bis zum Pavillon, der den Beginn des Pfades markiert. Entlang des Pfades weisen Schilder auch immer wieder darauf hin, dass man auf die Sicherheit achten sollte.

„Der Wald birgt auch Gefahren. Wir meinen, man muss lernen, damit umzugehen und sie zu beachten“, erklärte Ulrich Mergner beim Eröffnungs-Rundgang. Deshalb steht am Weg zum Kleinengelein auch der Bärenklau – verbunden mit dem Hinweis, dass das Anfassen gefährlich sein kann.

Vorsicht „Baumschlag“: Auch Gefahren gehören zum Wald, worauf Schilder wie dieses immer wieder hinweisen. Foto: Sabine Weinbeer

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