KREIS HASSBERGE

Trockenheit: Desaster des Winters, wird zum Glücksfall

Die anhaltende Trockenheit hat Auswirkungen auch auf den Wald in den Haßbergen, aber im Vergleich zu anderen Regionen kommen die Bäume mit den derzeitigen Bedingungen vielerorts noch gut zurecht. Foto: Stefanie Brantner

Viele Menschen werden es genießen – über 30 Grad, strahlender Sonnenschein und nach der Arbeit lässt es sich gut noch einige Stunden im Garten aushalten. Die Zisterne - soweit vorhanden sind zwar leer - aber bei uns kommt das Wasser aus dem Hahn.

Der Wald hat es da nicht so einfach. Er ist auf den Regen angewiesen. Wenn dieser ausbleibt, so wie das in den letzten Wochen der Fall war, dann behilft er sich zunächst damit, dass er seine Spaltöffnungen schließt. Die Spaltöffnungen sind winzige Öffnungen in Blättern und Nadeln, über die Wasser verdunstet. Durch die Verdunstung entsteht ein Sog, der das Wasser im Stamm aufwärts zieht und unter Ausnutzung des Kapillareffekts die Baumkrone mit Wasser versorgt.

Werden die Spaltöffnungen geschlossen, unterbricht der Baum damit aber nicht nur den Wasserstrom. Auch die Atmung der Blätter wird unterbrochen, denn über die Spaltöffnungen stoßen die Blätter Sauerstoff aus und nehmen Kohlenstoffdioxid auf.

Langsameres Wachstum

Das wird ebenfalls für die Fotosynthese gebraucht. Fehlen das Wasser und das Kohlenstoffdioxid, gerät die Fotosynthese früher oder später ins Stocken. Letztendlich produziert der Baum weniger Kohlenhydrate und wächst langsamer.

Das alleine wäre so weiter nicht schlimm und ein Baum muss deshalb längst nicht gleich sterben, aber er wird anfällig, erklärt Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt. Einige Kohlenhydrate werden nämlich für Verteidigungsmechanismen benötigt. Mit ihnen produzieren die Bäume Abwehrstoffe, um Pilze und Insekten in Schach zu halten und Extrem-Wetterlagen zu bewältigen.

Insekten breiten sich aus

Gerade die Insekten, wie beispielsweise die Borkenkäfer oder Schwamm- und Prozessionsspinner sind es, die heiße und trockene Sommer ganz besonders lieben und sich dann entsprechend ausbreiten.

So war in diesem Jahr eine Bekämpfung des Schwammspinners nötig, um die Ausbreitung wenigstens etwas in Schach zu halten. Im Idealfall reguliert sich das auf natürliche Weise und die Laubbäume kommen mit einem einmaligen, teilweisen Kahlfraß durch Raupen auch noch zurecht. In den vergangenen Jahren kommen aber immer mehr ungünstige Faktoren zusammen und dann wird es für die Bäume eng, so Hahn.

Dass die Temperaturen allgemein steigen, die Sommer heißer werden, ist bekannt. „Seit etlichen Jahren bemühen wir uns deshalb um einen Umbau der Wälder“, so Hahn. Die borkenkäferanfällige Fichte, die als Flachwurzler mit der Trockenheit überhaupt nicht mehr zurechtkommt, werde weitgehend durch Baumarten ersetzt, die besser geeignet sind, führt Hahn aus.

Situation ist im Vergleich zu anderen Gebieten „geradezu günstig“

Hierzu gehört, neben Tanne und Douglasie, auch die Eiche. Besonders die Eiche komme mit der Trockenheit ganz gut klar, weil sie sich mit ihrem tief greifenden Wurzelsystem das Wasser aus der Tiefe holen kann.

Gemessen am gesamten Amtsgebiet ist die Situation im Wald der Haßberge geradezu günstig, so Hahn, der als Forstoberrat Überblick über die ganze Region hat. In den Haßbergen sind es derzeit nur die Südhänge und die Höhen, bei denen es Probleme wegen der Hitze und der Trockenheit gibt. Im Gegensatz zum Schweinfurter Raum fällt deutlich mehr Regen und der Boden in den Haßbergwäldern, kann das Wasser meist gut speichern. Das kommt dem Wald gerade in diesem Jahr zu Gute.

Was sich im Winter für die Waldwirtschaft noch als Desaster, als mittlere Katastrophe dargestellt hat – die Böden waren so durchweicht, dass das Holzrücken, wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen möglich war, um enorme Schäden an den Rückegassen und Waldwegen zu vermeiden, zeigt sich jetzt als Glücksfall. Der Boden hat genug Wasser gespeichert und so kommen die Bäume mit den derzeitigen Bedingungen, in weiten Teilen der Haßberge, noch gut zurecht.

Schädlingsbefall schreitet voran

Allerdings habe er beobachten müssen, dass die Probleme, vor allem der Schädlingsbefall, immer weiter in die Haßberge hineinwandern, so Hahn weiter. Darum sei man auch besonders wachsam.

Beispielsweise werden mit Borkenkäfer befallene Bäume entnommen, um eine Verbreitung zu verhindern. Und manchmal müsse man eben auch Pestizide einsetzen. Das gelte es immer von Fall zu Fall gut abzuwägen.

Eichen sind auch ökologisch sehr wertvolle Bäume und Eichenwälder böten vielen geschützten Arten Lebensraum. Sie durch Schädlinge zu verlieren wäre fatal, betont Jürgen Hahn weiter. Grundsätzlich versuche man, dem Klimawandel mit einer guten Durchmischung der Baumarten zu begegnen, erklärt der Forstoberrat.

Was sich im vergangenen Winter als mittlere Katastrophe darstellte – die Böden waren so durchweicht, dass die Waldbewirt... Foto: Stefanie Brantner

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