UCHENHOFEN

Uchenhofen: Warum ein ganzes Dorf auf Schweinejagd ging

Fast alle Schweine aus einem Betrieb in Uchenhofen rissen am Sonntag aus ihrem Stall aus. Rund vier Stunden brauchten Feuerwehr und Dorfbewohner, um die Tiere wieder einzufangen. Diesem Eber hatte es der Dorfplatz angetan, den er fleißig umgrub. Foto: Christian Licha

Große Aufregung herrschte am Sonntagnachmittag im Haßfurter Stadtteil Uchenhofen. So gut wie alle Schweine waren aus dem einzigen noch Vieh haltenden Landwirtschaftsbetrieb des Ortes ausgebrochen und gingen auf Erkundungstour durch das 323-Einwohner-Dörfchen.

Ob Dorfplatz, Obstanlage oder zugängliche Grünflächen, überall wo die Möglichkeit bestand zu Wühlen, wurde eifrig mit den Schweineschnauzen umgegraben, wodurch einige Schäden entstanden. Gegen 16.30 Uhr wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Haßfurt, Uchenhofen und Mechenried alarmiert, die mit 63 Mann anrückten. Die Einsatzkräfte ergriffen Verkehrsmaßnahmen und wiesen die Autofahrer auf die Gefahr hin. Dabei unterstützte sie die Dorfbevölkerung tatkräftig, die fleißig mithalf, die Tiere zu dem am Ortsende liegenden Bauernhof zu treiben.

„Am Anfang war nicht klar, wie viele Schweine sich ursprünglich in dem Stall befanden“, erklärte die federführende Haßfurter Kommandantin Julia Volpert, die auch den Einsatz leitete. In der ursprünglichen Alarmierung war von 120 Schweinen die Rede. Die auf dem Bauernhof anwesende Person konnte keine Auskunft geben und der eigentliche Schweinehalter war nicht erreichbar, da er sich zu diesem Zeitpunkt wohl im Ausland befand. Durch das Veterinäramt, das genauso wie Beamte der Polizeiinspektion Haßfurt in den Einsatz mit eingebunden war, konnte schließlich die Anzahl in Erfahrung gebracht werden: Bei der letzten Kontrolle des Betriebes waren 170 Schweine gemeldet, erklärte Volpert.

Nach Einbruch der Dunkelheit war der Großteil der Tiere bereits eingefangen. Zehn Schweine waren noch abgängig, deren Suche sich schwierig gestaltete. Inzwischen war auch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Haßberge eingetroffen und erleichterte die Arbeit der Kommandantin mit ihrem umfangreichen Kartenmaterial.

Einige Feuerwehrleute gingen mit ihren privaten Quads auf die Suche. Mit den geländegängigen Maschinen konnten sie mit Hilfe von Wärmebildkameras die Wiesen und Wälder der Umgebung absuchen. Mit einem Anhänger, den ein anderer Landwirt zur Verfügung stellte, wurden die Schweine zurückgebracht. Einen kleinen „Fehlalarm“ gab es dabei: Ein gesichtetes Tier in Waldnähe stellte sich bei näherer Betrachtung als Wildschwein heraus.

Zusätzlich wurde von der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Schweinfurt eine Drohne mit Wärmebildkamera zur Verfügung gestellt, welche die Maßnahme vereinfachte. „Die Drohne war uns eine sehr große Hilfe“, kommentierte Volpert die gute Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis.

Nach rund vier Stunden waren gegen 20.30 Uhr alle Schweine wieder gesund zurück auf dem heimischen Bauernhof. Lediglich ein Schwein verendete, wahrscheinlich durch einen stressbedingten Herzinfarkt. Verletzte Personen gab es keine. Wie die Schweine aus ihrer Behausung ausreißen konnten, ist jetzt Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.

Besonders gefreut haben sich die Ehrenamtlichen der Feuerwehren über die Hilfsbereitschaft der Einwohner und den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Einige Nachbarn brachten sogar Kuchen und Heißgetränke an die Einsatzstelle. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt war das eine sehr willkommene Verpflegung für die durchfrorenen Feuerwehrleute.

Die Schweine richteten im Ort einiges an Schaden an, vor allem indem sie Wiesen umgruben. Foto: Christian Licha

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