BUNDORF

Unterschriften gegen neue Stromtrasse

Widerstand gegen mögliche Stromtrassen im Gebiet der Gemeindeallianz Hofheimer Land, zeigt sich auch in Bundorf.
Widerstand gegen mögliche Stromtrassen im Gebiet der Gemeindeallianz Hofheimer Land, zeigt sich auch in Bundorf. Foto: Alois Wohlfahrt

Das mögliche Szenario einer neuen Stromtrasse durch die Haßberge war Thema im Bundorfer Rathaus. Wie alle Mitgliedskommunen der Allianz Hofheimer Land hat sich die Gemeinde gegen P 44 positioniert.

Der prominenteste Platz in Bundorf wurde für das sichtbare Zeichen des Protests ausgewählt: Gleich neben der Kirche steht das große Banner mit „Nein zur Stromtrasse“ und dem Hinweis auf die Möglichkeit, sich in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hofheim in die Unterschriftenliste einzutragen. Aus Sicht von Gemeinderat Thomas Schmitt, der das Thema aufs Tablett brachte, ist das allein zu wenig: „Man muss den Leuten wenigstens ein bisschen Information geben“, regte er in der Sitzung des Gremiums am Mittwoch an. Dabei ging es ihm nicht um das Für oder Wider, wie er am Donnerstag auf Nachfrage gegenüber dieser Redaktion erläuterte, sondern um die Vorgehensweise. „Ich will einfach wissen, für oder gegen was ich unterschreibe“, stellte er klar.

„Wir wissen auch nicht viel mehr“, sagte Bürgermeister Hubert Endres. Es sei noch vieles offen, also auch ob überhaupt eine neue Trasse gebaut wird und wenn ja, wo genau sie verlaufen würde. Trotzdem hätten die Kommunen schnell reagieren müssen, um ihre Position deutlich zu machen. „Wir konnten ja nicht ahnen, dass die Regierungsbildung so lange dauert“, merkte Endres an. Es sei geplant gewesen, mit den Unterschriftenlisten in Berlin vorstellig zu werden, ergänzte VG-Geschäftsleiter Andreas Dellert. Gerade am Mittwoch habe wieder eine Beteiligungsrunde des Netzentwicklungsplans geendet. Der Landkreis Haßberge habe sich beteiligt, die Stellungnahme ging in Kopie an die Kommunen.

Zur Anregung von Thomas Schmitt wies Dellert auf die zweiseitige Erläuterung hin, die der Unterschriftenliste in der VG beiliegt. Schmitt schlug vor, diese Erläuterungen auch per Aushang in der Gemeinde zugänglich zu machen. Zudem solle eine Unterschriftenliste im Bundorfer Rathaus ausgelegt werden.

Zur Sache selbst hatte Bürgermeister Endres betont: „Wir wollen Natur.“ Es gehe um die Gemeinde und eine neue Stromtrasse sei nicht in ihrem Interesse. Als Argument nannte er die Masten, die teils 70 Meter hoch seien. „Wenn solche Monsterdinger da stehen, kann man keine Häuser mehr verkaufen“, so Endres.

Andere Förderung

Der letzte Punkt des öffentlichen Programms strapazierte die grauen Zellen. Die Gemeinde wird beantragen, den Kindergarten „Nimmersatt“ rückwirkend zum 1. Januar 2018 als Landkindergarten zu führen. Der Grund: Der Freistaat fördert den Kindergarten dann anders, was für die Gemeinde als Träger von Vorteil ist.

Dahinter steckt quasi höhere Mathematik. Der Kindergarten ist seit längerem unterbelegt, positiv ausgedrückt: Es gibt noch Platz. Für insgesamt 40 Kinder ist die Einrichtung in Bundorf ausgelegt. Tatsächlich waren es Anfang Januar nur 21 Regelkinder (drei bis sechs Jahre) und drei Krippenkinder (bis drei Jahre). Bei einer Einstufung als Landkindergarten wird die Förderung so bemessen, als ob immer 25 Kinder die Einrichtung besuchen, erläuterte Dellert von der VG. Außerdem werden alle Kinder gleich gewichtet, die höheren Faktoren für Krippenkinder, Kinder mit Migrationshintergrund, behinderte Kinder oder Schulkinder fallen weg. Zwar müsse auch die Gemeinde mehr zahlen, weil sie wie alle Kommunen über den Betriebskostenanteil an der Finanzierung der Kindergärten beteiligt ist. Trotzdem lohne sich die Umstellung: Im konkreten Fall ist die Gemeinde Bundorf eben auch Träger des Kindergartens und wird als solche langfristig entlastet. Sollte die Zahl der Kinder steigen, kann laut Dellert wieder auf die frühere Förderung umgestellt werden.

Der Gemeinderat verabschiedete am Mittwoch das geänderte Förderprogramm für Investitionen zur Nutzung vorhandener Bausubstanz und eine neue Friedhofssatzung. Letztere soll dem Wandel der Bestattungskultur Rechnung tragen, sprich der Zunahme an Urnengräbern und anderen Bestattungsformen.

Ein Problem gibt es an der Kläranlage in Neuses, die erst im vergangenen Jahr in Betrieb gegangen ist: Bei Hochwasser dringt Wasser aus der Baunach in die Anlage ein und die Gemeindearbeiter müssen anrücken. Für Thomas Schmitt, der selbst in Neuses wohnt, ein Unding. „Die Neuseser haben genug Geld ausgegeben, sie haben ein Recht auf ein funktionierendes Bauwerk.“ Der Bürgermeister konnte dazu nur die Aussage des Architekten wiedergeben: Die Gemeinde habe die Ausführung des Zulaufs so gewünscht, damit die Anlage nicht noch teurer werde. Um die Sache zu klären, strebt die Gemeinde einen Ortstermin mit dem Architekten an.

Zuvor hatte Schmitt Schäden und Verschmutzungen an Straßen und Wegen moniert, die landwirtschaftliche Fahrzeuge verursacht hätten. Konkret ging es unter anderem um die Folgen eines Gülleunfalls auf einem Flurweg am nördlichen Ortsrand von Bundorf und die Bankette vor der Ortseinfahrt Neuses, von Bundorf kommend. Der Bürgermeister verwies auf das Verursacherprinzip, in beiden Fällen werde die Gemeinde die Betreffenden daran erinnern, die Schäden zu beseitigen.

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