Haßfurt

Vereinsbeauftragter und Mehrwegkonzept sind wichtiger

„Das erinnert mich schon deutlich an Wolkenkuckucksheim!“ Wenn Stephan Schneider über die Pläne nachdenkt, die Volker Ortloff, sein Mitbewerber aus der CSU für das Bürgermeisteramt, in der vergangenen Woche in dieser Zeitung präsentiert hat, dann kann der SPD-Kandidat für den Posten des Stadtoberhaupt nur den Kopf schütteln. So erklärte es Schneider  - laut einer Pressemitteilung seiner Partei - den Bürgern, die zur Wahlveranstaltung in Oberhohenried gekommen sind. 

Kein frischer Wind

Altstadtring, Parkhaus, neues Wohnquartier im Hafen und Co seien für Stephan Schneider keinesfalls Visionen für ein besseres Leben oder gar ein „Modell 2030“, sondern „Pläne, die wenig durchdacht sind und in eine völlig falsche Richtung zielen“, heißt es weiter in der Verlautbarung. Mit den Ideen werde kein „frischer Wind“, den sich der CSU-Kandidat gerne auf die Fahnen schreibe, so Schneider, produziert, sondern bestenfalls „heiße Luft“. „Ich frage mich, wo die historische Chance liegt, von der die drei CSUler reden“, werden Stephan Schneiders Äußerungen von Oberhohenried in der Mitteilung zitiert. Die vorgeschlagene Verkehrsführung sei wenig durchdacht. „Wie die Zu- und Abfahrt zum Marktplatz funktionieren soll, wird gar nicht erwähnt. Der vorgeschlagene Kreisel in der Brückenstraße hat keinen Sinn.“ Ganz abgesehen davon, dass die Stadt Haßfurt die Einbahnregelung gar nicht festlegen könne, da auch Staatsstraßen betroffen seien.

Lieber sozialen Wohnungsbau fördern

Der Gedanke, dass im Hafen ein Wohnquartier für 800 Menschen und gehobene Ansprüche entstehen soll, lasse den SPD-Kandidaten ein wenig schmunzeln, so die verlautbarung. Dort verbrauchtes Geld sei wesentlich besser im sozialen Wohnungsbau aufgehoben. „Das ist ein Bereich, an dem wir als Stadt ranmüssen. Wir brauchen ein Programm für Wohnraum, den man sich auch leisten kann.“ Blieben ein vierstöckiges Parkhaus am Bahnhof oder eine Fußgängerbrücke über die Bundesstraße für die Berufsschüler. „Wahnsinn, was das kosten würde!“ Geld, das, davon zeigt sich Stephan Schneider in der Mitteilung überzeugt, an anderen Orten und in anderen Bereichen sehr viel besser angelegt werden könne.

Vorreiter in Müllvermeidung

Als Beispiel nennt der SPD-Kandidat die von ihm vorgeschlagene Einführung eines einheitlichen Mehrwegsystems. „Wir wollen Vorreiter in Sachen Müllvermeidung werden.“ Bei dem Konzept, für das die Stadt eine Anschubfinanzierung leisten würde, könnte man sich in Metzgerei A ein Essen kaufen und dabei gegen Pfand ein Mehrweggeschirr mitnehmen, das später in Gaststätte B wieder abgegeben wird.

Ebenfalls am Herzen liege Stephan Schneider laut Pressemitteilung die Förderung und Unterstützung der vielen Vereine im Stadtgebiet. „Dort wird von Ehrenamtlichen tolle Arbeit geleistet.“ Die Vereine seien das Lebenselixier in den Dörfern. „Sie bringen und halten Leben in den Dörfern.“ Immer öfter seien aber die Verantwortlichen überfordert und es gestalte sich schwer, Personen zu finden, die bereit sind, sich in vorderster Linie ehrenamtlich zu engagieren, heißt es in der SPD-Verlautbarung.

Plattform für Vereine

Ein Punkt, an dem ein städtischer Vereinsbeauftragter helfen könnte. „Wir müssen die Vereine an die Hand nehmen und ihnen Unterstützung bieten“, wird Marco Heumann zitiert. Der Stadtratskandidat könne sich eine Ehrenamts- oder Vereinsbörse auf der Homepage der Stadt vorstellen, eine Art „Gesucht – gefunden“. „Vereine könnten sich bei Festen über die Plattform gegenseitig unterstützen oder gar Sachen gemeinsam anschaffen.“ Auch von der Stadt zur Verfügung gestellte Hardware wie eine Bühne oder ein Spülmobil seien denkbar. Genau wie eine „Begleitung im Ehrenamt, zum Beispiel bei den immer umfangreicheren Aufgaben, die ein Kassier hat“, so Stephan Schneider in der Mitteilung. „Wir brauchen eine Stelle, an die sich Vereine mit ihren Fragen wenden können.“ Die sei weit wichtiger als ein vierstöckiges Parkhaus oder eine Einbahnregelung für die Innenstadt.

„Es ist alles andere als ein in die Zukunft gerichtetes Konzept, wenn möglichst viele Autos in die Stadt kommen sollen und man für die mehr Parkraum schaffen muss“, wird auch Caroline Petersen, Stadtratskandidatin der SPD, mit ihrer Ablehnung des "Altstadtrings“ zitiert. Ziel müsse vielmehr sein, die Menschen in die Stadt zu bringen und dabei die Autos mehr und mehr zu verdrängen. „Wir brauchen richtungsweisende Ideen für den ÖPNV“, fordert sie und nennt bessere Busverbindungen in die Stadtteile oder gar einen Bürgerbus als Beispiel. „Dafür lohnt es sich zu investieren. Aber nicht für eine Brücke über die Bundesstraße oder eine Straße auf Stelzen!“

„Ich habe auch das Gefühl, dass der CSU-Kandidat mit seinen Visionen nicht wirklich Rückhalt in seiner Partei hat.“ Schließlich habe es bisher weder vom zweiten Bürgermeister noch vom Fraktions- oder einem der Ortsvereinsvorsitzenden Unterstützung in Sachen „Altstadtring“ gegeben, wird Stephan Schneider in der Verlautbarung abschließend zitiert. Warum auch? „Vieles war im Stadtrat schon besprochen oder angedacht worden, hatte sich aber als nur schwer bis gar nicht umsetzbar erwiesen.“

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