HASSFURT

Verlorene Zeit

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Viele Menschen nicht nur in unserem Lande beginnen in schöner Regelmäßigkeit mindestens zweimal im Jahr die gleiche Diskussion: Sollte man die Zeitumstellung – sprich die Sommerzeit – nicht einfach abschaffen?

An diesem Wochenende ist es wieder soweit. In der Nacht zum Sonntag wird aus 2 Uhr plötzlich 3 Uhr und wir haben über Nacht eine ganze Stunde verloren. Im Herbst ist es dann genau anders herum (Eselsbrücke: Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen). Das geht sehr vielen Menschen gewaltig auf den Keks. Laut einer Studie des Forsa-Instituts sind 73 Prozent der Deutschen gegen diesen Zeitwechsel.

Menschen, die gerne im Freien aktiv sind, ist die Sommerzeit zwar oft sympathisch. Sie bekommen gefühlt eine Stunde mehr Tageslicht geschenkt. Dieses Argument hinkt allerdings, denn der Sonnenaufgang verschiebt sich in den Sommermonaten ohnehin nach vorne.

Für Langschläfer ist die Umstellung auf Sommerzeit hingegen immer ein Graus. Zwar können diese am ersten Tag der Umstellung ausschlafen. Dennoch brauchen viele Menschen immer ein paar Tage, bis ihr Bio-Rhythmus sich auf die Sommerzeit eingestellt hat. Rund ein Viertel der Befragten hat sogar regelmäßig gesundheitliche Probleme durch diese Zeitverschiebung. „Traditionell“ erhöhen sich nach der Zeitumstellung auch die Unfallzahlen. Und die angeblich energiesparende Wirkung der Sommerzeit, die lange Zeit als Rechtfertigung für diesen Eingriff herhalten musste, würde heutzutage allenfalls unter dem Begriff „fake news“ rangieren.

Nicht zuletzt diese Fakten veranlassten im Februar 2018 das Europäische Parlament, die EU-Kommission aufzufordern, die Vor- und Nachteile der Zeitumstellungen genau zu analysieren und gegebenenfalls die Sommerzeit abzuschaffen. Auch die Unionsfraktion hatte vor rund einem Jahr eine Pressemitteilung „Zeitumstellung abschaffen“ herausgegeben, um ein „klares Signal nach Brüssel“ zu senden. Die Europäische Kommission sollte aufgefordert werden, die Sommerzeit-Richtlinie zu überprüfen und eventuell anzupassen. Die Kommission hat sich mit dem Thema inzwischen beschäftigt. Ihre Erkenntnis: Die Sommerzeit muss entweder in der ganzen EU abgeschafft werden oder überall bestehen bleiben. Den Ländern die Zeitumstellung freizustellen, sei schädlich für den Handel.

Der Bundestag allerdings hat sich ganz aktuell gegen die Abschaffung der Zeitumstellung entschieden. Genau 60 Sekunden beschäftigte das Thema am Donnerstag das Plenum. Nicht einmal eine Aussprache zu dem Thema war vorgesehen. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth rief den Tagesordnungspunkt zur Mittagszeit auf, eine Minute später war das Ergebnis verkündet: Union und SPD hatten dagegen gestimmt, eine seltsame Koalition aus FDP, Linken und AfD dafür. Enthalten hatten sich die Grünen.

Die FDP hatte ihren Antrag im Bundestag damit begründet, dass spürbare wirtschaftliche und finanzielle Vorteile der Zeitumstellung nicht eingetreten seien. Mensch und Tier würden nach Ansicht der Liberalen mit möglichen negativen Gesundheitsfolgen und die Wirtschaft mit überflüssiger Bürokratie konfrontiert. Ausnahmsweise einmal eine FDP-Ansicht, der sich offenbar drei Viertel aller Bundesbürger sofort anschließen würden.

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