Vom Rande her angeknabbert

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Kleinvieh macht auch Mist, das ist beim Flächenverbrauch nicht anders. Viele kleine Gewerbe- oder Baugebiete ergeben zusammen auch einen Gewerbepark oder ein neues Stadtviertel. Was ja an sich kein Drama wäre, wenn nicht immer mehr Wiesen und Wälder, Äcker und Felder dem Flächenfraß zum Opfer fielen. Die Umwandlung von Freifläche in Siedlungs- und Verkehrsraum erreicht in Bayern eine Größenordnung von 14 Fußballfeldern täglich, im Jahr summiert sich das auf rund 36 Quadratkilometer. Diese Angaben stammen nicht von Naturschützern, sondern vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.

Der Landkreis Haßberge hat besonderen Grund, der immer stärkeren Ausdehnung seiner Siedlungen in die geliebte Kultur- und Naturlandschaft Einhalt zu gebieten. Zum einen wirbt die Region ja mit ihrer landschaftlichen Schönheit und will damit nicht nur Touristen anlocken, sondern Städter mit günstigem Wohnraum im idyllischen Grün anwerben. Zum anderen hat die Kommunalpolitik erkannt, dass immer neue Baugebiete auf der grünen Wiese keinen Sinn haben, wenn dafür die Altorte verwaisen. Oft fordern Bürger ein neues Baugebiet am Ortsrand – die Bürgermeister wehren sich aber immer häufiger gegen die teure Erschließung und verweisen auf die innerorts für den Sankt-Nimmerleinstag „gebunkerten“ Bauplätze.

Jetzt hat der Kreistag Haßberge als zuständiges Gremium doch wieder ein Stück Land „geopfert“. Nicht irgend ein Stück: Die Kreisräte haben der Herausnahme eines rund 3000 Quadratmeter großen Areals in Prölsdorf aus dem Landschaftsschutzgebiet des Naturparks Steigerwald zugestimmt. Die Gemeinde Rauhenebrach hat darum gebeten, hier zwei Bauplätze ausweisen zu können. Das Ansinnen der Kommune ist durchaus verständlich. Prölsdorfs Einwohnerzahl wächst gegen den Trend, es hat sich eine bauwillige junge Familie gemeldet, aber die wenigen freien Bauplätze sind in privater Hand und irgendwie unverkäuflich. Aber wer wollte eine junge Familie nicht gerne am Ort halten?

Auch den Kreisräten ist an und für sich kein Vorwurf zu machen. Die Naturschutzbehörde hat bestätigt, dass die „naturschutzfachliche Wertigkeit“ der Fläche nicht hoch sei, weil es sich um einen Acker handelt. Und von dem wird ja lediglich ein winziges Stück abgezwickt. Die kleine Beschneidung tut dem Landschaftsschutzgebiet also nicht wirklich weh. Und es ist schon klar, ein Schutzgebiet sollte, wenn es sich nicht gerade um einen Nationalpark handeln, kein eisernes Korsett sein, dass den Bedürfnissen des menschlichen Lebens und Wirtschaftens keinen Millimeter nachgeben darf.

Trotzdem bereitet der jüngste Fall der bewussten Schrumpfung des Naturparks Steigerwald ein wenig Unbehagen. Denn letzten Endes sind es zu viele Gemeinden, die mit den immer gleichen Argumenten kommen könnten, ob hier im Steigerwald, ob in den Schutzzonen im Maintal oder in den Haßbergen (wie zuletzt die Stadt Zeil mit dem Baugebiet Mittelsetz II): Man hätte so gerne ein Stückchen Natur, es sind ja bloß ein paar Häuschen, die man bauen will. Wie will der Kreistag einer Kommune verwehren, was er einer anderen genehmigt hat? Bleibt zu hoffen, dass die Schutzgebiete von den Rändern her nicht immer weiter aufgefressen werden.

Rückblick

  1. Kommentar: Ohne Mobilfunk gibt es keine Zukunft auf dem Land
  2. Kommentar: Gefräßige Problemvögel in Sand müssen in den Kochtopf
  3. Kommentar: Hochbelastetes Material in Haßfurt muss dringend entsorgt werden
  4. Streiflicht: Ist den Haßberggemeinden das Kommunalrecht egal?
  5. Kommentar: Die große Corona-Schlacht nicht ohne kleine Häuser
  6. Streiflicht: Ein Mundschutz  für die Kommunalpolitiker?
  7. Kommentar: Corona kann kein Grund für Langeweile sein
  8. Kommentar: Wenn Politiker im Sandkasten spielen
  9. Kommentar: Ein realistisches Bild von der Wirklichkeit
  10. Kommentar: Virus-Panik im Landkreis Haßberge
  11. Kommentar: Mit Herzblut für die Demokratie
  12. Kommentar: Was können Demokraten gegen rechte Gewalt tun?
  13. Warum Kirchlauter für Breitbrunn kein gutes Vorbild abgibt
  14. Streiflicht: Schluss mit den Heiligen Ländern der Ahnungslosen
  15. Streiflicht: Darf die Demokratie zwei Euro kosten?
  16. Streiflicht: Die Demokratie vorzuleben ist ihr bester Schutz
  17. Streiflicht: Die Wahl zwischen ziemlich besten Freunden
  18. Kommentar: Lust an Brutalität
  19. Streiflicht: Bloß keine Hektik - das gilt auch im Advent
  20. Meinung: Da lässt sich von außen keine Moral drüberstülpen
  21. Streiflicht: Eine Gefahr für die anderen
  22. Streiflicht: Wenn ein falscher Neffe anruft
  23. Streiflicht: Werbung für den Haßbergkreis als Heimat
  24. Kommentar: Demonstranten im Urlaub
  25. Streiflicht: Sind keine Bäder wirklich die billigere Lösung?
  26. Streiflicht: Braucht die Lokalpolitik eine Frischzellenkur?
  27. Streiflicht: Warum ein neuer Name Symbolwirkung hat
  28. Streiflicht: Warum müssen unschuldige Tiere sterben?
  29. Heimatgefühl
  30. Streiflicht: Telefoniert euch nicht zu Tode
  31. Die falsche Taste gedrückt
  32. Hilfe statt Diskriminierung
  33. Nicht zu wählen ist keine Wahl
  34. Fischorakel
  35. Glosse: Die Migration als Mutter unserer Probleme zu bezeichnen, wäre Narretei
  36. Gerechte Verteilung
  37. Hausgemacht
  38. Rauschig
  39. Flüchtling
  40. Hand in Hand wäre viel besser
  41. Mediaspora
  42. Im Kleinen
  43. Demokratie mit Pickeln
  44. Gelebte Energiewende
  45. Söders Kreuzzug
  46. Retten solidarische Nachbarn das Zeiler Hallenbad?
  47. Abgebrannt
  48. Vom Rande her angeknabbert
  49. Knöllchen und Kinderzimmer
  50. Facebook: Eiskalt serviert

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Haßfurt
  • Prölsdorf
  • Martin Sage
  • Landschaftsschutzgebiete
  • Streiflicht
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!