HASSFURT

Vom Wettbewerb um die besten Köpfe

ThomasStelzer

Die Mitglieder des Kreisausschusses für Arbeit, Wirtschaft und regionale Entwicklung ließen sich am Donnerstagnachmittag ausführlich über den Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Landkreis informieren. Dazu waren Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, und Werner Mahr, Geschäftsführer des Jobcenters Haßfurt, in den Sitzungssaal des Landratsamtes gekommen.

Beide Institutionen – Arbeitsagentur und Jobcenter (ARGE) – haben das Ziel, Arbeitssuchende möglichst schnell in Lohn und Brot zu bringen. Die Arbeitsagentur ist zuständig für gerade in die Arbeitslosigkeit gefallene Erwerbslose zuständig, die schon mal ins Sozialsystem eingezahlt haben und Anspruch auf Arbeitslosengeld haben (SGB III). Im Jobcenter werden alle anderen Erwerbslosen betreut, mitunter auch sehr schwierige Fälle aus sozialen Randschichten (SGB II).

Thomas Stelzer stellte einen „stabilen Arbeitsmarkt auf gutem Niveau“ vor. Die Arbeitslosenquote lag in den beiden zurückliegenden Jahren bei 3,5 Prozent. Das sind rund 1700 Männer und Frauen. Damit ist der Landkreis Haßberge leicht besser ist als die gesamte Region Main-Rhön (3,7 Prozent), besser als der Freistaat (3,8 Prozent) und der Bund (6,7 Prozent).

Ein Trend allerdings ist laut Stelzer feststellbar: Es wird für Unternehmen zunehmend schwieriger, freie Stellen zeitnah wieder mit passenden Arbeitskräften zu besetzen. Die Zahl der freien Stellen wächst. „Es muss den Unternehmen klar sein, dass sie in einem Wettbewerb stehen – nicht nur bei ihren Produkten, sondern auch bei den Menschen.“

Dieser Trend lässt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt herauslesen. Dort nimmt die Zahl von Schülern, die in die betriebliche Berufsausbildung einsteigen, weiter ab. Es gebe Realschulklassen, so Stelzer, bei denen würde nach der zehnten Klasse die Hälfte auf die FOS gehen. Dies führe aber auch dazu, dass schwächere Bewerber bei beruflicher Flexibilität eine Chance haben. Quer über alle Branchen betrachtet steht der Zeitpunkt kurz bevor, wo es erstmals mehr Ausbildungsstellen als Bewerber geben wird. „Der Wettbewerb um die besten Köpfe in unserer Region hat begonnen.“

Im Jobcenter Haßberge bemühen sich 35 Mitarbeiter von Landkreis und Bundesagentur um die Vermittlung, Förderung und Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen. Im vergangenen Jahr kamen 2133 Personen aus dem Landkreis in den Genuss von Leistungen des Jobcenters. Das waren 503 weniger als noch im Jahr 2010. Parallel zur zurückgehenden Arbeitslosigkeit und der abnehmenden Zahl der Leistungsberechtigten wurde auch das dem Jobcenter zur Verfügung stehende Budget zurückgefahren. Wurden im Jahr 2006 landkreisweit noch 3,7 Millionen Euro ausgegeben, kann in diesem Jahr nur noch mit 2,3 Millionen Euro kalkuliert werden.

Besonders stark rückläufig, so Werner Mahr, sei dabei das Eingliederungsbudget, das von 2010 auf 2015 um mehr als eine Million Euro (minus 53 Prozent) reduziert worden sei – und das, obwohl die Anzahl der Leistungsberechtigten sich nur um 21,2 Prozent verringert habe und bei ständig steigenden Personal- und Verwaltungskosten der Aufwand für die nachhaltige Integration von Arbeitslosen ins Arbeitsleben heutzutage mindestens gleich hoch geblieben sei.

Durch die Kürzungen im Gesamtbudget fehlen dem Jobcenter unterm Strich in diesem Jahr rund 100 000 Euro, um eine gleiche Leistung wie im Jahr 2014 anzubieten. Da sichergestellt werden muss, dass für die Kunden des Jobcenters Geldmittel für Pflichtleistungen (Vermittlungsbudget, REHA-Kosten) vorhanden sind, betonte Werner Mahr, werde man künftig bei der Gewährung von freiwilligen Leistungen (Zuschuss zu Autokauf, Führerschein, u. ä.) zurückhaltend umgehen. Auch die Teilnahme an integrationsorientierten Maßnahmen, so Mahr, sei dann nur für einen kleiner werdenden Kundenkreis möglich. „Aufgrund der Budgetprobleme ist eine zielführende am Kunden orientierte Integrationsarbeit nur noch schwer möglich.“

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