HAßFURT

Von Glyphosat und Vertrauen

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Wie halten Sie es, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Thema Glyphosat? Sind Sie für ein Verbot des Herbizids auf dem Grund und Boden Ihrer Gemeinde oder generell in der Landwirtschaft und bei der Pflege von Verkehrswegen? Der Kreistag Haßberge hat am Montag mit 35 gegen 18 Stimmen beschlossen, Glyphosat von allen kreiseigenen Flächen zu verbannen. Zwei Tage später hat der Gemeinderat Sand einen gleichlautenden Verzichtantrag der SPD–Fraktion für die Sander Flur mit 8:7-Mehrheit abgelehnt. Auch in Knetzgau oder Hofheim wollte sich die Lokalpolitik mehrheitlich einem Verbot nicht anschließen – anders als etwa in Haßfurt.

Viele Widersprüche

An dieser Stelle soll weder die Entscheidung in die eine noch in die andere Richtung kritisiert werden. Es geht vielmehr um das Dilemma, in dem jeder verantwortungsbewusste Bürger und (Lokal-)Politiker steckt. Denn wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Auch wer etwas von Chemie und Biologie versteht, wer mit den Prozessen der Landwirtschaft vertraut ist oder sich in der Medizin oder mit Ernährungsfragen auskennt, wird zwischen dem Nutzen und dem Schaden des Pestizids nicht ernsthaft abwägen können. Wer sich aber informieren will, stößt unausweichlich auf die vielen Widersprüche und diametral gegensätzlichen Aussagen zur Notwendigkeit und Gefährlichkeit des Gifts. Und spürt, dass es hier nicht nur um ehrliche Erkenntnis, sondern oft nur um Weltanschauung oder Eigennutz geht. Es lässt sich also sagen, dass Glyphosat ein Sinnbild dafür ist, wie begrenzt das Wissen und die Beurteilungsmöglichkeiten des einzelnen sind und wie hilflos ihn das zurücklässt.

Wahrheit oder Lüge?

Darüber hinaus steht das Totalherbizid leider auch für den Vertrauensverlust der Bürger in die Unternehmen und die Politik. Da mag die Weltgesundheitsorganisation WHO auch versichern, dass von der Substanz aus der Gruppe der Phosphonate keine Gesundheitsrisiken für „Nichtzielorganismen“ ausgehen – doch die Mehrheit der Menschen wird das nie glauben. Die chemische Industrie verdiene sich mit dem Wirkstoff eine goldene Nase und schere sich einen Teufel um dessen ökologische Relevanz. Und Politik knicke wie immer vor der Lobby der Wirtschaft ein – das ist die Grundüberzeugung in der Gesellschaft. Und man fragt sich, wie es soweit kommen konnte. Das eigentlich Traurige bei all diesen Themen wie Glyphosat ist also, dass sich so viele Menschen von vornherein im Stich gelassen fühlen, wenn sie sehen, dass das Allgemeinwohl mit dem Wohl weniger Mächtiger kollidiert. Nur so ist es auch möglich, dass – um beim Thema Schädlingsbekämpfung zu bleiben – in Kürze ein Buch erscheinen wird, das „Die Pestizidlüge“ heißt. Allein der Titel liest sich als Anklage gegen Chemie- und Bauernlobby und Politik. Die Leser des Werkes werden sich am Ende die Frage stellen müssen, ob es tatsächlich so ist, dass zum Beispiel – wie im Buch behauptet – wissenschaftliche Studien vor allem bei Kindern eine Verbindung zwischen dem Anstieg von Krankheiten und dem Pestizideinsatz herstellen. Oder ob das alles nur Panikmache ist. So oder so, das Vertrauen in das Gute wird die Lektüre nicht wachsen lassen.

Von Glyphosat und Vertrauen       -  Wie halten Sie es, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Thema Glyphosat? Sind Sie für ein Verbot des Herbizids auf dem Grund und Boden Ihrer Gemeinde oder generell in der Landwirtschaft und bei der Pflege von Verkehrswegen? Der Kreistag Haßberge hat am Montag mit 35 gegen 18 Stimmen beschlossen, Glyphosat von allen kreiseigenen Flächen zu verbannen. Zwei Tage später hat der Gemeinderat Sand einen gleichlautenden Verzichtantrag der SPD–Fraktion für die Sander Flur mit 8:7-Mehrheit abgelehnt. Auch in Knetzgau oder Hofheim wollte sich die Lokalpolitik mehrheitlich einem Verbot nicht anschließen – anders als etwa in Haßfurt. An dieser Stelle soll weder die Entscheidung in die eine noch in die andere Richtung kritisiert werden. Es geht vielmehr um das Dilemma, in dem jeder verantwortungsbewusste Bürger und (Lokal-)Politiker steckt. Denn wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Auch wer etwas von Chemie und Biologie versteht, wer mit den Prozessen der Landwirtschaft vertraut ist oder sich in der Medizin oder mit Ernährungsfragen auskennt, wird zwischen dem Nutzen und dem Schaden des Pestizids nicht ernsthaft abwägen können. Wer sich aber informieren will, stößt unausweichlich auf die vielen Widersprüche und diametral gegensätzlichen Aussagen zur Notwendigkeit und Gefährlichkeit des Gifts. Und spürt, dass es hier nicht nur um ehrliche Erkenntnis, sondern oft nur um Weltanschauung oder Eigennutz geht. Es lässt sich also sagen, dass Glyphosat ein Sinnbild dafür ist, wie begrenzt das Wissen und die Beurteilungsmöglichkeiten des einzelnen sind und wie hilflos ihn das zurücklässt. Darüber hinaus steht das Totalherbizid leider auch für den Vertrauensverlust der Bürger in die Unternehmen und die Politik. Da mag die Weltgesundheitsorganisation WHO auch versichern, dass von der Substanz aus der Gruppe der Phosphonate keine Gesundheitsrisiken für „Nichtzielorganismen“ ausgehen – doch die Mehrheit der Menschen wird das nie glauben. Die chemische Industrie verdiene sich mit dem Wirkstoff eine goldene Nase und schere sich einen Teufel um dessen ökologische Relevanz. Und Politik knicke wie immer vor der Lobby der Wirtschaft ein – das ist die Grundüberzeugung in der Gesellschaft. Und man fragt sich, wie es soweit kommen konnte. Das eigentlich Traurige bei all diesen Themen wie Glyphosat ist also, dass sich so viele Menschen von vornherein im Stich gelassen fühlen, wenn sie sehen, dass das Allgemeinwohl mit dem Wohl weniger Mächtiger kollidiert. Nur so ist es auch möglich, dass – um beim Thema Schädlingsbekämpfung zu bleiben – in Kürze ein Buch erscheinen wird, das „Die Pestizidlüge“ heißt. Allein der Titel liest sich als Anklage gegen Chemie- und Bauernlobby und Politik. Die Leser des Werkes werden sich am Ende die Frage stellen müssen, ob es tatsächlich so ist, dass zum Beispiel – wie im Buch behauptet – wissenschaftliche Studien vor allem bei Kindern eine Verbindung zwischen dem Anstieg von Krankheiten und dem Pestizideinsatz herstellen. Oder ob das alles nur Panikmache ist. So oder so, das Vertrauen in das Gute wird die Lektüre nicht wachsen lassen.
Wie halten Sie es, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Thema Glyphosat? Sind Sie für ein Verbot des Herbizids auf dem Grund und Boden Ihrer Gemeinde oder generell in der Landwirtschaft und bei der Pflege von Verkehrswegen? Der Kreistag Haßberge hat am Montag mit 35 gegen 18 Stimmen beschlossen, Glyphosat von allen kreiseigenen Flächen zu verbannen. Zwei Tage später hat der Gemeinderat Sand einen gleichlautenden Verzichtantrag der SPD–Fraktion für die Sander Flur mit 8:7-Mehrheit abgelehnt. Auch in Knetzgau oder Hofheim wollte sich die Lokalpolitik mehrheitlich einem Verbot nicht anschließen – anders als etwa in Haßfurt. An dieser Stelle soll weder die Entscheidung in die eine noch in die andere Richtung kritisiert werden. Es geht vielmehr um das Dilemma, in dem jeder verantwortungsbewusste Bürger und (Lokal-)Politiker steckt. Denn wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Auch wer etwas von Chemie und Biologie versteht, wer mit den Prozessen der Landwirtschaft vertraut ist oder sich in der Medizin oder mit Ernährungsfragen auskennt, wird zwischen dem Nutzen und dem Schaden des Pestizids nicht ernsthaft abwägen können. Wer sich aber informieren will, stößt unausweichlich auf die vielen Widersprüche und diametral gegensätzlichen Aussagen zur Notwendigkeit und Gefährlichkeit des Gifts. Und spürt, dass es hier nicht nur um ehrliche Erkenntnis, sondern oft nur um Weltanschauung oder Eigennutz geht. Es lässt sich also sagen, dass Glyphosat ein Sinnbild dafür ist, wie begrenzt das Wissen und die Beurteilungsmöglichkeiten des einzelnen sind und wie hilflos ihn das zurücklässt. Darüber hinaus steht das Totalherbizid leider auch für den Vertrauensverlust der Bürger in die Unternehmen und die Politik. Da mag die Weltgesundheitsorganisation WHO auch versichern, dass von der Substanz aus der Gruppe der Phosphonate keine Gesundheitsrisiken für „Nichtzielorganismen“ ausgehen – doch die Mehrheit der Menschen wird das nie glauben. Die chemische Industrie verdiene sich mit dem Wirkstoff eine goldene Nase und schere sich einen Teufel um dessen ökologische Relevanz. Und Politik knicke wie immer vor der Lobby der Wirtschaft ein – das ist die Grundüberzeugung in der Gesellschaft. Und man fragt sich, wie es soweit kommen konnte. Das eigentlich Traurige bei all diesen Themen wie Glyphosat ist also, dass sich so viele Menschen von vornherein im Stich gelassen fühlen, wenn sie sehen, dass das Allgemeinwohl mit dem Wohl weniger Mächtiger kollidiert. Nur so ist es auch möglich, dass – um beim Thema Schädlingsbekämpfung zu bleiben – in Kürze ein Buch erscheinen wird, das „Die Pestizidlüge“ heißt. Allein der Titel liest sich als Anklage gegen Chemie- und Bauernlobby und Politik. Die Leser des Werkes werden sich am Ende die Frage stellen müssen, ob es tatsächlich so ist, dass zum Beispiel – wie im Buch behauptet – wissenschaftliche Studien vor allem bei Kindern eine Verbindung zwischen dem Anstieg von Krankheiten und dem Pestizideinsatz herstellen. Oder ob das alles nur Panikmache ist. So oder so, das Vertrauen in das Gute wird die Lektüre nicht wachsen lassen.

Rückblick

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