Gädheim

Von "Klangforschern" und Röhrenglocken

Die "Klangforscher" und ihr Werk: (von links) Felix Binsteiner, Stefan Müller und Christian Schrepfer sowie Dirigent Armin Schuler. Foto: Werner Mock

Schon der Anblick des ausgefüllten Sakralraumes, mit Musikern und ihren Instrumenten und in der Mitte die glänzenden Röhrenglocken, war beeindruckend. Applaudierend und jubelnd feierte das Publikum in Gädheim in der Kirche Mariä Himmelfahrt denn auch den gemeinsamen Auftritt der Kapelle Frankenland, des Musikbahnhofs Gädheim und des Jugendorchesters Hofheim.

Erstmals kamen in den beiden Weihnachtskonzerten 2019 die neuen Röhrenglocken zum Einsatz, die klangschöne, himmlische, musikalische Akzente setzten.

Christian Schrepfer, Mitglied der Kapelle Frankenland und des Musikbahnhofs Gädheim, beeindruckten schon immer die watteweichen, satten, tiefen oder fantastischen Klangeffekte der Röhrenglocken, welche in großen Orchestern zur Imitation von Kirchenglocken Verwendung finden. So verwundert es nicht, dass er bei der Entstehung dieses Instrumentes der maßgebliche Veranlasser war. Im Frühjahr 2019 kam ihm, beim "Stöbern im Internet", die Initialzündung, dieses selbst zu bauen.

Ein Musikinstrument selbst zu erschaffen, kann zu einem faszinierenden Erlebnis werden, vorausgesetzt: die Rahmenbedingungen stimmen. Neben Werkzeugen und Materialien ist das Gelingen eines solchen Projekts nicht zuletzt vom Wissen über die nötigen Arbeitsschritte und Techniken abhängig. Außerdem war zu klären: Wer bezahlt das Rohmaterial, und wird die Idee von anderen mitgetragen? Teamfähigkeit war gefragt, denn ein Musikinstrument dieser Größenordnung baut man nicht alleine.

Stefan Müller, Vorstand des Musikbahnhofs Gädheim, Freund und musikalischer Weggefährte von Schrepfer, fand die Idee großartig und gab grünes Licht, dass der Musikbahnhof die Materialkosten trägt. Ebenso schloss sich Felix Binsteiner dem Vorhaben an. Alle drei waren sich einig, dass dies eine Überraschung für den Dirigenten Armin Schuler und seinen Vater Robert werden soll.

Das handwerkliche Geschick, das zudem alle Drei besitzen, ließ die "Vollblutmusiker" und Könner fest daran glauben, ein solch hochwertiges Instrument selbst bauen zu können.

Doch die richtigen Materialien sind für das spätere Klangbild von größter Bedeutung, und die Suche nach diesen erforderte Geduld. Rohre mit der nötigen Wandung und Legierung bot der normale Stahlhandel nicht an. Und so führte der Weg zum Instrumentenbauer, der 24 Meter Messingrohr bestellte.

Die Länge der einzelnen Röhren variiert je nach Tonhöhe, und diese mussten auf Zehntel-Millimeter genau zugeschnitten werden. Das Instrument erhielt dadurch seinen unverwechselbaren Charakter.

Von der Idee, der Konstruktion, vom Zusammenschweißen des Ständers, an dem die einzelnen Glocken angebracht sind und auf dem die chromatische Folge der Röhrenglocken analog zu einer Klaviertastatur angeordnet ist, bis hin zum fertigen Produkt vergingen Monate. Die drei Macher wurden zu regelrechten "Klangforscherexperten".

Den Schulers verschlug es regelrecht die Sprache. Die Beiden konnten es kaum glauben, dass Christian Schrepfer, Stefan Müller und Felix Binsteiner solch ein wertvolles Instrument selbst bauten, ein Instrument, dass üblicherweise nur im Besitz von Berufsorchestern ist und dem eine eigene Stimme inne wohnt, die zum Klingen gebracht werden will.

    

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