HASSFURT

Waren die aufgefundenen 3000 Euro wirklich Drogengeld?

Bei einer Drogen-Razzia, die die Polizei im Herbst vergangenen Jahres in den Wohnungen mehrerer Verdächtiger durchführte, konfiszierten die Beamten bei einem 23-Jährigen aus den Haßbergen neben einer geringen Menge Rauschgift dessen Führerschein, 3000 Euro in bar sowie sein Handy, das er für seine Drogengeschäfte einsetzte.

Als „Sahnehäubchen“ erhielt er von der Amtsrichterin in Haßfurt am Freitag auch noch eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die er jedoch nicht absitzen muss, weil sie das Gericht zur Bewährung aussetzte. Als Bewährungsauflage muss er 1800 Euro an den Bund Naturschutz berappen.

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe, viermal Handel mit Marihuana und Amphetamin getrieben zu haben, sowie einmal den Besitz von Drogen über seinen Anwalt Christian Merkel ein. Rund 500 Euro Umsatz habe sein Mandant dabei gemacht und etwa 100 Euro verdient, womit er seinen Eigenkonsum finanziert habe.

Nur die Spitze des Eisbergs?

Das nahm ihm der Anklagevertreter jedoch nicht ab. Er vermutete in der Anklage nur die Spitze des Eisbergs, da im Zimmer des Angeklagten, der noch bei seinen Eltern lebt, neben einem Haschischbrocken die 3000 Euro gefunden wurden – Drogengeld, vermutete der Anklagevertreter.

Dem widersprach freilich der Verteidiger. Der Angeklagte habe das Geld ja von seinem Gehalt als Handwerker zurückgelegt haben können, beispielsweise für einen Autokauf.

Richterin Ilona Conver ließ den weiteren Verbleib des Geldes in ihrem Urteil offen. Wenn der Angeklagte die 3000 Euro zurückhaben will, dann muss er dies bei der Staatsanwaltschaft beantragen und wohl sehr gute Gründe vorlegen, um das Geld wiederzubekommen.

Auf die Schliche kam die Kriminalpolizei Schweinfurt dem Angeklagten durch die Telefonüberwachung seines Lieferanten, eines Großhändlers, der bereits hinter Gittern sitzt. Vier Gespräche des Angeklagten mit seinem Lieferanten konnte die Polizei abhören, die sich dann in der Anklageschrift niederschlugen. Die Rauschgiftübergaben fanden meist an einem Waldrand statt.

Mit Durchsuchungsbeschlüssen in der Tasche durchsuchten die Beamten dann mithilfe eines Unterstützungskommandos zeitgleich mehrere Wohnungen. Der Angeklagte war während der Durchsuchung bei der Arbeit.

Die Durchsuchungsaktion sei für ihn ein heilsamer Schock gewesen. Seitdem habe er keine Drogen mehr angerührt, sagte er vor Gericht. Die Polizisten hätten ihm das Handy an seinem Arbeitsplatz abgenommen. Mittlerweile bereite er sich auf den „Idiotentest“, die MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) vor, um den Führerschein neu machen zu können.

Auf dem Handy des Angeklagten fanden die Ermittler das in Drogenkreisen beliebte Kommunikationsprogramm „telegram“ mit 40 Kontakten vor, bei dem sich Nachrichten nach einer bestimmten Zeit selbst löschen. Sieben Chats waren jedoch noch nicht gelöscht. Deren Inhalt wies eindeutig auf Drogengeschäfte hin.

Der Anklagevertreter sah aufgrund der Indizien sowie des gefundenen Schlagstocks und des Einhandmessers einen gewerbsmäßigen Drogenhandel vorliegen und forderte eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die für den nicht vorbestraften Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Der Verteidiger äußerte Zweifel an der Gewerbsmäßigkeit und hielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend. Die Vorsitzende sah dies ähnlich. Das gefundene Bargeld deute zwar auf einen schwunghaften Handel hin. Zu beweisen sei dies jedoch nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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