Haßfurt

Warum Schweinehalter im Haßbergkreis" eine Riesenangst" haben

Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Der Landkreis trifft seit 2018 Vorsichts- und Abwehrmaßnahmen. Die Seuche würde aber auch Getreidebauern treffen.
Sind sie in Gefahr? Schweinezüchter im Landkreis Haßberge machen sich sorgen wegen der Afrikanischen Schweinepest, die von Polen aus immer weiter Richtung Deutschland vorrückt. Hier ein Blick in die Boxen im Maststall von Bernhard Müller in Goßmannsdorf. Foto: Günther Geiling

Deutschland blieb bisher von der „Afrikanischen Schweinepest“ (ASP) verschont, aber sie setzt ihren tödlichen Zug fort und ist von Osten her nur noch 21 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Der Landkreis Haßberge bereitet sich seit 2018 nach Vorgabe des "Rahmenplanes ASP“ auf die Seuche vor. Es geht darum, die Einschleppung der Krankheit zu verhindern und für den Fall eines Ausbruchs Gegenmaßnahmen im Köcher zu haben. Darum kümmert sich eine Koordinierungsgruppe, die fachübergreifend aus Mitarbeitern des Landratsamtes besteht.

Mit Sorge sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass die Schweinepest im Vormarsch ist.  Das Friedrich-Löffler-Institut, eine Einrichtung des Bundes zur Erforschung der Tiergesundheit, spricht von einem „hohen Risiko“, dass infizierte Wildschweine von Polen aus nach Deutschland gelangen. Als Vorsichtsmaßnahme wurden dort bereits mobile Elektrozäune installiert. Das Land Brandenburg hat die Jagd auf Wildschweine verstärkt, bundesweit ist die Jagd mit Nachtsichtgeräten erlaubt. Aber auch von menschlichen Aktivitäten geht größte Gefahr aus bei der Verbreitung der Seuche. Zum Beispiel, wenn Kraftfahrzeuge kontaminierte Wurst- oder Fleischwaren transportieren. Schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot kann zur Gefahr werden.

Die Tierseuche wurde aus Afrika eingeschleppt und breitete sich seit 2007 von Georgien aus in die Nachbarländer aus. Seit 2014 tritt sie in Polen und den baltischen Staaten auf und grassiert seit 2017 in der Tschechischen Republik, Moldawien und Rumänien. 2018 wurden erste Fälle in Ungarn, Bulgarien und Belgien gemeldet und auch infizierte Wildschweine im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Belgien gefunden.

Die menschliche Gesundheit selbst ist nicht bedroht

Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine ansteckende Viruserkrankung, die ausschließlich bei Haus- und Wildschweinen vorkommt. Der Mensch ist in keiner Weise gesundheitlich bedroht. Bei infizierten Tieren kommt das Virus sowohl im Blut als auch im Gewebe vor und wird somit mit allen Ausscheidungen wie Speichel, Urin oder Kot schon kurz nach der Infektion freigesetzt. Übertragen wird die ASP entweder durch direkten Kontakt von Tier zu Tier oder indirekt durch Kontakt zu virusbehafteten Personen, Futtermitteln, Schlacht- und Speiseabfällen, Gerätschaften oder Fahrzeugen. Eine große Ansteckungsgefahr geht insbesondere vom Blut infizierter Tiere aus. Die  Viren verursachen nach wenigen Tagen hohes Fieber, Appetitverlust und Blutungen in der Haut und an den inneren Organen. Schon nach 7 bis 10 Tagen sterben fast alle infizierten Tiere.  Es gibt weder Impfung noch Therapie. 

Wie Monika Göhr von der Pressestelle des Landratsamtes Haßberge mitteilt, ist es deswegen vorrangiges Ziel, „geeignete Präventionsmaßnahmen“ zu ergreifen (siehe Infokasten). „Ein Ausbruch der Seuche im Hausschweinbestand kann existenzbedrohende Auswirkungen für die heimische Landwirtschaft und fleischverarbeitende Betriebe haben", so Göhr. Denn dann dürfe kein Schweinefleisch mehr ins Ausland exportiert werden. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liege auf der Bejagung von Wildschweinen und der Beprobung von Wildschweinkadavern. "Weiterhin wird darauf geachtet, dass Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise Hygiene-Vorschriften, in schweinehaltenden Betrieben eingehalten werden.“

Für Landwirte und Schweinehalter ist die lückenlose Hygiene praktisch der einzige Weg, um sich zu schützen. Aber auch Jäger, Saisonarbeitskräfte und Reisende sind gehalten, die nötigen Vorsorge- und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Schweinehalter Bernhard Müller aus Goßmannsdorf, der in einem geschlossenen System Mutterschweine, Ferkelaufzucht und Mastbetrieb aufweist, sagt zur gegenwärtigen Lage: „Ich habe natürlich eine Riesenangst davor, weil wirtschaftlich der ganze Betrieb daran hängt". Müller ist bewusst, dass - wenn irgendwo ein Fall auftritt und Deutschland nicht mehr seuchenfrei wäre - der Export zum Erliegen komme und die Preise abstürzen würden. 

Immer wieder bespricht BBV-Kreisobmann Klaus Merkel (links) mit Schweinehaltern wie Bernhard Müller und Landwirten Vorsorgemaßnahmen gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Foto: Günther Geiling

Bei seinen Vorsichtsmaßnahmen lege er Wert auf eine strikte Trennung von Feld und Stall. „Wenn ich von den Feldern komme, wechsle ich die Schuhe, bevor ich in meinen Stall gehe. Außerdem sind wir gerade dabei, einen Zaun um unsere Stallungen zu bauen. Damit wollen wir Wildschweine vom Gelände um den Stall fernhalten und auch ihren Durchmarsch verhindern.“ Auch der Besuch von Tierärzten sei ein Problem, wenn sie von Stall zu Stall gingen. So kenne er einen Tierarzt, der leidenschaftlicher Jäger sei. Dieser habe nun das Jagen eingestellt, um nicht selbst zum Überträger zu werden. Bernhard Müller weiß, dass der Ernstfall schon eintritt, wenn in seiner Umgebung ein infiziertes Tier gefunden wird. Dann müsse in einem Radius von fünf Kilometern um die Stelle ein Zaun gezogen werden. "Auch Getreide aus diesem Sperrgebiet darf dann nicht mehr verkauft oder verfüttert werden, so dass nur die Biomasseanlage übrigbleibt", so der Landwirt. So eine Situation könne jeden Bauern treffen. “

Die Jäger erhöhen die Abschusszahlen bei Wildschweinen

Helmut Schöpplein aus Ebelsbach, leidenschaftlicher Jäger und Vorsitzender der Hegegemeinschaft-Ost, bestätigte, dass die Waidmänner die Bejagung von Wildschweinen schon stark sehr intensiviert haben. Bei einer Drückjagd von Eltmann bis Limbach seien kürzlich 22 Sauen erlegt worden.  Die Erlaubnis von Nachtsichtgeräten sei eine gute Sache, sie kämen inzwischen fast in jeder zum Einsatz. Aber auch Schöpplein weist auf den Risikofaktor Mensch hin: Auf Urlauber oder Lkw-Fahrer, die Wurstwaren mit sich führten - oder auch nur ein belegtes Brötchen achtlos wegwerfen. Dem stimmt Klaus Merkel, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, zu.  Deswegen sollten an allen Rastplätzen verschlossene Abfallcontainer stehen, die mehr als einmal die Woche geleert werden müssten, fordert Merkel. "Dies haben wir schon vor einiger Zeit mit dem damaligen Staatssekretär Gerhard Eck besprochen." Allerdings müsse hier noch die Zuständigkeit der Straßenmeistereien geklärt werden. "Mit wenig Kosten könnten wir hier eine Katastrophe verhindern", ist sich der Kreisobmann sicher. 

Getreidepreise würden im Ernstfall abstürzen

Merkel macht darauf aufmerksam, dass die Katastrophe über alle Landwirte - also auch Getreidebauern - hereinbrechen könnte. Wenn Schweine getötet werden müssten, wirke sich das auf den Getreidepreis aus. Denn 60 Prozent der Getreide-Erzeugung gehe über den Tiermagen. Noch bestehe für Schweinehalter kein Grund zur Panik, wohl aber zur höchsten Vorsicht. Deswegen erhielten Schweinehalter und Jäger in den letzten Tagen Post aus dem Landratsamt mit weiteren Sicherheitshinweisen und vorgesehenen Maßnahmen.

Folgende Maßnahmen ergreift der Landkreis gegen die Seuche
Regelmäßig Proben von verendeten Wildschweinen durch Jäger/Revierinhaber
Beschilderung sensibler Park- und Rastplätze mit Mülleimern
Datenaktualisierung bei Schweinehaltungen und Jägern
Einrichtung von zwei Wild-Sammelstellen in Ebern und Haßfurt, die im Seuchenfall als Verwahrstellen dienen
Anschaffung von Desinfektionsschleuse und praktische Übungen zu ihrem Aufbau
Schulung von Bergeteams von zwei Bauhöfen
Anschaffung eines Hängers für Transport der aufgefundenen Wildschweine
Praktische Übungen der Veterinär-Fachleute bei Annahme eines Seuchenfalles im Hausschwein-Bestand
In Vorbereitung sind die Anschaffung eines Elektro-/Wildzaunes, eine Infoveranstaltung für Jäger und Revierinhaber, die Einrichtung weiterer Sammelstellen für Wildschweinkadaver und eine Internetseite mit Informationen zur Seuche.
Im Freizeitpark oder bei einer Ausstellung mit Tierpräparaten wie hier bei der Hegeschau in Ebelsbach ist „Schwarzkittel“ ein gern gesehener Gast; von ihm können aber auch Gefahren ausgehen. Foto: Günther Geiling

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