HAßFURT

Warum drei Straftaten in einem Jahr in den Knast führen

Weil der 25-Jährige zurzeit in der Justizvollzugsanstalt in Bamberg einsitzt, brachten ihn zwei Justizbeamte mit Handschellen und klirrenden Fußfesseln in den Gerichtssaal nach Haßfurt. Hier musste er sich wegen dreier Straftaten aus dem Jahr 2018 verantworten. Zweimal wegen Körperverletzungen und einmal wegen eines tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte. Der schwere Junge wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, außerdem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Bei den Widerstandshandlungen ging es um einen Vorfall, der sich am Abend des 27. Juli 2018 auf dem Marktplatz in Haßfurt abgespielt hatte. Weil Passanten kurz nach neun Uhr einen auf dem Boden liegenden jungen Mann gesehen hatten, riefen sie die Polizei. Kurz darauf kam schon eine Polizeistreife und die Beamten sprachen den Mann an, bei dem es sich um den Angeklagten handelte, und wollten seine Personalien feststellen.

Der war damit ganz und gar nicht einverstanden, sprang auf und rannte Richtung Unteres Tor davon. Als einer der Polizisten ihn einholte und festhielt, tickte er aus und schlug und trat nach dem Uniformierten. Nur mit Mühe gelang es den Ordnungshütern, den Wütenden zu Boden zu bringen und zu fesseln. Unablässig wehrte sich der offensichtlich Alkoholisierte gegen die Festnahme und als Hände und Füßen fixiert waren, spuckte er auf die Kleidung der Beamten.

Noch im Polizeiwagen versuchte er, mit den Füßen gegen die Rückenlehne zu treten, und traktierte die Polizisten mit Fäkalausdrücken. Die Polizeiaktion endete erst, als der Aufsässige mühsam in eine Zelle gesperrt worden war. Sogar dort randalierte er weiter und urinierte auf den Zellenboden, anstatt die vorhandene Toilette zu benutzen.

Der zweite Vorfall ereignete sich Mitte Oktober 2018, ebenfalls in der Kreisstadt. Damals drang der Beschuldigte in die Wohnung eines 37-jährigen Bekannten ein und brach einen Streit mit diesem vom Zaun. Dabei erlitt dieser eine neun Zentimeter lange Schnittverletzung, wahrscheinlich durch ein Taschenmesser, das der Angeschuldigte eingesetzt hatte.

Ähnlich gelagert war der dritte Fall, als er einen Hausmeister auf den Kopf schlug und ihn dann so rabiat gegen eine Wand schubste, dass dieser das Gleichgewicht verlor und sich beim Sturz auf den Boden das Handgelenk brach. Bei allen drei Taten gibt es einen roten Faden: Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt erheblich alkoholisiert.

Schon 14 Mal vor dem Richter

Warum er derzeit im Bamberger Knast einsitzt, wurde überdeutlich, als sein Vorstrafenregister verlesen wurde. Mit gerade mal 25 Jahren stand er schon 14 Mal vor dem Kadi, fünfmal wegen Körperverletzung, dreimal wegen Diebstahls, zweimal wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Wiederholt saß der schwere Junge deswegen hinter Gittern. Die neuerliche Gerichtsverhandlung ließ er regungslos über sich ergehen.

Im Vorfeld hatte das Gericht ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Psychiaterin sprach von einer „schizophrenen Psychose“ und einer „paranoiden Grundstruktur“. Sie attestierte dem Mann eine verminderte Schuldfähigkeit und bejahte die Frage nach dessen Alkoholabhängigkeit. Um therapeutisch auf ihn einzuwirken, empfahl sie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, Verteidigerin Mareen Basler hielt ein Jahr für ausreichend. Bei der Begründung des Urteils sprach Amtsrichterin Ilona Conver von „einer ganzen Latte von Vorstrafen“. Diese seien in der Regel unter dem Einfluss von Rauschmitteln verübt worden.

In der gegenwärtigen Lage sei der Verurteilte „eine Gefahr für die Allgemeinheit“. Notwendig sei von daher die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte, wird der Mann vom Gefängnis aus in eine geschlossene Entziehungsanstalt überführt. Die dort übliche Langzeittherapie dauert meistens zwei bis drei Jahre.

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